Eutererkrankungen gehören zu den Hauptabgangsursachen in der Milchproduktion. Im Jahr 2010 wurden die Mastitis-Kosten nach Abschluss einer wissenschaftlichen Arbeit auf nationaler Ebene auf 129,4 Millionen Franken pro Jahr geschätzt. Auch wenn die Anzahl Betriebe mit der gefürchteten Staph. aureus-GTB-Infektion weniger geworden sind, das Problem der Euterenzündungen hat sich nicht entschärft. Die neue Nummer eins der Mastitis heisst Streptococcus uberis.
Lebt quasi überall
Der Umweltkeim kann chronische und akute Euterentzündungen verursachen. Str. uberis kommt in Kuhmist und Gülle vor und kann auch von gesunden Kühen mit dem Kot ausgeschieden werden. Die Bekämpfung des Keims ist mit grossem Aufwand verbunden, weil der Keim quasi überall im Stall lebt. Deshalb sind Umweltmassnahmen genauso wichtig wie eine gute Melkarbeit. Ein entsprechendes schweizerisches Sanierungsprogramm gibt es nicht. Noch nicht. «Sanierungsprogramme gibt es bisher nur für den Keim Staphylococcus aureus bzw. nur für rein kontagiöse, also ansteckende Erreger», erklärt Judith Peter-Egli, Tierärztin beim Rindergesundheitsdienst. Dieser hat in der vergangenen Woche aber einen Leitfaden zur Bekämpfung von Problemen mit Streptococcus uberis in Schweizer Milchviehherden herausgegeben.
Die grössten Fehler
Für eine Eutererkrankung mit Str. uberis kommen viele Auslöser in Frage. Zudem ist es sehr schwierig, Umweltkeime zu bekämpfen. Gefragt auf die am häufigsten gemachten Fehler, sagt Judith Peter-Egli: «Ich behaupte, sehr häufig ist das Problem, dass die Stallgänge und Laufhöfe viel zu selten abgeschoben werden, was auch für die Klauengesundheit und indirekt, da es rutschig wird, auch für die Fruchtbarkeit ein Problem ist.» Auch die Liegeboxenpflege sei nicht immer optimal. «Dann finden wir beim Melkvorgang praktisch immer Optimierungspotenzial – häufig sind es nur kleine Anpassungen, die hier schon etwas bringen können», erklärt die Tierärztin.
Einen Keim wie Str. uberis könne man praktisch nicht aus dem Bestand eliminieren, da er auch im Magen-Darm-Trakt gesunder Kühe vorkommt. Allgemein könne auch gesagt werden, dass die Haltung und die Motivation der Landwirtin zentral seien, soll ein solches Problem erfolgreich gelöst werden.
Milchprobe nehmen
Judith Peter-Egli empfiehlt, bei Euterentzündungen sterile Milchproben zu entnehmen und diese inklusive Antibiogramm untersuchen zu lassen, «damit ersichtlich wird, welche Erreger aufdiesem Betrieb Probleme verursachen undy gegen welche Antibiotika (AB) diese resistent sind und welche AB wirksam sind.» Denn, wenn ein Eutergesundheitsproblem zum Bestandesproblem werde, mache es Sinn, dieses gezielt anzugehen und nicht nur jedes Einzeltier zu behandeln, sondern den Ursachen auf den Grund zu gehen. «Daraus lassen sich dann gezielte Bekämpfungsmassnahmen ableiten, welche einerseits mit den vorhandenen Erregern aber auch mit den Betriebsstrukturen selber zu tun hat», erklärt sie. Nur wenn eine Strategie entwickelt und konsequent umgesetzt wird, könne das Bestandesproblem nachhaltig angegangen und gelöst werden.
Vielseitige Ursachen
Die Einflussfaktoren sind vielfältig. Einerseits spielt die Kuh selber eine grosse Rolle, wie dieZitzen aussehen, wie ihre Anfälligkeit auf Euterinfektionen und auch, wie ihr Verhalten ist. «Alles rund ums Melken ist sehr wichtig, die Melkarbeit, Melktechnik und Melkhygiene sind absolut zentral bei der Prävention von Eutererkrankungen.», sagt Judith Peter-Egli. Bei Umweltkeimen wie Str. uberis komme alles, was die Hygiene im Stall, im Liegebereich, auf den Laufgängen, die Belegungsdichte, die Nutzungsintensität der Weiden, das Wasser etc. betrifft noch dazu. «Auch das Stallklima ist sehr wesentlich, die Temperatur, die Feuchtigkeit, die Belastung durch Insekten», ergänzt die Tierärztin.
Weiter sei bekannt, dass gerade bei einem Erreger wie Str. uberis auch das Immunsystem der Kuh eine entscheidende Rolle spiele. «Alle Stressoren haben einen negativen Einfluss», sagt Peter-Egli. Und natürlich spiele auch die Fütterung eine Rolle. «Negative Energiebilanzen, zu wenig Struktur, Futterwechsel, toxinbelastetes Futter sind so gesehen auch alles Stressoren, welche dazu führen können, dass Kühe anfälliger werden für Euterinfektionen.»