BauernZeitung: Die Produzenten müssen beim Brotweizen Abzüge von 4 Franken und 80 Rappen hinnehmen. Wofür wird das Geld eingesetzt?
Pierre-Yves Perrin: Die Abzüge auf Brotweizen von total Fr. 4.80/dt setzen sich zusammen aus den Verbandsbeiträgen für den Getreideproduzentenverband, Swiss Granum und dem Schweizer Bauernverband, den Beiträgen für den Marktentlastungsfonds – Deklassierung und Exportstützung im Rahmen der Nachfolgelösung Schoggigesetz – und dem Beitrag Promotionsfonds Getreide. Die detaillierten Informationen sind auf unserer Webseite unter www.sgpv.ch/schoggigesetz/ zu finden.
Die Abzüge sind im Vergleich zum letzten Jahr rund doppelt so hoch. Gab es bereits Reaktionen?
Bis anhin gab es kaum Reaktionen von Produzenten auf die erneute Anpassung der Beiträge. Die Produzenten, wie auch die Sammelstellen wurden laufend über die Anpassung der Beiträge und die Gründe dafür informiert. Mit dem Erhalt der Abrechnungen für die Ernte 2019 kann es sicher zu vermehrten Reaktionen und Nachfragen kommen.
Die Abzüge für das Schoggigesetz sind nicht allgemeinverbindlich. Gab es schon Rückforderungsanträge seitens der Produzenten?
Seitens der Produzenten gab es wenige Rückforderungen der Beiträge. Die meisten davon waren gerechtfertigt, da nicht angestammte Flächen betroffen waren, die auch nicht von der neuen Getreidezulage innerhalb der Direktzahlungen profitierten. Weiter gab es Rückforderungen von Produzenten, die bereits das Pensionsalter erreicht haben und deshalb ebenfalls nicht die Getreidezulage erhalten. Insgesamt ist die Solidarität der Produzenten sehr hoch und der Wille, die Exportmengen zu halten, ist klar vorhanden.
Welche Alternativen gäbe es zu den hohen Abzügen? Und wie sinnvoll sind diese?
Es gäbe die Möglichkeit auf die Abzüge für die Exportstützung zu verzichten. Allerdings wäre der Bund dann auch nicht mehr bereit, die Getreidezulage von total 15,8 Millionen Franken an die Produzenten auszuschütten. Eine Mengensteuerung, wie sie heute durchgeführt wird, wäre nicht mehr möglich. Zudem gäbe es massiven Druck auf die Richtpreise und sinkende Produzentenpreise von minus Fr. 8.– bis 10.–/dt wären eventuell die Folge. Ohne die Unterstützung der Exporte von verarbeiteten Getreideprodukten sinkt das Absatzvolumen gegenüber heute um 50 00 Tonnen; aus unserer Sicht ist dies keine sinnvolle Alternative, da die Produzenten mehr verlieren als gewinnen würden. Mit dem jetzigen System bleibt der Brotgetreideanbau weiterhin finanziell attraktiv.
Interview (schriftl.) Hansjürg Jäger