Auf dem Mühlehof geht es in Richtung Hauptsaison: Ende März sind die ersten Erdbeerpflanzen der frühen Sorte Clery aufgeblüht. Sie wachsen im Tunnel und werden nachts zusätzlich mit Vlies abgedeckt.
Bei einem Augenschein ist Produzent Martin Bottlang zufrieden: «Die Frostnächte mit bis zu minus 4 Grad haben keine Spuren hinterlassen.» Verfroren sind hingegen eine Handvoll Spargeln, die sich schon an die Erdoberfläche gewagt hatten.
Keine Spargeln und Erdbeeren an Ostern
Es ist einfach noch zu früh. An Ostern werden sie nicht da sein, die knackigen Spargeln und aromatischen Erdbeeren aus Hettenschwil. Martin Bottlang schätzt den Erntebeginn auf die zweite Aprilhälfte bei den Spargeln und auf Anfang Mai bei den Erdbeeren.
Dass in den Läden längst entsprechende Importprodukte liegen, macht den Meisterlandwirt nicht nervös. «Unsere Kundschaft wartet bewusst auf unsere Produkte», weiss der Direktvermarkter mit über 20-jähriger Erfahrung.
Es begann mit einem Schreck
Die heutige Ausrichtung des Betriebs begann mit einem Schreck: Zwei Jahre, nachdem Martin Bottlang den Betrieb gekauft hatte, verlor er fünf Hektaren Pachtland. Mit den verbleibenden zwölf Hektaren Land war für den Betriebsleiter klar: «Weiter wie bisher» funktionierte nicht.
Seine Eltern hatten den Betrieb zuvor langjährig in Pacht mit Ackerbau, Milchkühen und einigen Kirschenbäumen geführt. Martin Bottlang, der damals noch Vollzeit auswärts arbeitete, traf eine Entscheidung: Er gab den externen Job auf und setzte konsequent auf arbeitsintensive Kulturen mit hoher Wertschöpfung.
60 Prozent vermarktet Bottlang direkt
Spargeln hatte schon Mutter Bottlang eingeführt, Martin baute die Fläche aus und pflanzte zusätzlich Erdbeeren. Später kamen Tafeltrauben und 320 Zwetschgen-Hochstammbäume dazu. Die alten Sorten Rote von Birrwil und Gelbe von Gontenschwil gehen in die Brennerei; mit Berufskollegen teilt er sich die Schüttelmaschine zur Ernte.
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Je 3 bis 4 Tonnen Spargeln und Erdbeeren sowie 1,3 Tonnen Tafeltrauben vermarktet Familie Bottlang pro Saison direkt. Rund 60 Prozent verkaufen sie im eigenen Hofladen, den Rest an andere Hofläden, Volg-Läden, Landis und Restaurants. Die Eier von 70 Legehennen ergänzen das Sortiment. Das Natura-Beef der Mutterkühe wird nicht direkt vermarktet, sondern geht in den Handel.
Der Zwergenweg bringt Laufkundschaft
Um den Mühlehof zu finden, braucht es ab der Hauptstrasse zwei Wegweiser. Dafür bringen Ausflugsziele wie der «Zwergenweg» oder die nahegelegene Lourdes-Grotte Laufkundschaft.
«Am Morgen gepflückt, spätestens am nächsten Tag beim Kunden» – dieser Grundsatz sichert Bottlang einen Kundenstamm, der Frische und Aroma schätzt.
Erdbeeren und Trauben sind aufwendige Kulturen
Die Qualität stellt er mit Regendach und Insektenschutz bei den Trauben und Beeren sicher. Erdbeeren und Trauben werden zudem bewässert. Die Erdbeeren staffelt er auf eine Erntezeit von rund sechs Wochen.
Sie wachsen auf Dämmen, die frühe Sorte im Tunnel. Für das Lüften zur richtigen Zeit und im richtigen Mass betreibt der Landwirt einigen Aufwand, denn er beeinflusst damit Zeitpunkt und Qualität der Ernte.
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Spargeln rendieren für Bottlang
Spargel, Erdbeeren und Tafeltrauben bringen etwa die Hälfte des Einkommens. Der Produzent schätzt die Spargeln als wirtschaftlichste Kultur im Verhältnis zum Arbeitsaufwand, auch dank weniger Ernteschwankungen.
Eine Herausforderung bei den Zwetschgen ist das kurze Erntefenster. Dafür sieht Martin Bottlang Potenzial am Markt, weil viel Obst von älteren Hochstammbäumen nicht mehr gepflückt wird. Bei den Erdbeeren und Spargeln genügt eine Info-Mail an den Kundenstamm als Werbung, der Absatz der Tafeltrauben hingegen ist zäher.
Alle Kinder wollen bauern
Martins Ehefrau Verena Hartmann Bottlang ist Architektin und arbeitet auswärts. Für den Betrieb übernimmt sie administrative Arbeiten und liefert während der Saison Produkte in der Nähe ihrer Arbeitsorte aus.
Alle drei Kinder machen eine landwirtschaftliche Ausbildung. Die Tochter hat das EFZ in der Tasche und absolviert die Berufsmatur, der mittlere Sohn ist im zweiten Lehrjahr und der jüngste startet diesen Sommer die Landwirtschaftslehre.
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«Mir gefällt die heutige Ausrichtung des Betriebs», sagt Tochter Jasmin, «es dürften aber gerne mehr Kühe sein». Offizielle Gespräche über die Zukunft des Betriebs führen die Familienmitglieder bisher nicht. «Es eilt ja nicht», sagt der 55-jährige Betriebsleiter. «Die Chancen, dass der Betrieb innerhalb der Familie weitergeführt wird, stehen jedenfalls nicht schlecht.»
Betriebsspiegel Mühlehof
LN: 21 ha, davon 10 ha Ackerbau mit Weizen, Dinkel, Mais, Raps, Roggen
Spezialkulturen: 15 a Erdbeeren, 12 a Tafeltrauben und 70 a Grünspargeln für Direktvermarktung; 320 Hochstamm-Zwetschgenbäume für Brennereien
Tierhaltung: 14 Mutterkühe für Natura-Beef, 70 Legehennen, einige Zwergziegen
Arbeitskräfte: Betriebsleiter, während der Ernte einige Aushilfen aus der Region, Mithilfe der Familie
Weiteres: Im Winterhalbjahr arbeitet der Betriebsleiter in einer Forstgruppe