Susanne Wepfer schiebt eine Mandel in den Nussknacker. «Eine spannende Frucht», sagt sie. «Leicht zu knacken und sehr vielfältig im Geschmack – mal süss, mal herb.»
Aus der Schale tritt der braune Kern hervor – so wie man Mandeln kennt, wenn man sie im Laden kauft. Diese hingegen sind in Rudolfingen im Zürcher Weinland gewachsen, genauer gesagt, am Rebberg von Hanspeter und Susanne Wepfer.
Die Mandelbäume selbst veredelt
Mit ihrem Mandelprojekt hat die Familie, die einen Nebenerwerbsbetrieb bewirtschaftet, vor rund sieben Jahren angefangen. «Damals entschieden wir uns, den Rebbau zu reduzieren», erzählt Hanspeter Wepfer. Dies mit dem Ziel, sich künftig arbeitsmässig zu entlasten und weniger zu spritzen.
Die Baumschule, in der Susanne Wepfer als Kundenberaterin arbeitet, hat Mandelbäume im Sortiment. Das brachte sie auf die Idee mit den Mandeln. Sie begannen sich über die Steinobstkultur zu informieren und pflanzten im Winter 2019 auf 14 Aren die ersten 60 Bäumchen. Der finanzielle Aufwand hielt sich dabei in Grenzen: «Wir haben sie selbst veredelt und mussten einzig die Wurzelunterlagen kaufen», so Hanspeter Wepfer, der hauptberuflich in einer Baumschule ist tätig ist.
Mandelprojekt von Agroscope half weiter
Zwar brachte das Ehepaar eine Menge gärtnerisches Fachwissen mit, jedoch keine Spezialkenntnisse im Mandelanbau. Die gewählten Sorten stammen aus einer Sammlung von verschiedenen Süssmandeln aus der Pfalz. Diese haben sich dort als besonders widerstandsfähig erwiesen und sind aufgrund dessen ausgewählt worden.
«Wir probieren fortlaufend aus», erzählt Susanne Wepfer. Weitere Orientierungshilfe erbrachte ein Projekt von Agroscope zum Mandelanbau, auf welches Wepfers erst später gestossen sind. Im Rahmen dessen gab es unter den Anbauern einen Austausch bezüglich verschiedener Sorten wie Ferrastar, Ferragnes und Ferraduell. Diese unterschieden sich beispielsweise betreffend Geschmack der Kerne, Wuchsform sowie Robustheit.[IMG 2]
Bittermandelbäume haben rosa Blüten
«Welche Sorten sich bei uns am besten eignen, ist von vielen Faktoren abhängig, beispielsweise vom Boden und der Lage», erklärt Hanspeter Wepfer. Nach sechs Jahren sei es noch zu früh, eine Bilanz zu ziehen. In der Zwischenzeit haben sie auf einer zweiten Fläche 40 weitere Bäume gepflanzt und dabei die Sortenwahl erweitert.
Dazu kommen einzelne Bittermandelbäume, die nicht wie Süssmandeln weisse Blüten hervorbringen, sondern rosafarbene. Ihre Kerne sind sehr hart in der Schale und geringfügig blausäurehaltig, weswegen sie einen bitteren Geschmack haben. Angepflanzt werden sie nur wegen der schönen Blüte.
Sind leider nicht so robust, wie erhofft
«Die Pflege der Anlage ist unkompliziert», meint Hanspeter Wepfer. Zu den regelmässigen Arbeiten gehöre das Mähen der Kleemischung unter den Bäumen sowie das Schneiden der Kronen im Winter. Allerdings hätten sie die Bäume zunächst einfach wachsen lassen. Heute sind die Erstgepflanzten bereits 4 bis 5 Meter hoch, erreichen können sie eine Höhe von über 6 bis 8 Meter.
Auf das Spritzen will das Ehepaar verzichten, nicht zuletzt deshalb, weil ein Bienenstand in der Nähe platziert ist. Doch die Mandeln haben sich nicht so robust erwiesen wie erhofft. So sind die Bäume je nach Standort anfällig auf die Pilzkrankheiten Schrotschuss und Monilia, die beide vor allem bei feuchter und warmer Witterung auftreten.
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Beim Schrotschuss verursacht der Pilz Flecken auf den Blättern, Laubfall und allgemein eine Schwächung der befallenen Bäume. Bei Monilia werden die Blüten und auch die Triebspitzen befallen. Diese können durch den Befall absterben und somit den Baum schwächen. Auch Wühlmäuse sorgen für Schäden, indem sie die Wurzeln fressen.
Bestäubung auch mit Pfirsichbäumen möglich
Nachdem bereits einige Bäume eingegangen waren, pflanzte Wepfers neue nach. Zudem: Wie bei anderen Obstsorten sind Spätfröste auch für Mandeln eine Herausforderung. Ein Vorteil ist, dass die Familie späte Sorten kultiviert, die nicht vor dem Laubaustrieb blühen.
Dieses Jahr trieben die ersten Blüten Ende März aus. Das Bestäuben schliesslich erfolgt gegenseitig unter den verschiedenen Sorten. «Die Bestäubung der Mandel klappt sogar mit den Blüten der Pfirsichbäume», sagt Susanne Wepfer.
Alles wird verwendet – vom Kern bis zur Schale
«Wie Könige haben wir uns gefühlt, als wir im Herbst vor zwei Jahren die erste Ernte einbringen konnten», erzählt die Gärtnerin lachend. Zum Vermarkten sei die Menge von insgesamt 10 kg allerdings noch nicht ausreichend gewesen, so hätten sie alle Mandeln im Familien- und Freundeskreis verschenkt. Wie viel ein Baum abwirft, ist noch nicht bekannt, die erwartete Menge liegt bei etwa 10 bis 20 Kilo – sofern nicht Fröste oder Erkrankungen einen Strich durch die Rechnung machen.
«Wir haben das Privileg, dass wir nicht vom Mandelanbau leben müssen», räumt Hanspeter Wepfer ein. Nach der Ernte werden die Mandeln sofort während einiger Tage getrocknet, anschliessend sind sie in trockener Umgebung mehrere Monate lagerfähig. Wepfers ist das «Leaf-to-Root-Prinzip» wichtig: Alles soll verwendet werden, die Schale kann etwa zerkleinert als Mulchmaterial oder zum Heizen zum Einsatz kommen.
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Spezialitäten wie Maulbeeren und alte Obstsorten
Nebst den Mandeln pflegt die Familie mit Freude eine Reihe weiterer Kulturen: Darunter verschiedene alte Apfel-, Birnen- und Zwetschgensorten, Feigen, Marroni sowie ein rosablühender Holunder. «Eigentlich alles, was man essen kann», so Susanne Wepfer. Zu erwähnen sind auch die Maulbeeren: Diese sind zwar schnell verderblich, lassen sich jedoch trocknen und schmecken dann herbsüss.
Vieles aus Wepfers Produktion findet den Weg in den Verkauf: Im Hofladen mitten im Dorf gibt es Honig und Süssmost, je nach Saison Tomatensetzlinge, frisches Obst sowie eine grosse Auswahl an Kürbissorten. Gut möglich, dass auch dereinst Mandeln zum Sortiment gehören. «Wir hoffen darauf, die richtige Sorte zu finden, die mit den gegebenen Herausforderungen gut umgehen kann», sagt Hanspeter Wepfer.