Eugen Schönbächler produziert auf seinem 23 ha grossen Milchwirtschaftsbetrieb am Sihlsee schon seit 2011 Solarstrom. Er startete mit einer 44-kWp-Anlage, nach vier Jahren wurde erweitert. Heute leisten die Solarmodule auf rund 1500 m2 rund 230 kWp. Ein grosser Teil sind Indach, kombiniert mit der Heutrocknung, ein Teil wurde an der Fassade montiert. «So habe ich auch Strom, wenn das Dach im Winter während einigen Wochen schneebedeckt ist», sagt Schönbächler. Fast der gesamte Strom wird dank der kostendeckenden Einspeisevergütung KEV allerdings ins Netz verkauft, nur rund zehn Prozent beträgt der Eigenverbrauch.

Strom für den Eigenverbrauch

Auch Markus Kälin vom Hof Gutgrund in Gross ist überzeugter Solarbauer. Allerdings erst seit gut einem Jahr. Nach dem Neubau des Stalles wurde eine 42-kWp-Anlage installiert, Planung und Installation besorgte MBR Solar, die Tochterfirma der Maschinenring Ostschweiz AG. Die Anlage hat drei verschiedene Ausrichtungen, Südost, Südwest und an der Fassade. So habe er von morgens bis abends eigenen Strom, der Eigenverbrauchsanteil ist denn auch mit 62 Prozent sehr hoch.

«Die Anlage hat sich in den 14 Monaten schon extrem gut bewährt», freut sich Kälin und präsentiert stolz die Jahresproduktion von 41 000 kW auf seinem Smartphone. Er bemühe sich, wenn möglich Maschinen dann laufen zu lassen, wenn die Sonne scheint, und auch den Warmwasserboiler mit Solarstrom zu laden. Ist das nicht teurer als mit Nachtstrom?

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Montage von Solarmodulen auf das Dach der neuen Scheune auf dem Hof Gutgrund von Familie Kälin in Gross. (Bild Markus Kälin)

Tiefe Produktionskosten

Nein, erklärt Kälin, die Anlage sei sehr wirtschaftlich. Den Strom extern vom EKZ Zürich zu beziehen, koste ihn im Durchschnitt bei Berücksichtigung der verschiedenen Tarifstufen 17 Rappen, hat er berechnet. Wenn er Überschussstrom ins Netz einspeisen müsse, erhält er rund 7,5 Rappen. Die Produktionskosten des eigenen Strom betragen hingegen lediglich sechs Rappen. «Ich kann sogar trotz der tiefen Einspeisetarife meine Kosten decken.» Von der KEV konnte er nicht mehr profitieren, die Einmalvergütung sowie ein Förderbeitrag des Bezirks trugen aber zu den tiefen Kosten bei. Kälin bewirtschaftet einen 28 ha grossen Milchwirtschaftsbetrieb mit 22 OB-Kühen im Laufstall mit Melkstand, Jungviehaufzucht und 80 Galtsauen in der Bergzone II und III. Im Nebenerwerb sammelt und transportiert er zudem Gastro-Abfälle, welche zu einer Biogasanlage geliefert werden. Und Kälins bieten auf ihrem Betrieb auch noch eine Ferienwohnung an, mit Blick auf den Sihlsee.

Das Potenzial nutzen

Kälin referierte an den kürzlichen Informationsabenden des Landwirtschaftsamts Schwyz über Photovoltaik und Batteriespeicher. Die Präsentation wurde in Zusammenarbeit mit Christian Wolf von MBR Solar zusammengestellt. Kälin wies auf die Bedeutung der Solarenergie im Rahmen der Energiestrategie des Bundes hin (siehe auch Kasten). Zwar wurde die KEV abgeschafft, die Fördergelder würden aber künftig noch ausgebaut. Und derzeit laufe der Umbau zum Einspeisevergütungssystem mit Direktvermarktung des eignen Stroms. Es sei sinnvoll, auf Optimierung des Eigenverbrauchs zu setzen durch entsprechende Ausrichtung und Grösse der Anlage, meinte Kälin. So sollten Milchbetriebe die Module so setzen, dass auch abends zum Melken noch Solarstrom anfalle, für den Morgen sei das eher nur an langen Tagen realistisch. Am günstigsten sind Anlagen auf Blech- oder Eternitdächer aufgesetzt, während solche auf Ziegel und vor allem Indach-Lösungen deutlich teurer seien. Auf Dächer aufgesetzte 44-kWp-Anlagen kosten im Schnitt um die 50 000 Franken, dafür können rund 15 000 Franken Fördergelder bezogen werden.

Batterien kaum lohnend

Batteriespeicher würden sich derzeit in den meisten Fällen noch nicht lohnen, betonte Kälin. Das sei eine teure Unabhängigkeit, zudem könne Strom nur kurzfristig vom Tag für die Nacht gespeichert werden. «Die saisonale Energieverschiebung in den Winter ist noch unrealistisch.» Batterien für einen Betrieb mit 55 Kühen müssten eine Speichergrösse von 70 bis 100 kWh haben, die kosten rund 60 000 bis 100 000 Franken. Der Solarstrom von der Batterie koste so über 20 Rappen, das mache meist noch keinen Sinn.

Verbrauch analysieren

Markus Kälin riet interessierten künftigen Solarbauern, vorerst die Stromrechnung und den Verbrauch zu analysieren. Dazu dienen auch Lastgangzähler, digitale Stromzähler mit Datenlogger und Messadapter für Steckdosen. Die Energieanalyse zeige dann die unterschiedlichen Verbräuche im Tagesverlauf und die saisonalen Schwankungen. Die können je nach Betriebsart, Milchwirtschaft, Schweinehaltung oder Pouletmast sehr unterschiedlich sein. Aus Erfahrung sei ein Strom-Eigenverbrauchsanteil von 20 bis 40 Prozent in der Standardmilchwirtschaft, bis 60 Prozent auf Roboterbetrieben sowie Schweine- und Hühnerbetrieben, und 40 bis 100 Prozent auf Gemüse- und Obstbetrieben realistisch.

Anlagen meist wirtschaftlich

Solarbauer Kälin zog für sich folgendes Fazit: Grundsätzlich sei schon eine Solaranlage mit 20 Prozent Eigenverbrauch des Stroms wirtschaftlich. Durch Zwischenspeicherung, beispielsweise im Warmwasser-Boiler, könne der Eigenverbrauch optimiert werden. Speicherung in Batterien sei derzeit noch zu teuer, und vor allem kleinere Speicher brächten wirtschaftlich wenig. Wer Fakten wolle, müsse zuerst messen. Viele Energieberater hätten aber wenig Ahnung von der Landwirtschaft und den entsprechenden Abläufen. Da brauche es schon Berater, die sich mit dieser Materie auskennen.