Die Ostschweizer Kantone St. Gallen, Appenzell Inner- und Ausserrhoden sowie der Kanton Zürich halten nichts unter dem Deckel, was PFAS betrifft. Ins Rollen gebracht hatte PFAS in der Landwirtschaft 2024 der Kanton St. Gallen. Nun haben seit August 2025 91 Bauernfamilien in Appenzell I.Rh. ihre Milch freiwillig auf PFAS testen lassen. Im Ausserrhodischen beteiligten sich 169 Landwirte und im Kanton Zürich waren es 732 Milchviehhalter.
Appenzell Ausserrhoden: Bei 58 Betrieben (34%) wurden in der Milch Werte von über 0,02 Mikrogramm pro Kilogramm festgestellt.
Appenzell Innerhoden: 22 Betriebe (24%) haben einen PFOS-Wert in der Milch von über 0,02 Mikrogramm pro Liter.
Kanton Zürich: Bei 82 Proben (11 %) waren PFAS-Rückstände entsprechend dem Richtwert oder darüber nachweisbar.
Alle drei Kantone unterstützen die Bauernfamilien bei der Abklärung nach der Ursache und bei der Suche nach Lösungen. Als mögliche PFAS-Quellen kommen das Futter und Tränkewasser infrage, sodass die Fütterung angepasst werden muss, belastete Parzellen alternativ bewirtschaftet werden müssen und statt dass belastetes Quellwasser genutzt auf die öffentliche Wasserversorgung zurückgegriffen wird. Das sind für die betroffenen Bauernfamilien einschneidende und kostenintensive Massnahmen.
Kantonale Gelder zur Unterstützung der Bauernfamilien
Zur Unterstützung der Bauernfamilien stellt der Kanton Ausserrhoden rund 700 000 Franken zur Verfügung. Vergleichsweise bescheiden ist der Kanton Appenzell Innerrhoden mit 145 000 Franken für das laufende Jahr. Für die Jahre 2027 und 2028 will Innerrhoden jedoch weitere Gelder für Tests und Begleitmassnahmen bereitstellen. Auf Nachfrage der BauernZeitung erklärt die Medienstelle der Zürcher Baudirektion, dass der Kanton die Kosten für das Milchmonitoring und für die Begleitung der Betriebe bei der Suche nach Ursachen einer erhöhten PFAS-Belastung, inklusive der Laborkosten weiterer Beprobungen übernimmt. Die Kosten bewegten sich derzeit im sechsstelligen Bereich. Weiter stellt die Medienstelle klar, dass Kosten für die Umsetzung von Massnahmen auf den Betrieben zurzeit weder vom Bund noch vom Kanton übernommen werden und verweist auf Bundesrätin Baume-Schneider, die in der Frühlingssession des Parlaments erklärte, dass ein rechtlicher Rahmen für Unterstützungsmassnahmen an Bauernbetriebe in Erarbeitung sei. «Der Kanton Zürich begrüsst die Bestrebungen für eine nationale Regelung und wird diese abwarten», so tönt es aus dem Kanton Zürich.
«Lebensmittel sind sicher»
Die Kantonsverantwortlichen aus den nun beprobten Kantonen erklären unisono, dass durch den Konsum einzelner Lebensmittel, die PFAS enthalten, gemäss aktuellem Wissensstand keine akute gesundheitliche Gefährdung entstehe. Sie verweisen auf eine nationale Messkampagne des Verbands der Kantonschemikerinnen und -chemiker der Schweiz (VKCS) von 2025. Dabei zeigte sich, dass die geltenden Höchstwerte für Fleisch, Eier und Fisch fast ausnahmslos eingehalten werden. In Proben von Milch und Milchprodukten aus dem Handel wurde der Richtwert nur vereinzelt überschritten – und wie Beprobungen in der Ostschweiz gezeigt haben, handelt es sich um regionale Hotspots und nicht um ein flächendeckendes Problem.
Was läuft im Kanton Thurgau?
Haben die beiden Appenzell und der Kanton Zürich mit der Beprobung von Milch vorwärts gemacht, hinkt der Kanton Thurgau etwas hinterher, lancierte aber auf den 1. Januar 2026 ein dreijähriges Gesamtprojekt. Dabei wird die PFAS-Situation im Kanton Thurgau erfasst und ein Case Management für die Landwirtschaft aufgebaut. Auch soll die Verursacherthematik geklärt werden. Für die dreijährige Projektlaufzeit sind 517 000 Franken an Sachmittel und durchschnittlich 160 bis 220 Stellenprozente (befristet) veranschlagt. Nicht in dieser Summe enthalten ist ein PFAS-Sonderkredit für eine allfällige finanzielle Unterstützung stark betroffener Betriebe.
Kommentar: Handfeste Lösungen, statt Ängste schüren
Der Bund plant die Einführung von gesetzlichen Höchstwerten für PFAS in Milch und Milchprodukten. Dann kommen betroffene Betriebe ernsthaft in die Bredouille. Auch wenn sie seitens der Behörden bei der Suche nach Lösungen unterstützt werden, müssen sie selbst Entscheidungen fällen und einen Weg suchen, der ihnen Zukunftsperspektiven ermöglicht.
Bund und Kantone sind gefordert. Mit Nachdruck setzt sich die Ostschweizer Regierungskonferenz (ORK) dafür ein, dass der Bund schweizweit einheitliche, praktikable Vorgaben schafft und die Forschung stärkt. Vergessen gehen dabei aber Haftungsfragen und Entschädigungen – diese dürfen nicht unter den Tisch gekehrt werden. Es braucht den politischen Willen und ein Bekenntnis aller Parteien von links nach rechts, um die betroffenen Betriebe und die Schweizer Landwirtschaft zu unterstützen. Auch die Medien sind in der Verantwortung. Schlagzeilen wie «Kann man Milch noch trinken?» verunsichern zutiefst und sind absolut fehl am Platz.
Daniela Clemenz
