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Aus Waldhack-, Baum- und Strauchschnitzeln stellen mittlerweile drei zertifizierte Schweizer Betriebe Pflanzenkohle her. Fredy Abächerli von der Verora AG vermutet jedoch, dass es vereinzelte  Betriebe gibt, die selbsthergestellte und nicht zertifizierte Kohle verkaufen. Diese Pflanzenkohle entspreche allerdings nicht den Europäischen Biokohle Zertifikat (EBC)-Standards.

EBC-Pflanzenkohle erfüllt die erhöhten Qualitätsanforderungen für den sicheren Einsatz in der Landwirtschaft. Das Zertifikat garantiert unter anderem:

  • Die Verwendung geeigneter Ausgangsmaterialien.
  • Eine umweltfreundliche Produktion.
  • Die Einhaltung von Grenzwerten bei bedenklichen Stoffen wie Schwermetallen.

Strengere Richtlinien für Futterkohle 

Für die Zulassung als zertifizierte Futterkohle gibt die Biokohle-Stiftung noch strengere Richtlinien vor:

  • Der Kohlenstoffgehalt muss 80% oder mehr betragen.
  • Die Grenzwerte für gesundheitsgefährdende Stoffe wie Arsen, Blei, Quecksilber oder Dioxine sind tiefer angesetzt als bei EBC-Pflanzenkohle, die zur Bodenverbesserung genutzt wird.

Über alle Anwendungsbereiche hinweg gilt, dass die zertifizierte Kohle nur aus unbehandeltem Holz bestehen darf. Dies trifft auch auf  importierte Ware zu, betont Fredy Abächerli. 

Je früher der Einsatz, desto effektiver

Die Pflanzenkohle solle möglichst früh im Nährstoff-Zyklus eingesetzt werden, empfiehlt Fredy Abächerli. Das kaskadenartige Eingliedern in den Nährstoff-Fluss begünstige laut dem Experten die Rentabilität der Investition.

Produktionsstellen, wie Verora, verkaufen Pflanzenkohle-Bigbags (1200 Liter) für 455 Franken. Der Kubikmeter kostet rund 380 Franken. Mittlerweile beziehen rund 500 Landwirtschaftsbetriebe zertifizierte Pflanzenkohle von Verora. Abächerli vermutet, dass der Pflanzenkohle-Trend steigen wird und hofft, dass  die Forschung in diesem Gebiet weiter ausgebaut wird.  Der Experte erklärt auf Anfrage, dass die  Kohle bei fachgemässer Lagerung über mehrere Jahre aufbewahrt werden könne. Dabei könne der Anwender bei Bedarf Wasser beigegeben, so dass die Ware weniger verstaubt.   

Pflanzenkohle: Langfristige Alleskönnerin

Das verkohlte pflanzliche Material scheint tatsächlich ein Alleskönner zu sein. Ob sich die Investition auszahlt, wird aber vermutlich erst für zukünftige Generationen messbar sein. Dies schilderte auch ein Kohle-Anwender: «Rentable Geschäfte sind meist nicht ökologisch und Investitionen in die Ökologie zahlen sich oft erst später aus.» 

Forschung steht noch in den Kinderschuhen

Fredy Abächerli ist überzeugt, dass die Bedeutung von Pflanzenkohle in der Landwirtschaft gezwungenermassen steigen wird. Dafür müssten aber mehr gesicherte Resultate aus der Forschung vorliegen. Zusammen mit Agroscope und dem Ithaka Institut sind Produktionsstellen wie Verora auf einem guten Weg, sagt Abächerli. Dass Pflanzenkohle einen positive Effekte auf die Bodenfruchtbarkeit hat, ist bereits seit Jahrzehnten bekannt. Der Fokus der Forschung müsse sich nun auf den gezielten Einsatz ausrichten, damit das Material möglichst effektiv eingesetzt werden kann, so Abächerli weiter. Er sieht vor allem in der Geflügelhaltung ein grosses Potenzial. 

 

Vorteile der Pflanzenkohle

Nebst der Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit und der biologischen Fixierung von CO2 im Boden werden der Pflanzenkohle folgende Vorteile zugesprochen:

  • Bindet flüchtigen Stickstoff und Giftstoffe.
  • Fördert den Humus-Aufbau im Boden.
  • Stellt Pflanzen und Mikroorganismen Nährstoffe zur Verfügung.
  • Kann das Fünffache ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen.
  • Oberflächenvergrösserung durch Poren: Die Oberfläche eines Gramms Pflanzenkohle entspricht einer Fläche von 400 m2.
  • Reduziert Methan und Lachgas-Emissionen bis zu 50% .
  • Reduziert Nitratverluste.
  • Fördert das Wurzelwachstum.
  • Steigert die Mikrobenaktivität im Boden.
  • Ausgangsmaterial (z. B. Baumschnitt, Sturmholz, befallenes Holz) kann  sinnvoll genutzt werden.
  • Klimaschützende Wirkung dank der dauerhaften CO2-Speicherung.
  • Optimiert die Verdauung und stärkt das Immunsystem von Nutztieren. 
  • Beugt Durchfall vor.
  • Einsetzbar als Notfall-Mittel bei Vergiftungen

 

Herstellung von Pflanzenkohle

In folgenden Schritten verläuft die Produktion von Pflanzenkohle:

  • Die Hackanlage verarbeitet Schnitzel aus frischem, sauberem Baum- und Strauchschnitt.
  • Trocknen der Holzschnitzel mit der Restwärme der Pyrolyse-Anlage.
  • Getrocknete Schnitzel werden gesiebt und sortiert.
  • Die groben Holzschnitzel (20–45 mm Durchmesser) werden der Heizung zugeführt, wo ein doppelter Energiewert je m3 erzielt wird.
  • Der Feinanteil der Holzschnitzel (0–20 mm) wird der Verkohlungsanlage zugeführt, wo durch eine thermische Reaktion (Pyrolyse)  der Verkohlungsprozess (Karbonisierung) eintritt.

Die Abwärme, die während der  Karbonisierung entsteht, kann beispielsweise für die Gebäudeheizung genutzt werden. Bei der Pyrolyse (Verkohlung bei 500 bis 600°C) wird pflanzliches Material unter Sauerstoffausschluss verkohlt. Dies ist bei der normalen Verbrennung nicht der Fall: Hier wird Sauerstoff zugeführt. Im Unterschied zur Verbrennung  setzt die Pyrolyse weniger CO2 frei, weil Kohlenstoff und je nach Ausgangsmaterial ein Anteil Asche übrig bleibt, erklärt Fredy Abächerli auf Anfrage.