Die drei Hauptaufgaben von Agroscope umfassen Forschung und Entwicklung für die Land- und Ernährungswirtschaft, Politikberatung für die Behörden sowie Vollzugsaufgaben. Damit ist Agroscope für die Landwirtschaft von einiger Relevanz – gerade hinsichtlich Klimawandel und steigendem Anpassungsdruck auch an gesellschaftliche Ansprüche wird oft der Ruf nach mehr Forschung laut. In welche Richtung es bis 2029 geht, hat die Forschungsanstalt des Bundes in ihrem neuen Arbeitsprogramm festgelegt.
Mehr zu Wirtschaftlichkeit und Wertschöpfung
Im Vergleich zum letzten Arbeitsprogramm werde die Aktivität in Bereichen mit grossen Herausforderungen gestärkt, teilt Agroscope mit. Dazu gehören die Anpassung an den Klimawandel, Wassereffizienz, der Schutz der Kulturen v. a. im Gemüse- und Ackerbau, die nachhaltige Tierproduktion und die Reduktion von Nährstoffverlusten. «Da die landwirtschaftliche Produktion für die Bauernfamilien sozial und ökologisch nachhaltiger werden soll, wird auch die Forschung zu Wirtschaftlichkeit und Wertschöpfung erweitert», heisst es weiter. Mehr finanzielle Mittel für Pflanzenschutz und -züchtung ermöglichen auch in diesen Bereichen neue Projekte.
Ziele und Erwartungen definiert
Insgesamt soll das neue Arbeitsprogramm stärker auf Wirkung und Praxisnutzen ausgerichtet sein. Alle 42 Forschungsprogramme enthalten dazu jeweils definierte Ziele und erwartete Wirkungen. «Die Praxisrelevanz der Projekte und der Wissenstransfer werden durch eine starke Einbindung der Akteure aus Praxis, Bundesverwaltung, Beratung und Kantonen sichergestellt», schreibt Agroscope.
Über 650 Anliegen sind eingegangen
Bereits bei der Erstellung des Arbeitsprogramms konnten laut Mitteilung zahlreiche Branchen, Verbände, Organisationen und Interessengruppen der Land- und Ernährungswirtschaft mitwirken. Rund 70 Organisationen haben über 650 Anliegen eingereicht, die man gemeinsam priorisiert habe. Agroscope hat nach eigenen Angaben zudem übergeordnete Strategien des Bundesrates, Zukunftsvisionen und die sich wandelnden gesellschaftlichen Anforderungen berücksichtigt.
Die Schwerpunkte 2026 – 2029
Die 42 Forschungsprogramme des neuen Arbeitsprogramms von Agroscope lassen sich folgenden sechs Schwerpunkten zuordnen.
Landwirtschaft im Klimawandel: Forschung zu neuen Pflanzenbau- und Tierhaltungssystemen, Züchtung von robusten Pflanzen, Vorhersagen, effizientere Bewässerung und Schutz vor invasiven Schadorganismen, Reduktion von Treibhausgasemissionen und negativen Umweltwirkungen der Ernährung.
Schutz von natürlichen Ressourcen: Analyse und Messung der ober- und unterirdischen Biodiversität, der Bodenfruchtbarkeit und -gesundheit und der Auswirkungen landwirtschaftlicher Produktion auf Oberflächengewässer und Luft. Evaluation politischer Massnahmen, Entwickeln von Praxislösungen für den Schutz natürlicher Ressourcen.
Agrarökologische Produktionssysteme: Weiterentwicklung landwirtschaftlicher Produktionssysteme in ökonomischer, sozialer und ökologischer Hinsicht. Optimierung nach agrarökologischen Prinzipien, Untersuchung neuer Anbaumethoden wie Agri-PV, Agroforst oder Vertical Farming unter Schweizer Bedingungen. Reduktion von Zielkonflikten und Berücksichtigung neuer gesellschaftlicher Anliegen.
Wirtschaftliche und artgerechte Nutztierhaltung: Verbesserung von Monitoring und Vollzug der gesetzlichen Anforderungen zur Tiergesundheit, Untersuchung der wirtschaftlichen Bedeutung der Nutztierhaltung. Optimierung von Tierproduktionssystemen unter Berücksichtigung sich ändernder Ernährungsgewohnheiten.
Nachhaltige und gesunde Ernährung: Unterstützung für die Entwicklung innovativer, gesunder und sicherer Lebensmittel von Produktion über Verarbeitung bis zum Konsum. Forschung zusammen mit Konsument(innen) an effektiven Massnahmen für nachhaltige Ernährung, Erstellung von Ökobilanzen unter Berücksichtigung von Gesundheitsaspekten.
Wettbewerbsfähige Produktion von Lebensmitteln: Forschung zu Wegen, um die Wertschöpfung der Landwirtschaft zu steigern (z. B. mit welchen Produkten, Produktionssystemen oder Massnahmen in der Betriebsführung). Die Digitalisierung spielt hier eine wichtige Rolle.
Die Versuchsstationen von Agroscope werden weitergeführt. Jede ist einem bestimmten Forschungsthema gewidmet (Nährstoffflüsse, Gemüsebau, Weinbau und Önologie, Alp- und Berglandwirtschaft, smarte Technologien, Rohmilchprodukte, Obst und Beeren, Neobiota) und soll anwendungsorientierte Fragen beantworten. Kern der Versuchsstationen ist die Partnerschaft zwischen Agroscope, Kantonen, Praxis und Beratung.