Der Himmel hängt trüb über dem kleinen Dorf Grolley FR, aber Junglandwirt Francis Bapst wirkt trotzdem aufgestellt. Mit der dunklen Kappe tief ins Gesicht gezogen führt der Freiburger Bauer in den Znüniraum seiner Lagerhalle. Es ist still an diesem Dienstag. Seine Angestellten würden Überzeit kompensieren, sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen. Derweil versucht er, die Nespresso-Kaffeemaschine anzuwerfen, vergebens. Geht es auch ohne Kaffee? Ja, sicher.

An diesem grauen Nachmittag sprechen wir über seine Kartoffel-Verarbeitungsstätte in Grolley, wie sein Grossvater «gebauert» hat und über die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft. Halb auf Französich, halb auf Deutsch. Die Sprache spielt bei solchen Gesprächen keine Rolle, der Konsens ist da, wir finden uns in der Mitte.

Engagieren geht auf viele mögliche Arten

Francis Bapst bezeichnet sich nicht als den geborenen Politiker. Dennoch ist es ihm wichtig, sich für die Schweizer Landwirtschaft einzusetzen. Er macht das auf seine Art, indem er sich in der Arbeitsgruppe der Verarbeitungsfirma Zweifel engagiert. Sein Ziel: Die Bedingungen der Produzentinnen und Produzenten verteidigen, wie er sagt.

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An der Schule kam ihm die Idee

Doch zuerst von vorn: Wer ist Francis Bapst und wie sah sein Weg zum Meisterlandwirt aus?

Für den jungen Mann eine klare Sache, wie er sagt. Sein Grossvater, sein Onkel und sein Vater waren alles Landwirte, deshalb haderte er bei der Berufswahl nicht. «Ich wusste immer, dass ich Bauer werden will.» Aber für ihn war ebenso schnell klar: In der Stallarbeit mit den Tieren liegt seine Leidenschaft nicht. Wenn es denn sein muss, hilft er seiner Freundin, die einen Milchwirtschaftsbetrieb betreibt. Er ist mehr der Anbauer, der Techniker und der Verarbeiter. 

Die Betriebsleiterschule, die er nach der Ausbildung zum Landwirt, einem Auslandsaufenthalt in Kanada und der Agrotechnikerschule angehängt hatte, zeigte ihm neue Möglichkeiten für den Familienbetrieb auf. So konzipierte er dann in der Ausbildung zum Meisterlandwirt einen Businessplan für die Verarbeitung von Industriekartoffeln. Heute ist der ganze Betrieb darauf ausgerichtet. Aus dem Schweinestall wurde eine Lagerhalle und aus dem Hühnerstall ebenfalls. In der Verarbeitungshalle in Cormagens, 5 Kilometer von Grolley entfernt, werden verschiedene Sorten gewaschen, teils geschält, geschnitten und 20 % der Ernte sechsmal wöchentlich direkt an verschiedene Kunden wie Restaurants, Kantinen und Läden geliefert. Der Rest der Ernte läuft über Frigemo und Zweifel.[IMG 3-4]

Schweinestall weg, Lagerhalle hin

Seit 2022 bewirtschaftet Francis zusammen mit seinem Vater den konventionellen Verarbeitungsbetrieb, offiziell übernehmen wird er 2027. Sein Onkel spaltete sich ab und bewirtschaftet einen angehängten Vieh-Betrieb. Zusammen kommen sie auf eine gemeinsame Rotationsfläche von 120 Hektaren und betreiben auch ein Lohnunternehmen mit All-in-one-Sämaschinen und Vollernte-Maschinen.

[IMG 5-6]Das Ziel von Francis war es in erster Linie, die Wertschöpfung auf dem Betrieb zu halten und die Produktion zu zentralisieren. Weil der Verarbeitungsbetrieb in einer «wenig produktiven Zone» liegt, war es relativ einfach, einen Damm für die Bewässerung zu realisieren. Die Offenheit des Kantons Freiburg half zudem dabei, bei der Planung vorwärts zu machen.

Angefangen hat der frischgebackene Meisterlandwirt dann mit drei Kunden. Danach stieg der Kundenstamm schnell – und die Kisten wurden immer grösser. Heute lagern sie eigene und auch fremde Kartoffeln und vermarkten die 400 Tonnen Kartoffeln mit rund fünf Vollzeitangestellten. «Et ça suffit», das genügt, wie er sagt. Mit im Team sind jeweils zwei Lernende, ein Festangestellter, der Vater von Francis und er selber. Er macht heute auch keine Werbung mehr für seine verarbeiteten Kartoffeln. Ihm ist es nach wie vor wichtig, dass das Produkt «artisanal» bleibt. Verkauft wird nur Frischware, gefrorene Kartoffeln werden aus Prinzip nicht angeboten.

Die Familie Bapst betreibt im Dörfchen Grolley einen 24-Stunden-Hofladen, in dem es ein wenig von allem hat. Brot, Gemüse, Getränke – und natürlich Kartoffeln. Seit der Pandemie läuft dieser Betriebszweig gut. Diebstähle mussten sie bisher zum Glück keine verzeichnen.

Freiwillig den Herbizid-Einsatz reduzieren

Und welche Projekte stehen in Zukunft an? Francis Bapst ist kürzlich der Agroimpact-Initiative beigetreten. Die Plattform unterstützt Landwirte und Landwirtinnen dabei, freiwillig eine CO-Bilanz zu erstellen, einen angepassten Aktionsplan umzusetzen, und so Klimaprämien sowie die sogenannte Clima-Cert-Bescheinigung verlangen zu können.

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Er will auf der Fläche mehr Kompost und Schweinegülle einsetzen und dadurch weniger synthetische Düngemittel. Den Herbizideinsatz will er ebenfalls reduzieren.

Auf seiner To-Do-Liste steht zudem die Erweiterung der bewässerbaren Fläche auf dem Betrieb. Bisher sind es 12 Hektaren. Dazu plant er, einen weiteren Damm zu bauen, aus dem das Wasser gespeist werden kann. Zudem ist es ihm wichtig, die Ertragskarten zu digitalisieren, damit er eine angepasstere Düngung vornehmen kann. Francis liebäugelt mit der Idee, neben Kartoffeln, Mais, Raps und Getreide Zwiebeln anzubauen. «Die Maschinen dazu hätten wir bereits und könnten sie so besser auslasten», sagt er.

Letztes Jahr lief gut

Letztes Jahr lief gut für ihn und seinen Betrieb. Auf den bewässerten Flächen waren die Erträge sehr gut, auf den nicht bewässerten Flächen gut, wie er sich zurückerinnert.[IMG 8-10]

Was dem jungen Mann zu schaffen macht, ist momentan der Tierseuchen-Druck – obwohl er selbst keine Tiere hält. Auch die Auswirkungen der Bilateralen III und des Mercosur-Abkommens spürt der Landwirt selbst in Grolley. Er macht sich gefasst: «Das wird die Grenzmauern brechen und den hiesigen Markt mit Billigware überfluten», vermutet er. Und wenn er links und rechts schaut, merkt er: Da verschwinden Berufskolleg(innen) von der Bildfläche. Betriebe werden aufgegeben. Er als Kartoffelproduzent und ‑verarbeiter befasst sich insbesondere mit der Leistung gewisser Sorten. Die Anforderungen steigen, nicht alle Sorten könnten diesen standhalten.

Er kämpft in seinen Ämtern dafür, dass die Landwirtschaft nicht zugunsten der Uhrenindustrie aufgeopfert wird. Er setzt sich insbesondere für den Kartoffelmarkt ein, weil er weiss, dass diese Produktion mit grossen Investitionskosten und entsprechend einem hohen Risiko verbunden ist. «Wir müssen den jetzigen Preis halten können.» Bislang ist er diesbezüglich noch positiv gestimmt, aber es gebe grosse Defizite, bei denen der Schweizer Markt genau hinschauen müsste, so Francis Bapst.