Sie haben die gleiche Leidenschaft und schwärmen für die Brown-Swiss-Zucht: Werner Duss, Thaddäus Göhl, Tom Salzgeber und Marcel Steinauer sind am 1. Februar mit ihrer neuen Firma GenMerit AG gestartet. Das motivierte Team möchte einen Beitrag zur positiven Entwicklung der Brown-Swiss-Rinderzucht leisten – national wie auch international. Duss, der 25 Jahre lang Sire Analyst bei Swissgenetics war und nun das Zuchtmanagement bei GenMerit verantwortet; Göhl, ein Brown-Swiss-Züchter aus Deutschland; Salzgeber, ein engagierter, erfolgreicher Jungzüchter aus dem Bündner Dorf Pany; und Steinauer, zuständig für Finanzen, HR und IT – gemeinsam wollen sie mit GenMerit einen soliden Grundstein für die aktive Weiterentwicklung von Brown Swiss legen.

«Dabei noch gute Genetik entwickeln zu können, wird immer schwieriger»

Die BauernZeitung sprach mit Werner Duss über die Hintergründe der Firma GenMerit AG: «In den letzten Jahren wurde vergleichsweise mehr in andere Rassen wie Holstein und Jersey investiert, was sich auch auf die genetischen Fortschritte dieser Rassen auswirkte», erklärt Duss. Vor allem aus der Züchterschaft sei das Anliegen gekommen, doch mehr für die Braunviehrasse zu unternehmen. «Rund 50 % der Brown-Swiss-Kühe werden heute hierzulande mit Mastrassen belegt. Dabei noch gute Genetik entwickeln zu können, wird immer schwieriger», gibt Duss zu bedenken.

Im Sinne der Züchterschaft tätig werden

Mit ihrer Firma wollen sie nun Gegensteuer geben: «Unser Ziel ist es, mit unserer Zucht in enger Zusammenarbeit mit Brown-Swiss-Betrieben verschiedene Braunvieh-Blutlinien zu stärken und Zuchtlinien nachhaltig weiterzuentwickeln», so der Experte. Denn wenn es der Rasse gut gehe, profitierten alle Züchter, die auf Brown Swiss setzen. Diesen Mehrwert für die Züchtergemeinschaft zu schaffen, sei ihre Motivation. 

Auf den Firmennamen angesprochen, erklärt Werner Duss: «Gute Zucht lebt von Generationen – von Kuhfamilien, deren Wert sich über Jahre aufgebaut hat, und von Züchtern, die dieses Erbe weitertragen.» Das «Gen» im Namen stehe für diese Generationen und für die Genetik, die sie weiterentwickeln. «Merit» sei der Begriff, der international oft für Zuchtwert verwendet werde – also für das, was sie gemeinsam mit der Züchtergemeinschaft steigern wollen. «GenMerit ist unser Beitrag zur Zukunft von Brown Swiss», so Werner Duss.[IMG 2]


Nachgefragt: «Es sind genetisch hochwertige Tiere, die wir anderen Milchwirtschaftsbetrieben zugänglich machen»

Wie ist es zur Gründung der Firma GenMerit AG gekommen?

Werner Duss: Die GenMerit AG ist aus einer Leidenschaft für die Brown-Swiss- Rinderzucht entstanden. Mit der Gründung von GenMerit soll ein Grundstein für eine aktive Weiterentwicklung von Brown Swiss national und international gelegt werden. Die GenMerit AG mit Sitz im Kanton Luzern ist ein Unternehmen, das Premium-Zuchtlinien entwickelt. Mit genomischer Selektion aus tiefen Kuhfamilien bauen wir hervorragende Zuchtlinien auf. Das Resultat sind aus tiefen Kuhfamilien bzw. Generationen genetisch hochwertige Tiere, die wir anderen Züchtern und Milchwirtschaftsbetrieben zugänglich machen.

Welchen Markt wollen Sie damit bedienen?

Unser Fokus liegt auf Brown Swiss. Wir entwickeln Premium-Zuchtlinien und denken dabei von Anfang an international. Brown Swiss geniesst weltweit einen hervorragenden Ruf für Milchinhaltsstoffe, Langlebigkeit ebenso wie für Robustheit in verschiedenen Klimazonen. In den letzten Jahren wurde jedoch vergleichsweise mehr in andere Rassen wie Holstein und Jersey investiert, was sich auch auf die genetischen Fortschritte dieser Rassen auswirkte. Mit unseren Zuchtlinien möchten wir dieser Entwicklung entgegenwirken, da wir von der genetischen Qualität und dem Entwicklungspotenzial von Brown Swiss überzeugt sind. Auch wir hoffen, dadurch zu den genetischen Fortschritten bei Brown Swiss beitragen zu können. Auch soll den Züchtern im In- und Ausland Zugang zu Brown-Swiss-Spitzengenetik ermöglicht werden.[IMG 3]

Warum nur diese Rasse?

Brown Swiss vereint Eigenschaften, die keine andere Rasse in dieser Kombination bietet: aussergewöhnliche Langlebigkeit, hervorragende Milchqualität mit hohen Eiweiss- und Fettgehalten, starkes Fundament, Anpassungsfähigkeit, natürliche Hitzetoleranz und eine robuste Konstitution sowie hervorragende Charaktereigenschaften. Die Brown-Swiss-Kuh ist sehr gut geeignet für verschiedene Haltungsformen von Hochleistungs-, Bio- sowie Alp­betrieben. Wir sind überzeugt von diesem Potenzial und wollen es durch gezielte Zucht weiterentwickeln.

Warum haben Sie das Gefühl, dass hier ein Markt besteht?

Aktuell liegt aufgrund politischer Rahmenbedingungen ein erhöhter Fokus auf Mast, was die Entwicklung von genetisch hochwertigen tiefen Kuhfamilien verlangsamt. Wir sehen daher eine erhöhte Nachfrage nach Premium-Tieren, deren Kuhfamilien bzw. Genetik international optimal weiterentwickelt werden. International wächst das Interesse an starker Schweizer Brown-Swiss-Genetik. Diese Entwicklung möchten wir als Züchter aktiv mitgestalten.

Swissgenetics macht fast das Gleiche. Wo sehen Sie hier Unterschiede zu Ihrer Firma?

Das ist eine verständliche Frage, aber unsere Rollen sind unterschiedlich und ergänzen sich gut. Swissgenetics ist eine Genossenschaft mit dem Zweck der Durchführung von künstlicher Besamung beim Rindvieh; ihr Kerngeschäft ist die Produktion und Vermarktung von Samendosen sowie die künstliche Besamung mit über 240 Besamungstechnikern. GenMerit hingegen ist ein Züchter: Wir züchten Premium-Tiere und entwickeln Zuchtlinien mit Embryo-Züchtern weiter. Damit sind wir Kunde und Partner. Unsere besten Stierkälber werden wir unseren zukünftigen Partnern im In- und Ausland anbieten.

Wie und wo selektionieren Sie die Tiere dafür?

Wir setzen auf tiefe Kuhfamilien und genomische Selektion und zusätzlich auch auf interessante neue Blutlinien. Bei der Auswahl schauen wir auf das Gesamtpaket – Milchleistung, Inhaltsstoffe, Exterieur und Fitnesswerte.

Wie können die Züchter das Angebot in Anspruch nehmen?

Unser Grundgedanke ist es, mit unserer Zucht die Zuchtlinien von Brown-Swiss-Betrieben nachhaltig weiterzuentwickeln. GenMerit setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit Züchtern, die Embryo-Transfer machen, die dabei stets Zugriff auf die Weiterentwicklung ihrer Genetik behalten. Wir verkaufen genomisch getestete Premium-Tiere direkt an Züchter und Milchwirtschaftsbetriebe, national und international. Schliesslich ermöglichen wir den Züchtern durch unsere Zusammenarbeit mit den Besamungsstationen den Zugang zu unseren besten Stieren aus unseren Zuchtlinien.

Wie finanzieren Sie das Ganze?

Wir sind vollständig privat finanziert und planen, dies langfristig beizubehalten. Das gibt uns die Freiheit, langfristig zu denken und unsere Zuchtentscheidungen auf Qualität auszurichten.

Wie sieht die Firma in zehn Jahren aus? 

In zehn Jahren möchten wir mehrere international anerkannte Premium-Zuchtlinien etabliert haben. Unser Erfolg misst sich aber insbesondere daran, ob wir dazu beitragen können, die genetische Qualität von Brown Swiss gesamthaft zu erhöhen. Konkret wird sich das daran zeigen, dass in zehn Jahren auch die nächste Züchtergeneration mit Freude und Leidenschaft eine wirtschaftliche und nachhaltige Brown-Swiss-Zucht betreiben kann.

Sie waren bei Swissgenetics als Sire Analyst tätig. Was nehmen Sie aus dieser Zeit mit?

Die Zeit bei Swissgenetics hat mir ermöglicht, das zu tun, was mich wirklich begeistert: täglich mit der Brown-Swiss-Rasse zu arbeiten. Diese Freude, diese Leidenschaft – die bleibt. Die nehme ich mit auf meinen weiteren Weg.