Viele Kantone haben auf dieses Jahr ihre Förderprogramme für mehr Energieeffizienz aufgestockt und teils erweitert. Dies, weil die Nachfrage gross ist, und auch weil es noch viel zu tun gibt im Rahmen der Energiestrategie 2050 mit dem Umbau der Energieversorgung. Auch in der Landwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren schon einiges getan: Viele Biogasanlagen und Solardächer sind in Betrieb, und es wurde in energieeffiziente Geräte investiert. Auch dank Förderanreizen des Vereins «Agro-Clean-Tech» (ACT). Dieser lanciert unter anderem Förderprogramme zum Strom sparen in der Landwirtschaft, finanziert mit Geldern von Pro Kilowatt von Energie Schweiz.

Viel Strom für Schweine

Abo Schweine Effiziente Nestwärme im Schweinestall wird unterstützt Thursday, 14. October 2021 In der Schweinehaltung braucht es zur Klimatisierung der Ställe besonders viel Strom. Rund ein Viertel des gesamten Stromverbrauchs der Schweizer Landwirtschaft von 1000 Gigawattstunden (GWh) fällt auf diesen Betrieben an. So wurden neben anderem in den vergangenen Jahren auf Schweinebetrieben die Umrüstung auf energieeffiziente Ferkelnester und Jagerkisten unterstützt. 

Das mehrjährige Programm, das Ende 2021 auslief, sei sehr erfolgreich gewesen, sagt Priska Stierli von ACT. Insgesamt wurden 45 GWh Stromeinsparung umgesetzt, das Soll von 46,6 GWh sei fast erreicht worden.

Spitzenreiter Luzern

Zur Verfügung standen Fördermittel von rund 1,3 Millionen Franken, eingegangen seien Gesuche von 274 Betrieben. Absoluter Spitzenreiter beim Mitmachen war der Schweinekanton Luzern mit 105 Projekten, gefolgt von Bern (57), St. Gallen (39) und Aargau (15).

«Das Interesse war undist gross, wir führten am Ende eine Warteliste im Umfang vonzwei Gigawattstunden », sagt Stierli. Dass das Soll doch nicht ganz erreicht worden sei, hänge damit zusammen, dass Ende Jahr einige Betriebe kurzfristig doch noch ihre Gesuche zurückzogen.

Warmwasser statt Strom

Im Aargau hat Mitte Dezember 2021 der Bauernverband Aargau über die Bemühungen der Landwirtschaft zum Energiesparen die Medien informiert. Das Beispiel von Schweinezüchter Thomas Stocker aus Obermumpf schaffte es gar mit einem Beitrag in die Fernsehsendung «SRF aktuell». Allerdings setzte Stocker nicht auf das ACT-Programm zum Strom sparen. Er setzt neu Warmwasser für die Beheizung der Ferkelkisten statt der früheren elektrischen Wärmelampen oder Heizlampen ein. Das Warmwasser produziert er in seiner Holzschnitzelheizung, die Wärme wird in Radiatoren in die Ferkelkiste geführt, wie man sie in Wohnräumen kennt (siehe Bild). Der Verzicht auf ein elektrisches Heizsystem erhöhe zudem die Sicherheit der Tiere, weil die Brandgefahr kleiner sei, meint Stocker. Früher zahlte er für Strom 15 000 Franken, mit den neuen energieeffizienten Ferkelnestern könne er 2000 Franken einsparen.

Nachfolgeprogramm läuft

Auf vielen Zuchtbetrieben wird aber weiterhin Strom für die Beheizung der Ferkelnester eingesetzt. Schon im vergangenen Herbst gab ACT deshalb bekannt, dass aufgrund der grossen Nachfrage und des guten Kosten-Nutzen-Verhältnisses energieeffiziente Ferkelnester und Jagerkisten im Rahmen eines Folgeprogramms ab 2022 noch bis Ende 2024 weiter gefördert werden können.

Dafür stehen nochmals 237 000 Franken zur Verfügung. Damit könnten 80 weitere Betriebe unterstützt werden, das Potenzial liege bei einer Einsparung von weiteren 11,5 GWh. So lasse sich auch die Warteliste abbauen, und Stierli ortet noch Potenzial vor allem in der Ostschweiz, aber auch im Bernbiet und der Westschweiz. Derzeit seien noch wenige Ge-suche eingetroffen. Priska Stierli ruft deshalb dazu auf, die Gelegenheit jetzt zu nutzen.

1000 kWh sparen

Für die Umrüstung von Ferkelnestern wird mit Kosten von 1000 bis 1500 Franken gerechnet, für Jagerkisten 2000 bis 3000 Franken. Daran werden Förderbeiträge von rund 15 Prozent der Kosten geleistet. Pro Nest und Jahr können rund 1000 kWh Strom gespart werden, in rund acht Jahren ist die Investition amortisiert.

Weitere Informationen: www.agrocleantech.ch