«Das Zürcher Weinland hat grosses Potenzial als Entdecker-, Wander-, Velo- und Geniesserland – und für vieles mehr, was Menschen aus Städten und Agglomerationen in der Freizeit und zur Erholung suchen und sich wünschen.» Darin sind sich Giulia Balmer, Leiterin Regionalmanagement Zürcher Weinland und Brigitte Grab, Bäuerin und Vorstandsmitglied des Vereins Pro Weinland, einig. Seit dem 1. Januar 2020 befindet sich diese Region im Wirkungsgebiet der Neuen Regionalpolitik (NRP) des Kantons Zürich.

Die NRP fördert regionale Initiativen und Projekte, welche die Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung einer Region erhöhen. Für die Themen sind die vom Bund und Kanton vorgegebenen Stossrichtungen relevant. In der Umsetzungsperiode für die Jahre 2020 bis 2023 sind es im Zürcher Weinland Projekte in den Bereichen Regionalmanagement, Tourismus und Regionalprodukte.

Regionale Verankerung

Der Verein Pro Weinland wurde vom Kanton als regionaler Projektträger des Programms betraut und ist für die Umsetzung verantwortlich. Die Umsetzung der Strategie der Neuen Regionalpolitik erfolgt durch den Verein Pro Weinland als Regionalmanagement Zürcher Weinland. Die Tätigkeiten des Regionalmanagements sind das Wahrnehmen der operativen Aufgaben der Regionalentwicklung.

«Dazu gehört insbesondere das Entwickeln und Betreuen von regionalen Initiativen, Ideen und Projekten. Einerseits gilt es, eigenständig relevante Projekte für die Region zu realisieren und andererseits Anfragen zu bearbeiten und Auskünfte zur Regionalpolitik – wie etwa der NRP –, aber auch anderen Sektoralpolitiken zu erteilen und externe Finanzgesuche zu bearbeiten», erklärt Giulia Balmer. Ein Finanzgesuch für Gelder der Neuen Regionalpolitik kann von einer externen Projektträgerschaft eingereicht werden, sofern die Kriterien der NRP erfüllt sind und das Projekt in die kantonale Strategie passt.

Wichtige Anlaufstelle

Brigitte Grab führt mit ihrem Mann in Andelfingen als «Team Grab» einen Reb- und Beerenbetrieb. Im eigenen Hofladen bietet sie nebst eigenen auch Produkte aus der Region an. Darüber hinaus entwickelte das Betriebsleiterpaar innovative touristische Angebote wie etwa das «Hotel auf Rädern» sowie Apéros, Degustationen, Feste und Firmenanlässe im Weinkeller sowie geführte Wanderungen.

Die «Hotels auf Rädern» des Team Grab sind eine Anhängerflotte, ausgestattet mit Betten, welche die Kunden entweder bei sich zu Hause oder im Rebberg platziert für Familienferien buchen können. «Für uns und alle anderen Anbieter von Regionalprodukten und Tourismus ist die Geschäftsstelle des Regionalmanagements eine wichtige Plattform. In ihr haben wir einen Ansprechpartner für die Weiterentwicklung und Kommunikation unserer Angebote.» Zusammen mit dem Weinbauverein Zürcher Weinland und der Sektion Andelfingen des Zürcher Bauernverbands nahm die Geschäftsstelle 2020 eine Datenerhebung vor, um sich einen Überblick zu verschaffen über die im Zürcher Weinland produzierten Landwirtschaftserzeugnisse. Die Datenerhebung diente als Grundlage für darauf aufbauende Arbeiten im Bereich Regionalprodukte wie zum Beispiel die Entwicklung einer Regionalmarke. Das Regionalmanagement bildet das Dach des Hauses, unter welchem Projekte in den Bereichen Tourismus und Regionalprodukte initiiert, lanciert und betreut werden.

Botschafter der Region

Die Corona-Pandemie beeinflusste bereits im letzten Frühjahr und Sommer das Konsum- und Freizeitverhalten der Bevölkerung stark. «Wir erlebten für unsere Hofladenprodukte eine gestiegene Nachfrage. Die Konsumenten lernten unsere Angebote neu kennen und schätzen.» Nun gehe es darum, etwas von diesem Schwung, dieser Welle der Begeisterung für den Einkauf in Hofläden beizubehalten. «Wir planen für Frühjahr 2021 die Herausgabe einer Tour-Karte mit Velowegen und Routen, welche an Hofläden vorbeiführen», so Giulia Balmer. Die Zürcher Weinland-Produkte bergen die Chance in sich, Botschafter der Region Zürcher Weinland zu werden. Sie stärkten die regionale Wirtschaft und fördern die Identität innerhalb der Region. «Wir wollen branchenübergreifend handeln und gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern in der Region eine erkennbare Zusammenarbeit sicherstellen, die Wertschöpfung in der Region fördern und eine Marke wie etwa ‹Echt Entlebuch›, schaffen», erklärt Balmer. Zukünftig sollen touristische Angebote unterschiedliche Zielgruppen für eine klimaschonende Landwirtschaft sensibilisieren und regionale Wertschöpfung generieren.

Klimaschonendes Weinland

Jüngstes Beispiel dafür ist der Verein «AgroCO2ncept»: Dessen Ziel ist es, mit klimaschonend produzierten Produkten das Zürcher Weinland als innovative Region zu positionieren. Dieses im Jahr 2012 gegründete Projekt wird mit NRP-Mitteln unterstützt. Mehrere Landwirtschaftsbetriebe aus dem Zürcher Flaachtal setzten sich bei der Gründung das Ziel, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Nun sind die Projektverantwortlichen und Vereinsmitglieder bestrebt, die Wertschöpfung zu erhöhen. Sie vermitteln ihr Wissen über klimaschonende Produktionsmethoden an Thementagen und Workshops an Bäuerinnen und Bauern und an Konsumenten.