Eines steht schon mal fest: Mein Nervenkostüm eignet sich nicht wirklich für die Präsentation meiner Kuh an einer Viehschau. Diese Erfahrung durfte ich am Samstag 4. Mai 2019 in Riffenmatt BE machen. Dort trafen sich nämlich rund 200 - sagen wir mal - nicht ganz ortstypische Kühe. Denn nicht nur in der Inner- und Ostschweiz gibt es braune Kühe, auch im Kanton Bern und Freiburg findet man einige Vertreter der Originalen und Brown Swiss. Die drei Braunviehzuchtvereine Riffenmatt, Schwarzenburg und Sense luden zur Braunviehschau ein. Mitten drin statt nur dabei: Meine Brown-Swiss-Kuh Julischka und ich. Was habe ich mir da bloss eingebrockt?

Ein brauner Farbtupfer

Ein kurzer Rückblick: Julischka war ein Hochzeitsgeschenk meines Arbeitgebers, den Schweizer Agrarmedien. Welch eine Freude! Man möge mir vergeben, aber die "Braunen" haben mir schon immer am besten gefallen. Julischka ist - nun, wie soll man sagen - etwas Besonderes. Seit der Übergabe anlässlich unserer Hochzeit steht sie auf dem Betrieb meines Schwagers, der sich um sie kümmert. Sie war schon immer sehr zutraulich. Mir kam das sehr gelegen, da sie sich gerne und ausgiebig streicheln lässt. Schon früh hat sich abgezeichnet, dass sie sich trotz farblicher Isolation gut in die Herde von rot- und schwarz gefleckten Tieren integrieren kann.

Da es aber die einzige braune Kuh im Stall ist, fällt es etwas schwer, sie zu vergleichen. Nach der linearen Beschreibung war klar: Mit einer Gesamtnote von 84 muss man den Vergleich nicht fürchten. Oder wie es der Betriebsleiter ausdrückte: "Jetzt musst du dich aber an einer Viehschau anmelden."

Ab Anmeldung nervös

Da ich selber bereits an vielen Schauen als Berichterstatterin anwesend war, hatte ich natürlich grosse Lust, das Ganze einmal selber auszuprobieren. Der Unterstützung meines Schwagers gewiss, meldete ich mich Ende März für die Regionalviehschau in Riffenmatt an. Und war bereits zum ersten Mal nervös.

Zu meinem Glück erwies sich Julischka als angenehme Partnerin für mein Vorhaben. Sogar beim Lauftraining war sie äusserst kooperativ. Nur einmal, als drinnen im Stall das Kraftfutter verteilt wurde, schien sie es plötzlich doch sehr eilig zu haben. Die ganzen Vorbereitungsarbeiten haben mir sehr viel Spass gemacht: Putzen, Waschen, Scheren, Lauftraining –ich wäre heillos überfordert gewesen ohne die Unterstützung meines Schwagers und seiner Frau.

Ja nichts vergessen

Mit zunehmender Sicherheit im Umgang mit meiner Kuh, rückte das Datum der Schau näher. Obwohl das Training zu Hause in bekanntem Umfeld gut verlief, hat man ja noch lange keine Garantie, dass es auch an der Schau gut läuft. Und ehe ich es mir versah, war es Mai. Meine steigende Nervosität hatte sich unterdessen auf meinen Magen-Darm-Trakt ausgeweitet, mein sonst so gesunder Appetit verabschiedete sich und meine Überzeugung für das Vorhaben, war schon bald nicht mehr vorhanden. Zum Glück konnte ich mich auch bei den Schlussvorbereitungen auf meine Helfer verlassen. Es muss an so viel gedacht werden: Kessel für das Tränken, warmes Wasser, Bürsten, Decken, Begleitdokumente …

Geduld ist eine Tugend

Da stehe ich nun, letzten Samstag in aller Herrgottsfrüh, mit einer angebundenen Julischka an ihrem Platz in Riffenmatt. Und jetzt heisst es: Warten. Jeder der mich kennt weiss, dass Geduld nicht gerade zu meinen Stärken gehört. Die Warterei ist nicht gerade förderlich für meine Nervosität. Ich weiche Julischka nicht oder höchstens nur kurz von der Seite. Versuche, sie zum Fressen und Trinken zu animieren und verspreche ihr, dass sie bald wieder eine normale Kuh sein darf.

Oberste Regel vergessen

Und plötzlich ist er da: Unser grosser Moment! Mein Schwager hilft mir, das braune Lederhalfter anzuziehen. Ein Geschenk zu meinem Geburtstag, das lange auf seinen Einsatz warten musste. Wir schreiten zum Ring. Obwohl Wärter zur Verfügung stehen, darf ich Julischka selbst Vorführen. Und das Üben hat sich gelohnt. Julischka präsentiert sich hervorragend und hilft mit, den Kopf schön hochzuheben. Ich bin so konzentriert auf meine Kuh, dass ich die oberste Regel vergesse: Immer mit einem Auge beim Richter sein. Da dieser aber offensichtlich merkt, dass ich nur Augen für meine Kuh habe, schneidet er mir den Weg ab, um mich darauf hinzuweisen, dass ich mich als Vor­derste einreihen darf. Kategoriensieg! Ruhig bleiben, kein Freudentänzchen vorführen.

Und dann folgt mein Highlight des Tages: Ich darf auf die Ehrenrunde, während der Richter die Vorzüge meiner (!) Kuh verkündet. Vor allen! Was für ein Gefühl! Ich beginne zu verstehen, was die Faszination Viehschau ausmacht. Und zwar nicht auf dem Zuschauerrang. Am Nachmittag darf ich mit Julischka noch zweimal ins Line-Up bei der Wahl um die Miss Riffenmatt und Miss Schöneuter der jungen Kühe. Was für eine Bilanz!

 

Regionalschau  Riffenmatt

Die drei Braunviehzuchtvereine Schwarzenburg BE, Riggisberg BE und Sense FR feierten am Samstag ihre 9. Regionalschau in Riffenmatt BE. Über 200 Rinder und Kühe der Rassen Original-Braunvieh und Brown-Swiss waren angemeldet. Gleichzeitig wurden zwei Jubiläen gefeiert: Die beiden Berner Vereine Riggisberg und Schwarzenburg konnten auf 50 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken. Trotz des garstigen Wetters fanden zahlreiche Zuschauer den Weg ins Gantrisch-Gebiet. Zur Miss Riffenmatt Braunvieh wurde Glenn Gala (Bild rechts) von Werner Hänni, Riggisberg erkoren. Bei den Originalen konnte die Wilan-Tochter Anna Paula von Niklaus Nydegger aus Schwarzenburg BE den Titel Miss Riffenmatt nach Hause nehmen.