Der Bergackerbau hat Zukunft – insbesondere mit der starken Marke «Gran Alpin». Diesen Eindruck hinterliess die Mitgliederversammlung der Genossenschaft Gran Alpin, die 2026 in Wergenstein (GR) stattfand.
Bündner Bergackerbau ist in der Nische erfolgreich
Der Bergackerbau trägt zum Weiterbestehen des lokalen Gewerbes bei. Das unterstrich Lucia Meier, Inhaberin vom Meier Beck in Santa Maria im Val Müstair. «Wir backen seit jeher unser Brot und Gebäck mit Gran-Alpin-Mehl. Das ist unsere Nische, wo wir erfolgreich sind und die unser Weiterbestehen sichert», sagte Meier – und zwar nicht nur im Kanton Graubünden, sondern schweizweit. 80 % von Meiers Backwaren werden in die ganze Schweiz versendet.
Ackerbau ist gut fürs Klima
Thomas Rolfer, Präsident des Bündner Bauernverbands, pflichtete Lucia Meier bei. «Bergackerbau, insbesondere Gran Alpin ist eine Nische, die Wertschöpfung generiert. Dafür sind die Konsumenten auch bereit, einen fairen Preis zu zahlen», sagte er und machte Hoffnung, indem er auf die AP 2030+ hinwies. Dabei sollen Ackerfrüchte für die menschliche Ernährung stärker gefördert werden.
«Wir haben im Kanton Graubünden noch genug Flächen, wo Ackerbau möglich ist», fügte er an. «Insbesondere da Ackerbau nicht nur eine gute Ergänzung zur Viehwirtschaft ist, sondern auch den CO₂-Ausstoss vermindert.» Dieses Argument kam von Chris Gilli, der seitens des Maschinenrings das Projekt «Klimaneutrale Landwirtschaft Graubünden» betreut.
Gran Alpin in Zahlen
Die Genossenschaft Gran Alpin zählt 186 Mitglieder und hat ihren Sitz in Surava. Sie erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von 1 746 950 Fr. (+12%). Die Erntemenge betrug 2025 rund 910 t Getreide (+18%). Für 2026 beträgt die Anbaufläche 247 ha. Die Ernteerwartung liegt bei 960 t. Ausgedehnt werden die Flächen von Berg-Weizen und Berg-Braugerste.
Braugerste-Saatgut fehlte
Für Flächenausdehnungen wären die Bündner Produzenten von Gran Alpin allzeit bereit – auch für unkonventionelle Kulturen wie Hülsenfrüchte. Aber es gibt Stolpersteine – beginnend beim Anbau. Roman Hasler, seit 17 Jahren Gran-Alpin-Produzent aus Donat (GR), wies darauf hin. Es beginne bereits bei der Saat – so fehlte in dieser Saison geeignetes Braugerste-Saatgut. Auch brauche es für das Umbrechen von Naturwiesen im Berggebiet und für die Bodenbearbeitung geeignete Maschinen.
Dann müsse man das richtige Zeitfenster erwischen – vor allem dann, wenn man mit Lohnunternehmen oder mit dem Maschinenring zusammenarbeite. Pflanzenschutz sei eine Herausforderung. Für die Ernte hat Hasler einen Hangmähdrescher angeschafft, aber der Abtransport und die Annahme von diesen Kleinmengen müssten gut organisiert sein.
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Reserven für kommende Jahre anlegen
Die weiteren Stolpersteine erwähnten Geschäftsführerin Sandra Kunfermann und Präsident Gian Demarmels. Je differenzierter die Produktion, desto aufwendiger seien Aufbereitung, Lagerung, Verarbeitung, Verpackung, Etikettierung und der Vermarktungsaufwand.
Finanziell war das Jahr 2025 für die Genossenschaft schwierig. Die Jahresrechnung schloss trotz Umsatzsteigerung mit Verlust ab – auch kam es zu Liquiditätsproblemen. Das soll sich ändern, sodass Gran Alpin Reserven für Jahre mit Grossernten aufbauen kann. «Ebenfalls müssen wir all unsere Zertifizierungen überdenken. Sie schränken uns teilweise stark ein», kündigte Demarmels an.
Netzwerk Innovage steht bei neuer Strategie zur Seite
Der Vorstand will aber alle Strukturen und Prozesse im Rahmen einer Zukunftsstrategie durchleuchten und überprüfen. Dabei steht ihnen das Netzwerk Innovage zur Seite. Der frühere Lehrer und Plantahofberater Andreas Michel stellte das Netzwerk an der Mitgliederversammlung vor. Es besteht aus ehemaligen Führungspersonen und Ü55-Spezialisten und unterstützt auf honorarfreier Basis Vereine und gemeinnützige Institutionen.
Auch wird in Zusammenarbeit mit Getreidezüchtung Peter Kunz die Saatgutverfügbarkeit verbessert werden. Alle Gran-Alpin-Vorstandsmitglieder haben sogenannte Klimafenster ausgesät. Auf 12 m² werden dabei je vier Sorten einer Kultur angebaut und auf ihre Eignung für das Berggebiet geprüft. Flurbegehungen, Feldversuche und Weiterbildungen organisiert neu die Plantahof-Beraterin Marion Schmid.