Bei Bio Grischun brodelt es seit Monaten. Im Zentrum der Diskussionen stehen die seit Anfang 2022 geltenden Wiederkäuer-Richtlinien von Bio Suisse. Diese verlangen unter anderem, dass Biobetriebe nicht mehr auf importiertes Futter zurückgreifen dürfen. Nun hat Bio Grischun zusammen mit Progana Bio Romandie eine Anpassung der Richtlinien beantragt.
Bei Trockenheit wird es schwierig
Neu soll es möglich sein, das Futter zu maximal 10 Prozent aus dem Ausland zu beziehen, solange das Angebot im Inland nicht zur Verfügung steht. An einer Fütterung zu 100 Prozent aus Bio-Knospe-Komponenten wollen die beiden Mitgliederorganisationen jedoch festhalten. Auch die Kraftfutterregelung von maximal 5 Prozent soll nicht angetastet werden.
Für diesen Schritt ausschlaggebend waren die Erfahrungen mit dem Importverbot: «Seit zwei Jahren haben wir Biobetriebe in der Region, die weniger Milch produzieren», sagte Bio-Grischun-Präsident Claudio Gregori auf Nachfrage der BauernZeitung. Grund dafür seien trockene Phasen, welche zu einer Reduktion von Menge und Gehalt des Raufutters führten. «Wiederholt brauchte es Ausnahmebewilligungen für Futterimporte», so der Bündner. Doch sei dies kompliziert und keine Dauerlösung. Unter den Bäuerinnen und Bauern sei Unmut entstanden, einige hätten sich bereits von der Knospe verabschiedet, andere würden mit dem Gedanken spielen.
Steigt einer aus, betrifft es alle
Der Weggang einzelner Bioproduzenten hat laut Claudio Gregori weitreichende Konsequenzen. Wenn etwa bei einer Biokäserei zwei, drei Produzenten aussteigen, erschweren sich die Bedingungen für die verbleibenden. Die Kosten steigen, die Logistik wird aufwendiger. Auch Alpen müssen mit gravierenden Folgen rechnen. Steigt ein einziger Bauer aus Bio aus, wird die Milch aller deklassiert. «Es ist eine Dynamik entstanden, die nicht nur einzelne Betriebe betrifft, sondern die ganze Wertschöpfungskette.» Es besteht die Gefahr, dass man Marktanteile hochstehender Qualitätsprodukte verliert.
Gregori weist zudem darauf hin, dass es sich beim gefragten Importfutter hauptsächlich um Luzerne handelt. «Diese stammt nicht etwa aus Übersee, sondern aus den umliegenden Ländern.» Dass die Eiweisspflanze nicht im Inland gekauft werde, sei eine Kostenfrage.
Die Delegierten von Bio Suisse werden Mitte April über den Antrag von Bio Grischun und Progana entscheiden.
