BauernZeitung: Sie sind Ranger, Jäger und Walliser. Wie stehen sie dem Wolf gegenüber und wie wirkt sich die Wolfspräsenz aus?
Peter Imboden: Ich sehe Grossraubtiere nicht als Konkurrenz an. Ich jage selber im Augstbordgebiet mitten im Wolfsgebiet. Die Wildbestände sind trotz Wolf sehr gut. Die Zählungen zeigen, dass der Rothirschbestand in den letzten Jahren sogar zugenommen hat. Rehe hat es etwas weniger. Andere Faktoren wie strenge Winter wirken sich aber auch aus, nicht nur der Wolf. Die Jagdstrecke ist seit der Wolfspräsenz insgesamt leicht gestiegen. Das Wild hat aber sein Verhalten angepasst und ist aufmerksamer geworden. Dies macht jedoch den Reiz der Jagd aus. Auch auf kantonaler Ebene sehe ich im Moment keine Probleme durch die Wolfspräsenz. Das veränderte Verhalten des Wildes kann dem Jäger sogar entgegenkommen, etwa wenn Wölfe Rothirsche aus den Jagdbanngebieten hinausdrücken. Und die selektive Jagd des Wolfes, der junge, alte und kranke Tiere nachweislich überproportional häufig reisst, hält die Bestände gesund, wovon der Jäger auch profitiert. Wenn der Wolf dereinst vielleicht sogar hilft, Bestände zu reduzieren, kann dies die inner- wie ausserhalb der Jägerschaft sehr umstrittenen Nachjagden überflüssig machen, was dem Image der Jagd nützen würde.
Schafhalter und Bauern wollen den Wolf am liebsten ausrotten. Was sagen Sie?
Der Wolf ist hier und bleibt hier, ob wir das wollen oder nicht. Die Schweiz ist keine Insel, sondern umgeben von verschiedenen europäisch geschützten Wolfspopulationen. Mit Abschüssen wird man die Konflikte daher nicht lösen können. Ob der Wolf bei uns nun bejagt wird oder geschützt bleibt, eines ist klar: Ohne flächendeckenden Herdenschutz mit allen zur Verfügung stehenden Massnahmen (Zäune, Hunde, Hirten) wird es die Schafsömmerung nicht mehr lange geben. Das ist ein Fakt, den die Politik insbesondere im Wallis aber leider ignoriert. Wichtig ist jedoch, dass der Herdenschutz durch die Bevölkerung honoriert und belohnt wird, finanziell wie auch durch Respekt gegenüber Hirten, Zäunen und Herdenschutzhunden. Die Schäfer können den Herdenschutz unter den aktuellen Bedingungen nicht alleine tragen, weshalb es diese Unterstützung braucht. Andererseits sollte man Schäfer, die ihre Tiere nach wie vor unbehirtet und ohne jeden Schutz halten, bei Rissen nicht mehr entschädigen. Schafe im Wallis heute noch ohne Herdenschutz zu sömmern, zeugt von Respektlosigkeit auch seinen Tieren gegenüber, schliesslich liegen die Lösungen für den Herdenschutz auf dem Tisch und müssen nur angewendet werden. Letztlich geht es bei den Reformen der Alpbewirtschaftung aber nicht mehr nur um die Grossraubtiere, sondern die Bevölkerung ist heute generell sensibler geworden, z. B. betreffend Tiergesundheit. Auch da ist es nur von Vorteil, wenn Schafe besser behirtet werden.
Peter Imboden ist Ranger, www.ranger-schweiz.ch.