Wenn man in Richtung Benken SG fährt, öffnet sich der Blick über die Linthebene, dahinter erheben sich die Berge. Etwas abseits der Hauptstrasse liegt der Bauernhof Spitzenwies von Familie Fischli. Seit 2004 führen Gabriela und Robert Fischli den Hof in eigener Verantwortung. Gemeinsam mit ihren drei Kindern leben und arbeiten sie hier.

Der Hof umfasst 26 Hektaren und wird in einer Betriebsgemeinschaft mit einer weiteren Familie bewirtschaftet. Auf den Weiden und im Stall stehen 35 bis 40 Milchkühe, dazu kommen Mastkälber, 100 Hühner, fünf bis acht Schweine und zwei Pferde. Alle paar Jahre bauen sie Getreide an – «je nach Situation Weizen oder Dinkel», erklärt Robert Fischli.

Landwirtschaft in der Spielgruppe erleben und verstehen

Ein wichtiger Teil des Betriebs ist die Direktvermarktung. Im Hofladen werden Käse, Eier, Fleisch, Konfitüren, Sirup und Süssmost aus eigener Produktion angeboten. «Die Leute schätzen es, zu wissen, woher die Produkte kommen», sagt Gabriela Fischli. Von Montag bis Mittwoch gehört der Hof zudem den Jüngsten: In der Spielgruppe verbringen bis zu zehn Kinder zwischen zweieinhalb und vier Jahren den Vormittag auf dem Betrieb. Sie helfen beim Füttern, beobachten die Tiere oder spielen im Stroh. 

Zwei Angestellte betreuen die Gruppe. «Uns ist wichtig, dass die Kinder hier erleben, woher die Lebensmittel kommen», sagt Gabriela. «Sie sollen Zusammenhänge verstehen – dass Milch nicht einfach aus dem Kühlschrank kommt.» Robert ergänzt: «Sie dürfen hier mitanpacken, Fragen stellen und die Natur direkt erfahren. Das prägt.»

Sommer zwischen Tal- und Alpwirtschaft

Besonders am Herzen liegt der Familie jedoch die Alpwirtschaft im Wallis. Seit 2024 bewirtschaften Fischlis eine Alp in der Region Leuk VS. Schon früher waren sie mehrere Sommer auf einer Alp tätig, hörten 2010 damit auf – nun sind sie zurück. «Eigentlich hat es sich durch frühere Einsätze ergeben», erzählt Robert. Dreimal war er im Einsatz für das Alpofon. «Und irgendwann ist er auf die Alp gestossen. Manchmal braucht es auch etwas Glück», ergänzt Gabriela. 

Die Entscheidung fiel trotz der rund vierstündigen Anfahrt bewusst. «Viele haben gesagt: Die spinnen ja», sagt Gabriela und schmunzelt. «Aber wir haben uns in die Alp verliebt – in die Landschaft, in die Arbeit, in die Menschen dort oben.» Während der Alpsaison bleibt Gabriela im Tal und führt den Betrieb in Benken weiter. «Der Alltag hier läuft normal weiter», sagt sie. Stallarbeit, Hofladen, Organisation, Spielgruppe – alles geht seinen gewohnten Gang.

Robert hingegen verbringt den Sommer auf der Alp und koordiniert dort den Betrieb mit fünf bis sechs Angestellten. Im Sommer werden sämtliche Tiere aus dem Talbetrieb mit auf die Alp genommen – ausser Hühner und Schweine. Insgesamt umfasst die Alp rund 110 Stösse. Dort stehen 60 bis 70 Milchkühe, rund 40 Rinder sowie einige Eringer. Zusätzlich gibt es sieben Zimmer mit 18 Betten für Gäste. «Die Feriendörfer in der Umgebung schätzen unsere Produkte sehr», sagt Robert.

Eine Zukunftsperspektive mit zwei Standorten

Ein zentraler Schritt war die Verarbeitung der Milch direkt vor Ort. 2025 wurde erstmals auf der Alp selbst Käse produziert – unter dem Namen «Du Valais». «Für uns war das ein Meilenstein», sagt Robert Fischli. «Die Milch hier oben zu produzieren und gleich hier zu verkäsen, das ist genau unser Verständnis von Wertschöpfung.» Für den Käse erhielt der Betrieb eine Qualitätsauszeichnung. «Das ist eine Bestätigung für das ganze Team. Ohne gutes Melken, saubere Verkäsung und sorgfältige Pflege funktioniert das nicht.»[IMG 2]

Langfristig wollen sie die Kreislaufwirtschaft weiter ausbauen. «Was hier wächst, soll möglichst hier verarbeitet werden», sagt Gabriela. «Das ist für uns auch eine Form von Respekt gegenüber der Natur.» 2025 organisierte die Familie erstmals eine eigene Alpabfahrt. «Wir wussten nicht, wie viele kommen würden», erzählt Robert. «Am Ende war sie richtig gut besucht.»

Auch dieses Jahr ist Mitte September wieder eine Alpabfahrt geplant. Die 14-jährige Tochter wird diesen Sommer fünf Wochen auf der Alp mithelfen und dafür früher die Schule beenden, während die älteren Geschwister ihre Lehre beginnen. 

Ob im Tal in Benken oder hoch oben im Wallis – beides gehört für Familie Fischli zusammen. «Hier unten ist unsere Basis», sagt Gabriela. Und Robert ergänzt: «Und dort oben entsteht ein wichtiger Teil von dem, was wir hier verkaufen.»