Der gehässige Abstimmungskampf um Wil West ist schon über drei Wochen her. Trotzdem hat er Spuren, wenn nicht gar tiefe Gräben in der Bauernschaft hinterlassen. Die einen waren dafür, die anderen dagegen – und die St. Galler Landwirtschaftsvertreter schenkten sich im Vorfeld der Abstimmung nichts. Mehr als einmal fielen Vorwürfe bis hin zu bösartigen Kommentaren.
Reihen schliessen, um Mehrheiten zu gewinnen
Es war also nicht erstaunlich, dass der Präsident des St. Galler Bauernverbands, Ruedi Thomann, an der Delegiertenversammlung in Benken (SG) zu Einigkeit aufrief. «Wenn wir unsere eigenen Reihen gegeneinander ausspielen, gewinnen wir keine Mehrheiten», sagte er in seiner Begrüssungsrede.
«Was uns stark macht, ist Überparteilichkeit. Wir müssen zusammenstehen, gerade jetzt», rief Thomann in den Saal hinein und verwies auf die nationalen Wahlen 2027, auf die Ausarbeitung der AP 2030+, auf die Marktmacht der Abnehmer und die Vegan-Initiative, wo die Bauernschaft zusammenstehen müsse.
Gewinn von rund 442 000 Franken
Mag es auf emotionaler und menschlicher Ebene ein herausforderndes Jahr 2025 und erstes Quartal 2026 für den St. Galler Bauernverband (SGBV) gewesen sein, finanziell hat es sich ausbezahlt. Die Jahresrechnung 2025 des SGBV schliesst mit einem Gewinn von rund 442 000 Franken ab.
Insbesondere dank einer starken Zunahme an Versicherten in der Grundversicherung der Agrisano. Der Vorstand werde über das nun ausreichend vorhandene finanzielle Polster entscheiden, sodass die Mitglieder davon profitieren könnten. Das versprach Geschäftsführer Hansruedi Thoma den rund 300 Delegierten und Gästen, die zur Delegiertenversammlung gekommen waren.
Das steht an in der St. Galler Landwirtschaft
Die grössten Sorgen für die St. Galler Bauernfamilien sind die PFAS. Im Gegensatz zu den Auf- und Ab der Märkte gibt es hierbei weder kurzfristig noch absehbar Lösungen. Auch die St. Galler Kantonsregierung steht bei diesem Thema nicht abseits. Regierungsrat Beat Tinner nahm dazu Stellung und wies darauf hin, dass St. Gallen mit den Nachbarkantonen und dem Bundesamt für Landwirtschaft ein Ressourcenprojekt gestartet habe, um die betroffenen Bauernfamilien stärker zu unterstützen.
In seiner Grussbotschaft versuchte Beat Tinner auch den Weg für die kantonale Biodiversitätsstrategie zu ebnen. «Die Biodiversitätsstrategie ist nicht gegen die Landwirtschaft gerichtet, sondern die Landwirtschaft kann dabei von den finanziellen Möglichkeiten profitieren», sagte er.
Und wieder droht ein Sparhammer
In Umsetzung im Kanton St. Gallen ist zudem das Zusammenführen von Vernetzung und Landwirtschaftsqualität zu Projekten zur regionalen Biodiversität und Landschaftsqualität (PrBL). Die auf 2028 angesetzte Sparrunde könnte den PrBL aber im Wege stehen. Auch bei den Strukturverbesserungen sei mit Einbussen aufgrund des Sparpakets zu rechnen, sagte Beat Tinner.
Beim kantonalen Entlastungspaket 2026 gelang es den Vertreter(innen) der Landwirtschaft, die geplanten Sparmassnahmen bei den Strukturverbesserungen abzuwenden. Ruedi Thomann gab sich an der Delegiertenversammlung kämpferisch. Auch gegen diesen Sparhammer 2028 werde man sich zur Wehr setzen, kündigte er an.
Windräder, PFAS und der Biber beschäftigen die Bauern
Aufgegriffen wurden in den Wortmeldungen aus dem Saal auch die Themen Biodiversität und PFAS. Letzteres in Zusammenhang mit Windrädern, die der Kanton St. Gallen für 15 Windeignungsgebiete festgelegt hat. Durch den Abrieb seien PFAS-Partikel in Boden und Wasser gelangt und würden auch bisher unbelastete Gebiete in der Landwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen, meldete sich ein Delegierter zu Wort.
Punkto Biodiversität kam der Biber zur Sprache. Die Biber breiten ihre Reviere im Kanton St. Gallen aus. Diesbezüglich hatten die Kantonsräte Peter Nüesch, Fredy Louis und Sepp Sennhauser in der Februarsession eine «einfache Anfrage» zuhanden der Regierung gestellt. Die Antwort ist noch ausstehend – und auch Regierungsrat Beat Tinner nahm an der Delegiertenversammlung keine Stellung dazu.
Maschinenring auch im Kanton St. Gallen aktiv
«Maschinen Ostschweiz möchte sich in der Ostschweiz breit bei den Verbänden abstützen», erklärte Fabian Brühwiler, Geschäftsführer des Maschinenrings Ostschweiz, an der Delegiertenversammlung. So hat auch der St. Galler Bauernverband ein Aktienpaket von 20 % am Maschinenring Ostschweiz. Die übrigen 80 % sind in den Händen der Kommission Landtechnik des Verbands Thurgauer Landwirtschaft, des Thurgauer Landfrauenverbands und der Thurgauer Milchproduzenten.
