Jedes Jahr stehen für die Freibergerzucht rund 200 Hengste zur Verfügung, plus gefrorenes Sperma bereits verstorbener Tiere. Wer zum ersten Mal züchtet, weiss bei dieser Auswahl schnell nicht mehr, wo anfangen. Agroscope hat deshalb zusammen mit dem Schweizerischen Freibergerverband (SFV) und dem Schweizerischen Institut für Pferdemedizin (ISME) den Leitfaden «Startklar für die Freibergerzucht» publiziert. Er führt Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess, von der Hengstauswahl bis zum Feldtest mit drei Jahren. Hier sind die wichtigsten Punkte für den Einstieg.
Erst der Verband, dann der Hengst
Ein guter erster Schritt ist die Mitgliedschaft in einer regionalen Zuchtgenossenschaft. Dort trifft man andere Züchterinnen und Züchter, erhält Informationen aus erster Hand, kann an Schauen teilnehmen und bekommt in manchen Fällen Rabatte. Es ist der direkteste Weg ins Netzwerk der Freibergerzucht.
Für die Hengstauswahl gibt der SFV jedes Jahr den Hengstkatalog heraus. Er listet alle für die laufende Decksaison zugelassenen Hengste mit Abstammung, Zuchtwerten, Erbkrankheitstests und Kontaktdaten der Deckstation. Pflichtlektüre.
Das Virtuelle Fohlen nutzen
Wer eine engere Auswahl hat, spielt die Paarungen durch mit dem Online-Tool «Virtuelles Fohlen» unter www.poulainvirtuel.ch. Das Tool wurde 2011 von Agroscope zusammen mit der HAFL und dem SFV entwickelt. Es berechnet für jede Stuten-Hengst-Kombination den Inzuchtkoeffizienten des potenziellen Fohlens, den Verwandtschaftsgrad mit der aktuellen Zuchtpopulation und geschätzte Zuchtwerte. Der Verband empfiehlt einen Inzuchtgrad unter 7 Prozent. Das Tool zeigt an, wenn der Richtwert überschritten wird.
Die eigene Stute erscheint ab dem zweiten Lebensjahr automatisch in der Datenbank. Wer sie nicht findet, kann beim SFV beantragen, sie hinzuzufügen. Wird die Stute bis zum siebten Lebensjahr nicht in der Zucht eingesetzt, verschwindet sie aus der Liste der aktiven Zuchtstuten.
Die Rosse erkennen
Eine paarungsbereite Stute zeigt es klar: Sie sucht die Nähe des Hengstes, spreizt die Hinterbeine, hebt den Schweif und zeigt das sogenannte «Blitzen». Wer unsicher ist, bringt die Stute an einen Feckstand, wo der Hengst durch eine Öffnung Kontakt aufnehmen kann, ohne dass ein Verletzungsrisiko besteht. So lässt sich schnell beurteilen, ob der Zeitpunkt stimmt.
Die meisten Freibergerhengste bieten den Natursprung an. Künstliche Befruchtung mit frischem oder gefrorenem Sperma ist eine Alternative, etwa wenn der Wunschhengst während der Zuchtsaison nicht zur Verfügung steht oder bereits verstorben ist.
Trächtigkeit bestätigen
Rund zwei bis drei Wochen nach der Bedeckung: Ultraschall beim Tierarzt. Falls die Stute nicht tragend ist, kann die nächste Rosse noch genutzt werden. Einen Monat nach der Deckung folgt eine zweite Untersuchung, zur definitiven Bestätigung der Trächtigkeit und um allfällige Zwillinge frühzeitig zu erkennen. Im ersten Trächtigkeitsmonat ist das Abortrisiko am höchsten.
Was die Stute während der Trächtigkeit braucht
Hochwertiges Heu, ausreichend Bewegung, stabile Gruppenstruktur und möglichst wenig Stress sind das, was die Stute laut Ratgeber braucht. Trächtige Stuten sollten täglich auf die Weide oder in den Paddock, am besten in Gesellschaft von Artgenossen. Impfungen gegen Herpes werden im 5., 7. und 9. Trächtigkeitsmonat empfohlen, gegen Influenza zwei bis vier Wochen vor dem Abfohlen. Entwurmt wird ebenfalls kurz vor dem Geburtstermin. In den ersten vier Monaten der Trächtigkeit dagegen weder impfen noch entwurmen.
Nach der Geburt beginnt der Papierkram
Sobald das Fohlen steht und saugt, beginnt die Uhr zu laufen. Agate-Registrierung und Geburtsmeldekarte an den SFV sollten idealerweise beides innerhalb von acht Tagen passieren. Dann folgen weitere Fristen bis Ende des Jahres. Wer sie nicht kennt, zahlt drauf, finanziell oder bürokratisch.

