Es ist Freitagabend, für viele endet zu dieser Zeit der Arbeitstag. Nicht so für René Moser. Der IP-Suisse-Landwirt stapft durch den schweren Frühlingsschnee zu seinem einsatzbereiten Prinoth-Pistenfahrzeug. Seit 15 Jahren hat dieser Arbeitsrhythmus für Moser Tradition. Vom ersten Schneefall bis März ist er Teil der Pistenfahrer-Equipe des Berner Saanenmöser Skigebiets. Je nach Schneeverhältnis beginnt seine Schicht nach der letzten möglichen Talfahrt und endet, «wenn man halt fertig ist».
Und das kann dauern. Nicht selten dreht er den Schlüssel zur 500-PS-Maschine erst um 5 Uhr morgens wieder um. Wenn in der Nacht Schnee fällt, kann die Schicht auch erst um 3 Uhr morgens beginnen, weil die Skigebiet-Betreiber möglichst viel Schnee anhäufen lassen wollen, bevor sich die Kässbohrer-Pistenbullys und Prinoth-Pistenfahrzeuge an die Arbeit machen.
14 Maschinen sind im Einsatz
Die langen Nächte und das nächtliche Ausrücken machen dem aufgestellten Berner nichts aus – im Gegenteil, er brennt dafür, wie er sagt – und wie ihm auch anzusehen ist. So wie ihm geht es allen im rund 14-köpfigen Team, einige davon sind ebenfalls Landwirte. «Diese Jungs wollen einfach fahren, wollen einfach arbeiten.» Voraussetzung für die professionelle Bedienung des Pistenfahrzeugs ist eine entsprechende Ausbildung und der Besitz eines Autoführerausweises.
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6 Nächte am Stück auf der Piste
Während der Hochsaison macht René Moser normalerweise 6-Nächte-Einsätze. Gegen den Frühling hin, wenn die Arbeiten auf seinem Ackerbaubetrieb im Berner Aaretal wieder anlaufen, reduziert er seine Einsätze auf vier Nächte pro Woche.
Zusammen kommt die Equipe jede Nacht pünktlich um 20 Uhr zum Znacht in der Berghütte. Von allen Winkeln des Skigebiets machen sich die Pistenfahrzeuge dafür auf in Richtung Restaurant. Ein kurzer Schwatz, ein warmes Menü, Kaffee, und weiter gehts. «Für diesen Job muss man ein wenig der Perfektionist sein», sagt René Moser mit einem Schmunzeln auf den Lippen. «Gut ist für uns nicht gut genug – die Piste muss perfekt sein.»
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Der Magic Pass lockt die Leute ins Gebiet
Seit der Einführung des Magic Passes ziehe es wieder mehr Leute in das Skigebiet, was gut sei für die Region und den Kostendruck für die Instandhaltung des Gebiets wieder etwas reduziere.
«Es macht Spass zu wissen, dass man für Tausende von Leuten ein schönes Skifahr-Erlebnis gestalten kann.» Moser selbst ist lieber auf dem Pistenfahrzeug als auf den Ski.
Man würde vielleicht denken, eine breite Piste wäre arbeitsintensiver als eine schmale, aber dem ist nicht so. René Moser erklärt: Je breiter die Piste, desto einfacher die Präparierung, denn so hat man mehr Platz zum Ausgleichen als bei einem schmalen Pistenkanal. Die Fahrer beeinflussen die Qualität der Piste einerseits mit der Neigung und mit dem Winkel des Schilds sowie den sogenannten Ohren, an beiden Seiten des Schilds.
Pistenraupen fahren ist komplex
Auch manuell gesteuert werden die Fräse am Heck der Maschine und die Positionierung des Finishers, der die bekannten Rillen formt. Die Steuerung dieser Positionen erfolgt mittels Joystick in der rechten Hand. Die linke Hand steuert die Richtung der Maschine mittels Panzersteuerung.
Der rechte Fuss dosiert via Gaspedal das Tempo der Maschine, welche im Durchschnitt mit 10 bis 12 km/h und einem Verbrauch von 30 Liter Diesel pro Stunde unterwegs ist. Eine komplexe Angelegenheit, wie René Moser eingesteht.
Bei manchen Maschinen überwachen die Fahrer gleichzeitig die Schneetiefenmessung mittels «Snowsat» – einem satellitengestützten Messsystem. Auch der erfahrene Fahrer muss sich auf den für ihn bekannten Pisten gut konzentrieren, obwohl die Maschinenbedienung automatisiert scheint.
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Letzte Abfahrt heisst wirklich letzte Abfahrt
Besonders herausfordernd ist die nächtliche Arbeit auf den Pistenfahrzeugen, wenn sich nach Pistenschluss immer noch Personen auf der Piste befinden. Die Drahtseile der Seilwinden, die einige Pistenfahrzeugmodelle mit sich ziehen, können bis zu einer Breite von 40 Metern über die Piste hin und her bewegt werden.
In der Nacht – und auch bei Dämmerung – sind die Seile für den Laien unmöglich sichtbar. Zusammen mit der intensiven Spannung, die die Seile durch das Ziehen der 14-Tonnen-schweren Maschinen tragen, endet ein Zusammenprall zwischen Seil und Mensch meistens tödlich, wie René Moser leider weiss.
Das sind unheimliche Situationen, in denen sich die Fahrer befinden, wenn die Regeln der Skigebiete missachtet werden.
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«Das kann schon mal passieren»
Generell kann man sagen, dass die Arbeit an den steilsten und verschneiten Hängen der Schweiz nichts für ängstliche Menschen ist. In der Kabine des silbrigen Prinoths, welcher ihm diese Nacht zugeteilt ist, erzählt René Moser von seiner brenzligsten Situation in seiner Karriere als Pistenraupenfahrer.
So sei ihm einmal das Drahtseil der Winde gerissen und er mitsamt der Maschine einige Meter den Hang hinuntergerutscht. «Das kann schon mal passieren», fügt er trocken hinzu. Abgesehen von diesen Risiken, die dieser aussergewöhnliche Winterjob mit sich bringt, scheint er nichts anderes mit seiner Zeit machen zu wollen.
Beim Gedanken daran, heute seine letzte Nachtschicht der Saison anzutreten, wird er allmählich wehmütig.
Was will man mehr
Zuoberst auf dem Gipfel, bevor die Sonne hinter den Berner Alpen untergeht, atmet er noch einmal tief ein, macht ein Foto seiner Lieblingsmaschine und strahlt über das ganze Gesicht.
«Was wosch no meh», fragt er rhetorisch und klettert wieder in die geheizte Kabine, in der seine Schlagermusik auf ihn wartet. Jetzt geniesst er die letzten Stunden in der italienischen Prinoth noch – nächste Woche will er seine Industriekartoffeln setzen.