Der verregnete Juli hat auch beim Obst Spuren hinterlassen. So wird mancherorts ein Blattfall aufgrund von Sauerstoffmangel wegen vernässter Böden festgestellt, berichtet das Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg. Bei manchen Sorten wie Gravensteiner, Boskoop und Blauacher Mostapfel hat zusätzlich ein Fruchtfall eingesetzt. Besonders anfällig sind auch der Glockenapfel, Maigold und die Birnensorten Kaiser und Williams.
Gegen einen vorzeitigen Fruchtfall könne man gemäss Schweizer Obstverband die Produkte Dirigol N, Phytonic, Geramid Top, Rodofix und Dirager S für die Äpfel einsetzen, letzteres ist auch für Birnen bewilligt. Behandelt werden sollte nicht an heissen Tagen. Die Bäume müssen abgetrocknet sein.
Ideale Bedingungen für Pilze
Dieses Ausnahmejahr fördert zudem das Auftreten von sonst kaum oder nicht auftretenden Pilzkrankheiten, sagt Christian Schönbächler vom Schweizer Obstverband. So etwa faulen Äpfel, ohne einen äusserlichen Schaden zu haben. Nach einer Analyse durch Agroscope Wädenswil ist bekannt, dass der Pilz Phytophthora spp. der Verursacher ist. Betroffen seien Sorten wie beispielsweise Topaz und Braeburn. Zugelassene Fungizide bieten allerdings keine Wirkung dagegen. Andere Möglichkeiten sind dem Schweizer Obstverband nicht bekannt.
Frühsorten sind weniger betroffen
Frühsorten sind deutlich weniger lange Pilzkrankheiten ausgesetzt, da sie bald geerntet werden und direkt in den Verkauf gelangen, so Schönbächler. Länger ist dagegen die Sorte Braeburn betroffen, die erst gegen Ende Oktober geerntet wird. In den nächsten paar Wochen sollte deshalb ein verlässlicher Schutz gewährleistet werden.
Das Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg empfiehlt die Spritzabstände entsprechend der Niederschlagsmenge zu kürzen. In schorffreien Anlagen sollte ein Abstand von zirka sieben bis zehn Tagen eingehalten werden. Dies könne bei der Sorte Breaburn zu mehr als zehn Behandlungen mit dem Produkt Captan (bewilligt) führen. Ob es eine Ausnahmeregelung 2021 geben wird, ist noch in Abklärung.
Ernte erfolgt eine Woche später gegenüber dem zehnjährigen Durchschnitt
Die ungünstige Witterung habe zudem ein verhaltenes Fruchtwachstum im Vergleich zum letzten Jahr verursacht. «Die Kulturen waren im vergangenen Jahr allerdings früher als üblich erntereif», so Christian Schönbächler. Im Vergleich zum zehnjährigen Durchschnitt gäbe es deshalb nur eine Verzögerung von rund einer Woche, berichtet er. So beginnt beispielsweise die nationale Ernte von Gravensteiner am 16. August, von Gala am 13. September, von Boskoop am 27. September, von Topas am 29. September und von Braeburn am 23. Oktober. Für die Tafelbirne Williams ist der 20. August als Erntetermin festgelegt. Je nach Exposition verschieben sich die Erntetermine pro 25 Höhenmeter um etwa ein bis zwei Tage, unter Hagelschutznetzen um drei bis vier Tage.
Apfelertrag wird ähnlich hoch sein wie im Vorjahr
Der Schweizer Obstverband schätzt, dass etwa 120'091 Tonnen Tafeläpfel (–1 %) und 18'643 Tonnen Tafelbirnen (–21 %) in diesem Jahr geerntet werden können. Bei den Äpfeln sei der Ertrag nahezu identisch zum Vorjahr. Allerdings sei die Behangsdichte leicht höher und die Fruchtgrösse leicht kleiner. Unter den Sorten gibt es Unterschiede: So etwa lägen Boskoop, Elstar, Gravensteiner und Idared sowie Topaz und Diwa aufgrund von Frost und Alternanz deutlich unter dem Vorjahr. Bei Gala und Braeburn könne mit etwas mehr Ertrag gerechnet werden. Golden Delicious habe einen deutlich höheren Behang als im Vorjahr. Bei Birnen sei die Behangsdichte durchwegs schlechter als im Vorjahr. Vor allem bei der Sorte Williams sei diese mit 3,0 so niedrig wie schon lange nicht mehr.
Marmorierte Baumwanze zeigt sich noch ruhig in den Anlagen
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Bisher zeigt sich die Marmorierte Baumwanze im Obstbau eher ruhig im Vergleich zum Vorjahr, sagt Barbara Egger von Agroscope. Aktuell sind die ersten drei Nymphenstadien sowie die überwinterten Adulte zu finden, weshalb eine zweite Generation nicht erwartet wird. «Rückmeldungen über Schäden haben wir von den Obstbaubetrieben bisher nicht erhalten», so Egger. Das muss aber noch nichts heissen: «Ein Schaden lässt sich oft erst bei der Ernte feststellen.»
Produkte erfassen nur die Larven
Wird ein Befall festgestellt, stehen drei notfallzugelassene Wirkstoffe zur Verfügung: Acetamiprid, Spinosad sowie Spinetoram. Eine Behandlung wäre dann zum nächstmöglichen Zeitpunkt erforderlich. Denn mit den Produkten werden nur die Nymphenstadien erfasst, dies allerdings auch nicht vollständig, wie Egger erklärt.
Wird zu lange gewartet, ist die Behandlung weniger wirksam. Nymphen, die erst nach der Pflanzenschutzbehandlung schlüpfen und Adulte, die nach der Behandlung in die Anlage fliegen, können nicht von einer Applikation erfasst werden.
Zurückhaltender Umgang wird empfohlen
Mit dem Einsatz dieser Insektizide sollte zurückhaltend umgegangen werden. «Wir empfehlen diese nicht blind einzusetzen, da sie nicht nützlingsschonend und somit kontraproduktiv sind», erklärt Egger. Auch auf Schlupfwespen, die die Eier der Marmorierten Baumwanze parasitieren, hätte die Behandlung mit diesen Pflanzenschutzmitteln einen negativen Effekt.
Geografisch betroffene Betriebe seien im Austausch mit den kantonalen Fachstellen und würden aktiv über ein Auftreten informiert werden.