Vor 40 Jahren gründeten fünf Bio-Organisationen die VSBLO, heute Bio Suisse. Biolandbau wurde damals weder in der Politik, noch in der Forschung oder von der Bildung ernst genommen. Die Biobauern waren sich damals einig, dass es für die Landwirtschaft langfristig andere Lösungen braucht. Um sich mehr Gehör zu verschaffen, war ein gemeinsames Vorgehen dringend nötig.
Heute kann man sagen, dass Biolandbau eine Form von Landwirtschaft ist, welche mehr Probleme löst als sie schafft. Richtet man den Blick auf die weltweite Entwicklung, läuft vieles nach wie vor umgekehrt. Es ist höchste Zeit, dies zu ändern. Der eine oder andere hatte vielleicht vor kurzem ein Aha-Erlebnis, als er feststellte, dass wegen steigenden Öl- und Gaspreisen auch die Düngerpreise explodieren. Die hohen Erträge der intensiven Landwirtschaft, welche als Lösung für die Welternährung dargestellt werden, stehen auf ziemlich wackligen Füssen.
Besser selber kritisch hinterfragen
Am Ziel sind aber auch wir längst nicht. Ich ärgere mich schon seit vielen Jahren, dass man es z. B. nicht schafft, mit der richtigen Sortenzüchtung bei Kartoffeln die Fungizidproblematik für den gesamten Kartoffelanbau ein für alle Mal zu lösen. Hätte man vor 20 oder 30 Jahren auf die Biobauern gehört und die Züchtung in eine andere Richtung gelenkt, wären heute Fungizidbehandlungen für alle überflüssig.
Bio Suisse hat sich zu einem starken Verband entwickelt. Sie hat viele Partner, die mithelfen, den Biomarkt weiter voranzubringen. Die Biobetriebe nehmen zu, der Produktabsatz steigt. Weshalb dann ein Vorstoss, freiwillig auf Einnahmen zu verzichten und so das Wachstum ohne Not zu bremsen?
Das, was man tut, kritisch zu hinterfragen, war immer ein Eckpfeiler des Biolandbaus. Es lohnt sich, dies selber zu tun, sonst läuft man Gefahr, dass andere es machen. Halt dann auf ihre Art. Im Verband Bio Suisse haben die Bäuerinnen und Bauern viele Möglichkeiten, Einfluss auf die Tätigkeiten zu nehmen. Dies ist aber auch eine Herausforderung. Ist man stark in die Prozesse involviert, fehlt die Distanz, um das Gesamtbild zu sehen. Hat man wenig Einblick, fehlt die Kenntnis der Hintergründe. Ich kenne beide Seiten.
Um die Probleme zu lösen, braucht es alle
Aus Überzeugung, dass es die verschiedenen Optiken braucht, habe ich zusammen mit über 50 anderen Biobäuerinnen und Biobauern, welche eine breite Aussensicht unseres Verbandes verkörpern, einen Antrag an die DV eingereicht. Dass nicht alle Freude daran hatten, war mir von Anfang an klar. Der Antrag, etwas weniger stark zu wachsen, wurde abgelehnt. Aber nach dem Motto: «Der Weg ist das Ziel» wird sicher dieses und jenes auf diesem Weg etwas kritischer betrachtet.
Um die Probleme, die anstehen, zu lösen, braucht es alle. An der Jubiläumsfeier wurde die Forderung laut, Bio Suisse müsse aktiver in der Politik mitwirken. Würden alle Biobäuerinnen und Biobauern, die in den verschiedenen Verbänden in der Führung tätig sind, ihre vornehme Zurückhaltung bei Anliegen des Biolandbaus etwas ablegen, wäre vieles möglich!