Abo Galerie Frühmorgendliches Beweiden in Seon im Kanton Aargau am 9. November 2023 mit leichtem Bodenfrost. Weiden einwintern Es sind noch nutzbare Grasreserven vorhanden Sunday, 26. November 2023 Es ist in vieler Hinsicht ein Ausnahmejahr. Auch futterbautechnisch hat 2023 einiges zu bieten. Während im Sommer auf zahlreichen Betrieben das Weiden aufgrund fehlenden Wachstums eingestellt werden musste und die Kühe den Wintervorrat vorgelegt bekamen, zeigt sich das Einwintern der Bestände von der gegenteiligen Seite.

Im November siliert

Die anhaltenden Niederschläge, verbunden mit den wüchsigen Temperaturen, haben den November, zumindest was das Grünland angeht, in der Talzone zum Erntemonat verwandelt. Weiden war allerdings aufgrund der Nässe vielerorts nicht mehr möglich.

Der angekündigte Kälteeinbruch wie auch weitere Niederschläge in Form von Schnee haben nun viele Bauern dazu bewegt, das Mähwerk ein letztes Mal zu starten. So wurde nicht selten am Morgen gemäht und am Abend Ballen gepresst und gewickelt. Wir wollten wissen: Was kann dieses Futter? Jonas Salzmann, Ressortleiter Marketing von der UFA AG in Herzogenbuchsee BE, weiss die Antwort.

Höherer Stellenwert

«Speziell für dieses Jahr kann man festhalten, dass die Herbstballen in der Fütterung wohl einen höheren Stellenwert einnehmen als in anderen Jahren», erklärt Jonas Salzmann. Dies begründet er vor allem damit, dass die Raufutterqualität bei der Grassilage aus dem ersten Schnitt und auch beim Heu tiefer ist als in den Vorjahren. «Vom ersten Schnitt haben wir viel faserreiches Futter, das unterdurchschnittliche Proteingehalte aufweist», sagt er. Die Herbstballen, die meist tiefe TS-Gehalte, wenig Rohfasern und viel Rohprotein enthielten, würden dieses Jahr daher besser in die Ration passen, als das in anderen Jahren der Fall war.

Herbstgrassilage liefert laut Jonas Salzmann meist hohe Rohproteingehalte von über 20 % und weist einen tiefen Rohfasergehalt auf. Das enthaltene Protein sei meist schnell fermentierbar und werde somit auch rasch abgebaut. «Rationen, die viel Dürrfutter oder Maissilage enthalten, fehlt oft die schnell fermentierbare Proteinfraktion», ergänzt er.

Achtung vor Kalium

Gefragt nach der Herausforderung, die dieses Futter mit sich bringt, sagt Jonas Salzmann: «Da gibt es schon ein paar Haken.» Durch den tiefen TS-Gehalt von oft unter 25 % würde sich während des Silierprozesses vermehrt Ammoniak bilden, was die Fressbarkeit und somit den Verzehr negativ beeinflussen könne.

Weiter enthielten diese Silagen viel Kalzium und vor allem viel Kalium. Darum sollten diese Grassilagen nicht an Galtkühe verfüttert werden, weil diese den DCAB (Kationen-Anionen-Bilanz) erhöhten und somit die Gefahr von Milchfieber steige. «Dasselbe gilt für hochträchtige Rinder in den letzten drei Wochen vor dem Abkalben», mahnt Salzmann.

In Mischration einsetzen

Wer soll sie denn dann fressen? «Dieses Jahr passen die Herbstballen in die Ration der laktierenden Kühe, weil sie fehlendes Protein ergänzen und der tiefere Rohfasergehalt durch die Raufutter des ersten Schnitts kompensiert wird», sagt Jonas Salzmann. Am meisten Sinn mache der Einsatz dieser Ballen in einer Mischration. «So kann diese Silage am besten eingesetzt werden», weiss er.

Wer keinen Mischwagen habe, müsse die Versorgung mit strukturreichen Futtermitteln wie Heu sicherstellen, wenn diese Ballen verfüttert würden.

Nicht an Jungrinder

«Ich rate auch davon ab, solche Silage an Jungrinder im Alter von vier bis acht Monaten zu verfüttern», ergänzt Jonas Salzmann. Einerseits sollten die jungen Wiederkäuer ohnehin nicht zu früh mit Silage gefüttert werden und andererseits steige die Gefahr von Verdauungsproblemen, weil diese Silagen schnell abgebaut würden, wenig TS enthielten und somit die Passage im Pansen erhöhten, was alles in allem Durchfall und dünnen Kot begünstige.

Rohfaser ergänzen

Wer die Herbstballen demnach sinnvoll einsetzen will, nutzt sie bei den laktierenden Kühen. Dort ist laut Fütterungsexperte wichtig: «Es braucht Rohfasern, welche die Passage senken, und genügend Energie, damit das vorhandene Protein genutzt werden kann. Qualitativ hochwertiges Heu zusammen mit Maissilage ist eine gute Kombination.»