«Einen passenden Hofhund zu finden, gleicht fast der Suche nach einem Auto.» Ein Modell, das für alle passt, existiere nicht. Das gelte auch bei Rassehunden und Mischlingen, erklärt die diplomierte Hundetrainerin und Bäuerin Sandra Weber. «Da gibt es leider kein Rezept.» Die 54-Jährige leitet eine Hundeschule in Urnäsch AR und schrieb das Buch «Das Hofhunde-ABC». Sie berät Landwirtinnen und Landwirte in Erziehungsfragen. Für sie steht fest: Wer sich einen Hund anschafft, sollte zuerst die eigenen Bedürfnisse und Erwartungen abklären. Denn Hund ist nicht gleich Hund.
Von Kuschelbär bis Bärenjäger
«Pauschal eine Rasse empfehlen will ich nicht», sagt Sandra Weber. «Grundsätzlich kann jeder Hund ein Hofhund werden.» Je nach Erwartungen und Gegebenheiten eigne sich ein Hund mehr oder weniger dafür. «Wenn ich einen Welpen adoptiere, sind zwei Drittel des Charakters bereits gegeben», sagt sie. Ein Drittel prägen Genetik, ein weiteres die Mutter. Das letzte Drittel formen die neuen Besitzer(innen).
Die Genetik und damit die Rasse spielen also eine Rolle. Deshalb lohnt es sich, jene Hunderassen zu kennen, die häufig um Haus und Hof leben. «Wer viel Milch von seinen Kühen will, wählt auch keine Fleischrasse», sagt die Hundetrainerin dazu.
[IMG 2]
Treib- und Hütehunde bleiben ihren Aufgaben treu
Diese Rassen arbeiten seit Generationen mit Nutztieren. Treibhunde «treiben» das Vieh oder die Schafe von hinten. Dazu zählen der Bergamasker und der Australian Cattle Dog.
Zu den Hütehunden gehören der Border Collie und der Australian Sheperd. Sie arbeiten vor allem mit Schafen und umkreisen sie.
Sennenhunde sind klassische Bauernhofhunde
Entlebucher und Appenzeller Sennenhunde treiben das Vieh von hinten. Böse Zungen nennen sie «Wadenbeisser» – nicht ohne Grund: Will das Vieh nicht vorwärts, kneifen sie es in die Hinterbeine.
Der Berner und der Grosse Sennenhund zogen Generationen lang Milchkarren. Sie sind ruhigen Gemütes, haben aber viel Kraft.
Herdenschutzhunde sind grundsätzlich misstrauisch
Anatolische Hirtenhunde oder der Maremmano Abruzzese sind ruhig, selbstständig und werden auf Alpbetrieben glücklich. Fremde Menschen und Hunde mögen sie nicht – ein Betrieb mit Hofladen und Laufkundschaft ist für sie keinesfalls der richtige Ort.
Der Irrglaube des Schwanzwedelns
Den Vierbeiner zu erziehen, kostet Zeit. «Aber schon 10 bis 15 Minuten am Tag, in denen sich Bäuerinnen gezielt mit dem Hund auseinandersetzen, bewirken viel», erklärt Sandra Weber. Hunde, die apportieren, treiben und suchen, erleichtern den landwirtschaftlichen Alltag.[IMG 3]
Bei der Erziehung gibt es laut der Expertin einige Grundsätze zu beachten: Erstens sollte der Vierbeiner auf dem Betrieb räumlich begrenzt sein, wenn er alleine ist. Im besten Fall durch einen umzäunten Garten oder einen Hundezwinger. Zweitens lohne es sich vor der Pubertät in die Erziehung zu investieren. «Was Hund und Besitzerin in der Prägungsphase verpasst haben, zeigt sich in der Pubertät.» Ab dem sechsten Monat pubertieren die Vierbeiner: Der Jungspund vergisst plötzlich gelernte Kommandos oder nimmt den Rückruf partout nicht mehr wahr.
Zudem sollten Besitzer(innen) die Basics der Hundesprache kennen, um Missverständnisse zu vermeiden. So signalisiert Schwanzwedeln nicht immer Freude, sondern Erregung – positive wie negative. Sandra Weber resümiert aber: «Wenn Mensch und Hund ein Team sind, können sie unglaublich viel erreichen.»

2