Anfang Monat haben drei Branchenvertreter das Beratungsbüro «Agropuls» gegründet, das sich explizit auf die Land- und Ernährungswirtschaft fokussiert. Die BauernZeitung wollte von Mitbegründer Peter Hinder mehr über das Beratungsangebot Agropuls wissen und hat nachgefragt.

Wie kam es zur Gründung von «Agropuls»?

Peter Hinder: Wir drei – Christian Schönbächler, Thomas Lehner und ich – engagieren uns seit Jahren in verschiedenen Gremien und Organisationen der Land- und Ernährungswirtschaft. Dabei wurde uns bewusst, dass die Anforderungen an Verbände und Unternehmen deutlich gestiegen sind. Ohne klare Strategie und Prioritäten droht ihnen der Fokus verloren zu gehen. Gleichzeitig ist uns die Branche ein echtes Anliegen. Mit Agropuls wollen wir unser Wissen bündeln und gezielt dazu beitragen, dass Organisationen ihre Wirkung stärken können. Jeder von uns bringt unterschiedliche Erfahrungen und Netzwerke ein – das macht uns als Team Agropuls kompakt, praxisnah und wirksam.

Auf Januar 2026 übernehmen Sie die Geschäftsführung des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft (VTL). Wie lässt sich Ihr neuer Job mit Agropuls vereinbaren?

Die kommenden Wochen dienen dazu, Agropuls organisatorisch gut aufzustellen. Mein Engagement bei Agropuls bleibt aber bewusst auf eine Nischentätigkeit beschränkt. Ab November steht der VTL für mich im Zentrum.

Was heisst Nischentätigkeit? Mit welchem Pensum rechnen Sie, durch Agropuls beansprucht zu sein?

Wir sind alle bereits stark eingespannt. Agropuls ist kein Vollzeitprojekt, sondern ein gezieltes Angebot: Wir bringen uns dort ein, wo wir mit unserer Erfahrung echten Mehrwert schaffen können. Es geht uns nicht darum, ein grosses Geschäft aufzubauen, sondern darum, Organisationen zu unterstützen, die unseren Sektor langfristig stärken.

Sehen Sie keinen Interessenskonflikt, wenn Sie nebst der Geschäftsführung des VTL noch andere (Bauern-) Verbände beraten?

Nein, im Gegenteil. Unser Ziel ist überall dasselbe: Die einheimische Land- und Ernährungswirtschaft zu stärken. Je besser Organisationen aufgestellt sind, desto wirkungsvoller können sie agieren – gerade gegenüber Politik, Markt oder Gesellschaft. Wenn wir am gleichen Strick ziehen, profitieren letztlich alle.

Verordnen Sie dann dem VTL als Erstes einen Strategiecheck?

Nein. Der VTL hat eine sehr klare strategische Ausrichtung – das ist nicht nötig.

Die Politik bzw. Agrarpolitik treibt die Verbände vor sich her und der Markt macht Druck. Meinen Sie, dass Ihre Beratung dazu verhilft, dass Verbände eine aktivere Rolle übernehmen könnten?

Genau das ist unser Anspruch. Wer nicht nur auf Druck reagiert, sondern eigene Ziele verfolgt, muss wissen, was er bewirken will – und wie. Viele Tätigkeiten in Verbänden haben sich historisch entwickelt, bringen heute aber kaum noch Wirkung. Diese Altlasten sollte man hinterfragen. Effektive Verbandsarbeit braucht Fokus, Know-how und ein Gespür für Hebelwirkung.

In der Medienmitteilung sprechen Sie von einem niederschwelligen Einstieg in ihre Beratung in Form eines Strategiechecks. Der kostet immerhin Fr. 990 Franken. Wo liegen da Kosten und Nutzen für Bauern- oder Branchenverbände?

Wir liefern mit dem Strategiecheck eine fundierte Aussensicht: Wie wird der Verband von aussen wahrgenommen? Wo steht er strategisch? Wo gibt es Verbesserungspotenzial? Die Vorbereitung ist aufwendig, das Ergebnis kompakt und praxisnah. Für einen Verband ist das eine wertvolle Standortbestimmung – und eine fundierte Entscheidungsgrundlage.

Mit einer Strategie erwirtschaftet man noch kein Einkommen – so ist es zumindest auf Landwirtschaftsbetrieben. Haben Sie das Alltagsgeschäft der Verbände auch im Fokus?

Mit einer Strategie allein kann man nie Ertrag erwirtschaften. Das erreicht man erst mit der Umsetzung. Aber wir greifen nicht direkt in die Verbandsführung ein, sondern wollen die Leute befähigen, ihre Arbeit besser zu machen und ihren Verband auf Kurs zu bringen. Die Verbandsarbeit soll möglichst effizient gemacht werden und nicht möglichst teuer. Also: Mit wenig Ressourcen einen möglichst grossen Effekt erzielen.

Was meinen Sie genau mit Effekt und welche Bedeutung hat für Sie der Mitgliedernutzen?

Der Mitgliedernutzen ist prioritär. Die Mitglieder zahlen ihre Verbandsbeiträge und erwarten einen spürbaren Nutzen, sodass sie sich richtig vertreten fühlen. Auch muss der Verband eine Wirkung nach Aussen gegenüber der Branche, der Gesellschaft und der Bevölkerung zeigen. Allein der Nutzen und die Wirkung zählen.

Wer steckt hinter Agropuls?

Kommunikationsberater Christian Schönbächler aus Seewen SO (nicht zu verwechseln mit Christian Schönbächler aus Einsiedeln, Verwaltungsrats-Präsident von Barto), Thomas Lehner aus Braunau (Obstproduzent und Vorstandsmitglied des Schweizer Obstverbands) und Peter Hinder (ehemals CEO Micarna-Gruppe) bieten mit Agropuls eine Strategieberatung für landwirtschaftliche Organisationen und Unternehmen an.