Ein ganzer Tisch ist frei im Konferenzsaal der Delegiertenversammlung des Schweizerischen Verbands der Zuckerrübenpflanzer (SVZ). Lediglich 38 Delegierte finden heute den Weg nach Bern. «Ich hoffe, unsere ferngebliebenen Zuckerrübenpflanzer sind nicht alle schon am Säen, sonst werden wir im Zweiblatt-Stadium mit dem Erdfloh zu kämpfen haben», scherzt Präsident Martin Flury am Anfang der Versammlung. Er blicke zurück auf eine gelungene Zuckerrübenernte, sagt er. Das Jahr sei gezeichnet gewesen von einem äusserst erfolgreichen Saisonverlauf mit perfekten Wetterbedingungen und einem geringen Schädlingsdruck mit stabilen Erträgen, führt Geschäftsführer Nicolas Wermeille weiter aus. «Das Szenario eines Rekordjahres blieb uns aber wegen der unvorhersehbaren Stilllegung der Fabrik in Frauenfeld verwehrt», so Wermeille. Das mittelfristige Ziel bleibt bestehen: «Wir wollen die Selbstversorgung mit Schweizer Zucker über die Marke von 50 % hinaus steigern», so das Votum des Geschäftsführers.
Nach Zuckerrüben kein Getreide: «Ein Zwang funktioniert nicht»
Aus der Basis und getragen vom Verband Thurgauer Landwirtschaft und vom Schaffhauser Bauernverband folgt an der Delegiertenversammlung ein Antrag zum Thema Fruchtfolge. Die Umsetzung der Empfehlung, nach Zuckerrüben kein Getreide anzubauen, sei in der Praxis zwar schwierig, aber notwendig. Die Produzenten sollten vermehrt auf den Verzicht auf Getreide nach Zuckerrüben achten, wie Produzent Adrian Tanner an der DV vermittelt. Andreas Keiser von der Hochschule für Agrar-, Forst-, und Lebensmittelwissenschaften anerkennt diese Besorgnis des Zuckerrübenpflanzers aus der Ostschweiz und betont in diesem Zusammenhang, dass die Erkenntnisse aus der Forschung dazu eindeutig sind. Das Eindämmen der Glasflügelzikade – und in der Folge von SBR – sei momentan «der Weg», so der Wissenschaftler. Er empfiehlt nach Zuckerrüben eine Zwischenbegrünung wie Wintererbsen, Chinakohl, Brassicaceae, UFA Lepha, Perserklee-Phacelia oder das Anlegen einer Schwarzbrache.
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Auf die Frage, um wie viel Prozent die Getreidefläche nach Zuckerrüben denn sinken müsse, damit ein Effekt eintrifft, findet Andreas Keiser klare Worte. Auch wenn der Nachbar nicht mitmacht, sei es wichtig, diese Fruchtfolge-Massnahme zu treffen – vor allem, wenn man selbst auch Kartoffeln anbaue, so Keiser. An der DV wird der Antrag zwar abgelehnt, aber er regt in der Runde dennoch zu intensiven Diskussionen an. Der Vorschlag von Andreas Keiser in diesem Zusammenhang: Nicht strafen, sondern belohnen. Also: eindämmende Fruchtfolgemassnahmen finanziell fördern, statt Getreide nach Zuckerrüben zu verbieten.
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Luzi Schneider übergibt Geschäftsführung der Fachstelle an Sarah Schütz
Martin Flury schreitet weiter zur Verabschiedung von Simon Häfeli, Geschäftsführer des Rübenumschlags Mittelland, sowie Ehrenmitglied Pierre-Alain Epars aus Penthalaz im Kanton Waadt. Ebenfalls an der DV verabschiedet werden Luzi Schneider, der die Geschäftsführung der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenanbau an die ETH-Agronomin Sarah Schütz abgibt. Ebenfalls verabschiedet wird Helene Schallberger-Peter.
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Entschädigung für Produzenten: «Die Bauern hängen in der Luft»
Auch die versprochene Entschädigung für die Produzenten, die aufgrund des Ofenausfalls in Frauenfeld TG ihre Rüben erst vor wenigen Wochen abgeben konnten, gibt zu reden. Aus dem Publikum erklingt der Appell, dass diese angemessen sein soll. «Die Vorstellung der Bauern entspricht nicht unbedingt derjenigen der Zuckerrübenfabrik», so eine Beobachtung eines Delegierten. Ein zweiter Delegierter unterstützt diese Aussage und betont, dass gewisse Bauern immer noch «in der Luft hingen». Die Produzenten bräuchten mehr Informationen, so die Bitte des Praktikers.
Oliver Nussli, CEO der Schweizer Zucker AG, ergreift darauf das Wort und fasst die Geschehnisse der letzten drei turbulenten Monate zusammen. Trotz des Ausfalls des Kalkofens in Frauenfeld betont Nussli das verarbeitete Plus von 500 000 Tonnen Zuckerrüben. «Wir verzeichnen 2025 einen Ertrag von 90t/ha, 2024 betrug der Ertrag 68t/ha», so der CEO.
Wie geht es in Frauenfeld weiter? «Das Fundament ist gegossen. Ab Anfang September soll der Ofen wieder industriell laufen», sagt Oliver Nussli weiter.
«Wir können noch keine Zahlen nennen»
Auch Andreas Blank, Präsident der Schweizer Zucker AG, kommt auf die versprochene «faire Entschädigung» zu sprechen. Die Versammlungen seien am Laufen. «Wir können noch keine Zahlen nennen», so Blank. An der Mitgliederversammlung am 27. März 2026 wird die SZU mehr dazu sagen können. Mehr zu schaffen mache der Zuckerfabrik der tiefe Zuckerpreis, so Blank. «Wir hängen am EU-Zuckermarkt, nicht am Weltzuckermarkt», ruft Blank in Erinnerung. Der Konflikt im Nahen Osten könnte, so absurd es klingt, dazu beitragen, dass der Zuckerpreis in Europa steigt, weil generell die Energiekosten stiegen, wie Blank erklärt.
Wie sieht der Anbau 2040 aus?
Nicolas Wermeille gibt an der DV einen Einblick in die Strategie der Zuckerrübenproduktion der Zukunft. Dabei will der Verband vermehrt integriert denken, wie er sagt. Man wolle weder zu intensiv noch zu extensiv arbeiten.