Die Mitglieder des Schweizer Raufutterverbands tagten am 25. März 2022 in Matzingen. Präsident Fabian Gut begrüsste speziell die deutschen Lieferanten, die in den Kanton Thurgau gereist waren. «Die vergangenen zwei Jahre haben gezeigt, wie wichtig eine funktionierende Landwirtschaft ist. Und aktueller denn je ist eine produzierende Landwirtschaft vonnöten», sagte Gut. Er verwies darauf, dass jeglicher Handel ohne die Bauern sinnlos wäre.
«Es ist wichtig, dass alle Wirkungskreise – Produzenten, Handel und Abnehmer – aufeinander achten. Nur so kann ein nachhaltiger Handel funktionieren.»
Fabian Gut, Präsident Schweizer Raufutterverband
Schlechte Heuqualität
Der Verband blickt auf ein schwieriges Jahr zurück. Der kalte Frühling und der niederschlagsreiche Sommer mit stellenweise Hagel beeinflussten die Heuqualität negativ. Die Erntemengen waren eher knapp und das Futter schmutzig. Der Handel hingegen zeigte sich vom Sommer bis in den Winter hinein als recht belebt, wenn auch nicht in allen Regionen. Belüftungsheu war rasch Mangelware. Angesichts des eher trockenen Frühlings 2022 könne es sein, dass der eine oder andere Bauer noch Heu zukaufen muss, war zu vernehmen.
Ähnlich tönte es von den deutschen Händlern. Auch sie beklagten die schlechte Heuqualität. Pferdeheu sei generell schwierig zu verkaufen, weil die Ware sehr oft stark verschmutzt sei. Der Handel ins deutsche Landesinnere sei im Gegensatz zu den Vorjahren rückläufig. Man liefere wieder mehr Heu in die Schweiz.
Zu wenig Schweizer Bioheu
Stimmen aus dem Plenum melden, dass Belüftungsheu in Bioqualität sehr gefragt sei und zu entsprechend hohen Preisen gehandelt werde. Kritik gab es an der neuen Fütterungsrichtlinie von Bio Suisse, die seit dem 1. Januar 2022 verlangt, dass für Wiederkäuer Raufutter zu 100 Prozent aus Schweizer Knospe-Anbau stammen muss. Die Heuhändler waren sich einig, dass auf dem Schweizer Markt zu wenig Bioheu verfügbar ist. «Im Moment geht es gerade so auf», berichtete ein Mitglied. Allerdings hätten viele Bauern im Herbst ihre Lager mit Importheu aufgefüllt. Sollte es zu einem Mangel kommen, braucht es flexible und unbürokratische Ausnahmebewilligungen für EU-Importe, lautet die Erwartung des Schweizer Raufutterverbands.
Anbaubereitschaft beim Getreide sinkt
Auch beim Stroh war die Qualität ein Abbild der letztjährigen schwierigen Ernte. «Von perfekt bis unbrauchbar gab es alles», fasste Fabian Gut zusammen. Dank der guten Vernetzung der Händler über die Landesgrenzen hinaus habe der Markt mit Stroh in allen Formen gedeckt werden können. Bis zur nächsten Ernte wird das letztjährige Stroh noch reichen, waren sich die Händler einig. Dies auch aufgrund des Umstands, dass es in Frankreich noch Strohposten, vor allem in Form von Grossballen, gibt.
Angesichts der hohen Dünger- und Treibstoffpreise stand die Frage im Raum, ob es dieses Jahr genügend Stroh auf dem Markt geben wird. Ein deutscher Händler geht davon aus, dass in Deutschland ein Drittel Stroh fehlen wird. Das zeichne sich bei Gesprächen mit den Bauern ab. Ein Händler aus der Schweiz meinte, in einer solchen Ausnahmesituation seien Zuschläge beim Strohpreis legitim. Diese sollen aber auch von den Händlern an die Kunden weitergegeben werden.
Trocknungskosten werden steigen
Trockenprodukte sind gemäss Vorstandsmitglied Simon Gerber eher Mangelware. Maiswürfel sind auf dem inländischen Markt noch erhältlich. Trockenschnitzel hingegen müssen seit einiger Zeit importiert werden. Thema waren zudem die hohen Trocknungskosten.
Ein Mitglied des Raufutterverbands geht davon aus, dass aktuell die Trocknungsbetriebe im Herbst mit Mehrkosten von 10 bis 15 Franken pro 100 Kilogramm rechnen müssen. Den Händlern wurde geraten, bereits jetzt bei den Trocknungsbetrieben nachzufragen, wie die Situation im Herbst aussehen könnte. Viele Anlagen wüssten noch gar nicht, ob sie weitermachen, meinte ein Anwesender.

