An der Basiskonferenz des Verbands Thurgauer Landwirtschaft (VTL) vom 11. März 2022 war die Abstimmung über die Massentierhaltungs-Initiative (MTI) ein zentrales Thema. Urs Schneider, Stv. Direktor SBV, stellte den Zeitplan vor. Er meinte vorab: «Wir haben eine ganze Serie von landwirtschaftskritischen Initiativen hinter uns und wir haben noch eine ganze Serie vor uns. Mal sind die Tierhalter betroffen, mal die Pflanzenbauer.»

Infos aus dem VTL

VTL-Geschäftsführer Jürg Fatzer erinnerte an die Festlegung der Gewässerräume. Die Thurgauer Gemeinden müssen den grundeigentümerverbindlichen Gewässerraum bis Ende 2026 festlegen. Dies erfolgt im Rahmen einer Sondernutzungsplanung in Form von Gewässerraumlinien. Fatzer sensibilisierte die anwesenden Bäuerinnen und Bauern, mit der Gemeinde in Kontakt zu treten und zu schauen, wo diese Gewässerraumlinien verlaufen. «Schaut, dass ihr den Handlungsspielraum zu euren Gunsten ausnutzt und dass ihr möglichst kein Land verliert», riet Fatzer.

Am 1. April tritt Beat Meier seine Stelle als neuer stellvertretender Geschäftsleiter an. Im VTL wird es eine neue Kommission «Öffentlichkeitsarbeit» geben, die von Eveline Bachmann präsidiert wird.

Die Generalversammlung findet am 9. Juni statt. Ein grösseres Traktandum ist die Statutenrevision. Fatzer bat die Anwesenden, diese Statuten vor der Versammlung zu studieren, um lange Diskussionen an der GV gering zu halten.

Betriebe müssten sich umorientieren

Urs Schneider sprach von einer «irreführenden Initiative», deren Folgen für die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft gravierend wären. «Die Inlandproduktion würde bei Geflügel- und Schweinefleisch um 50 bis 70 Prozent sinken», rechnete er vor.

Es sei utopisch, zu glauben, dass die heutigen Ställe einfach durch kleinere Einheiten ersetzt würden. «Viele dieser Betriebe würden ganz aus der Tierhaltung aussteigen, denn Investitionen lohnen sich nicht mehr», glaubt Schneider. In diesem Zusammenhang appellierte er an die Solidarität innerhalb der Landwirtschaft: «Wenn ein reiner Gemüsebaubetrieb denkt, die Initiative betreffe ihn nicht, ist das ein Trugschluss.» Jene Betriebe, die bei einer Annahme der MTI mit der Tierhaltung aufhören würden, müssten sich umorientieren und neue Produktionszweige suchen.

«Die Initianten sind gut aufgestellt, aber das sind wir auch.»

Urs Schneider, Stv. Direktor Schweizer Bauernverband

Bloss keine Skandale oder Verstösse  

Delegiertenversammlung SBV will mit Emojis gegen die Massentierhaltungs-Initiative antreten Thursday, 18. November 2021 Über die MTI wird höchstwahrscheinlich im September 2022 abgestimmt. Der SBV tritt mit Emojis (das sind vereinfacht gesagt Smileys in SMS und anderen Nachrichten), gegen die MTI an. «Das ist etwas ganz Neues», sagte Urs Schneider. Damit sollen vor allem die Jungen angesprochen werden. 

Ausserdem wolle man im Abstimmungskampf bewusst auf Bilder von Tieren verzichten. Auf den Fahnen und Plakaten wird zudem nicht das Wort Massentierhaltungsinitiative verwendet, sondern «unnötige Tierhaltungsinitiative». Schneider sprach von einer guten Ausgangslage für den SBV. Die grösste Gefahr sieht er darin, dass sich ein Skandal oder Verstösse gegen das Tierschutzgesetz ereignen könnten.

Nichts überstürzen

In der anschliessenden Diskussion war der Selbstversorgungsgrad ein Thema. Ein Bauer stellte die Frage in den Raum, ob man sich angesichts des Kriegs in der Ukraine nicht überlegen sollte, dieses Jahr mehr Getreide anzubauen. Maja Grunder, Co-Präsidentin des VTL, warnte vor voreiligen Schritten. «Wir sollten in der aktuellen Situation Ruhe bewahren und diesen Konflikt nicht als Propaganda für die inländische Produktion nutzen.» Vielleicht sei es gar nicht so schlecht, wenn im Herbst das Getreide oder andere Lebensmittel knapp würden. «Dann wird den Leuten wieder einmal bewusst, wie wichtig die Inlandversorgung ist.»

Betriebe für Schule auf dem Bauernhof gesucht

Andreas Reichmuth, Projektleiter Schularbeit beim LID, informierte über das Angebot Schule auf dem Bauernhof (SchuB). Obwohl es SchuB in der ganzen Schweiz gibt, sind die Unterschiede in den Kantonen bezüglich Teilnahme und Finanzierung gross.

Im Thurgau bieten 18 Betriebe SchuB an, zusammen kommen sie jährlich auf 500 Lektionen. Pro Lektion erhalten die Betriebe 60 Franken, zu je einem Drittel finanziert durch den VTL, den Verband Thurgauer Milchproduzenten und die Thurgauer Kantonalbank. Gemäss Jürg Fatzer, Geschäftsführer des VTL, gibt es durchaus Luft nach oben. Vor allem für Oberstufen-Klassen hat es wenige Angebote, was vermutlich auch damit zusammenhängt, dass Teenager nicht so einfach zu motivieren sind wie Kindergarten-Kinder oder Primarschüler.

Urs Schneider empfahl, bei der Gemeinde oder direkt bei den Schulen anzufragen, ob sie interessiert sind. «Wir können hier Begegnungen schaffen zwischen unseren zukünftigen Konsumenten und der Landwirtschaft.»