Im Hinblick auf die Maschinenauslastung rückt einige Wochen vor der Maissaat das Thema Reihenabstand bei der Hackfrucht ins Zentrum. Dabei geht es um die Reduktion von den bisher genormten 75 Zentimetern hinunter auf 50. Der Forschungsbetrieb Swiss Future Farm in Tänikon TG hatte letzte Saison gemeinsam mit dem Lohnunternehmen von Philipp Hanhart auf einer 3,87-Hektar-Parzelle einen entsprechenden Versuch angelegt. Das Team untersuchte zusätzlich drei unterschiedliche Saatstärken: 75 000, 85 000 und 95 000 Körner pro Hektar. Ein weiterer Parameter war das Unkrautmanagement (mechanisch und chemisch).

Es zeigte sich ein positiver Nebeneffekt

Die Hypothese der Untersuchung auf der Swiss Future Farm: Engere Reihen würden den Boden besser ausnutzen, die Konkurrenz in den Reihen zwischen den Pflanzen reduzieren und so höhere Erträge bringen. Gleichzeitig soll die Verteilung gleichmässiger sein und so den Standraum der Einzelpflanzen optimieren. Florian Bachmann von der Swiss Future Farm betont jedoch, diesen Effekt bisher nicht statistisch messen zu können. Er erklärt: Bei identischer Saatstärke bleibt mehr Platz in der Reihe, beziehungsweise die Saatstärke könnte erhöht werden und man hat keinen kleineren Abstand (in der Reihe) als bei 75 cm. Der Abstand zwischen der Reihe ist dafür ja eben um 25 cm kleiner. «Untersuchungen zeigen aber, dass der Durchwurzelungsindex dann besser ist, also dass die 75 cm zwischen den Reihen gar nicht unbedingt voll erschlossen werden von den Wurzeln», so der Fachmann.

Ein Hackgerät für alles

Der theoretische, positive Nebeneffekt der Umstellung auf Mais in 50-Zentimeter-Reihen: Praktiker sehen mit der Anpassung des Reihenabstands eine Erhöhung der Maschinenauslastung, da der Säabstand so demjenigen von Raps, Zuckerrüben und Sonnenblumen entspricht. Florian Bachmann erklärt die Theorie dahinter: Wenn man nur noch einen Reihenabstand wählt, darf das genutzte Hackgerät dafür «teurer» sein bzw. z.B. mit einer Kamera/Reihenerkennung ausgestattet sein.

Trotz der agronomischen Vorteile, die eine Umstellung bringen würde, würde sich Bachmann Stand heute bislang nicht auf die Äste herauslassen: «Die Korrelation von Pflanzdichte und Ertrag ist nicht eindeutig, vor allem bei 75 cm», so Bachmann. «Ich hoffe, hier dieses Jahr einen besseren Zusammenhang festzustellen. Ein anderer Reihenabstand könnte zu einer anderen idealen Saatstärke führen, eine klare Aussage kann ich so aber aktuell nicht machen», führt er aus. 

[IMG 2]

Praktisch keine Ertragsunterschiede

Wie wirkt sich dieser angepasste Reihenabstand also im Feldversuch aus? Nach der Ernte im November 2025 zeigten sich laut dem Projektmanager praktisch keine Ertragsunterschiede. Die Streifen mit 50 cm Reihenabstand brachten im Durchschnitt 2,5 Prozent weniger Ertrag als die klassischen 75-cm-Reihen. Bachmann ordnet dieses erste Resultat folgendermassen ein: Mais-Felder mit 50-Zentimeter-Abstand könnten zwar mit einem 75-er Gebiss geerntet werden, die Qualität fällt somit allerdings schlechter aus, als wenn für die Ernte ein entsprechendes 50-Zentimeter-Gebiss verwendet würde. «Passen Gebiss und Reihenabstand - egal welcher Reihenabstand - ist die Qualität gut, nur beim Mischen dieser Abstände und Gebisse entsteht Verlust», so der Projektleiter.

Bachmann vermutet auch, dass dieses Resultat des ersten Versuchs mit der Auslegung des Feldversuchs zu tun hat. Die 75-cm-Streifen hätten zufällig mehr Fläche in produktiveren Zonen als die 50-cm-Streifen. Im grundsätzlich guten Ackerbaujahr 2025, in dem die Kulturen kaum mit erschwerten Umweltbedingungen zu kämpfen hatten, liessen sich also kaum Unterschiede feststellen, so sein Zwischenfazit.

In einem trockenen Jahr vermutlich ausgeprägtere Ergebnisse zu erwarten

Damit sei die Geschichte aber noch nicht zu Ende, wie er sagt. In trockenen Jahren könnte ein engerer Reihenabstand seine Wirkung zeigen, vermutet er. Denn durch den schnelleren Reihenschluss verdunstet weniger Wasser und die Pflanzen konkurrenzieren weniger um Nährstoffe, so die Theorie. Dieses Jahr wird die Swiss Future Farm den Versuch auf einer Parzelle von Philipp Hanhart wiederholen, um mehr Ergebnisse zu sammeln. Letztes Jahr setzten die Versuchsleitenden eine Monosem-Einzelkorn-Sämaschine ein. Der Lohnunternehmer Philipp Hanhart hat in der Zwischenzeit nun eine Amazone ED angeschafft, die dieses Jahr zum Einsatz kommen wird.

Im Bericht des Strickhofs betont Anna Brugger, die Versuchsbetreuende des Krummenacher-Versuchs, dass die Aussagekraft begrenzt sei, da die Auswertung lediglich auf einem Erntejahr basiert. Praxisrelevante Empfehlungen seien zurzeit noch schwierig abzuleiten, so Brugger.

Aussaat muss präzise sein

Florian Bachmann von der Swiss Future Farm sagt gegenüber dem «Thurgauer Bauer»: Wer ohnehin über eine neue Sä- oder Hacktechnik nachdenkt, sollte den engeren Abstand in Betracht ziehen. Gerade, weil moderne Erntemaschinen engere Reihenabstände problemlos verarbeiten könnten. Bachmann betont aber, dass die Aussaat präzise sein müsse, um die höheren Pflanzenzahlen in engeren Reihen zu erreichen.

[IMG 3]

System Krummenacher mit Doppelscheibenschar statt Einzelkorn-Sämaschine?

Auch das Forum Ackerbau beschäftigt sich mit dem Thema Reihenabstand. Ein weiteres Ziel des dreijährigen Versuchs, der 2025 gestartet ist, ist neben der Ausgleichung des Standraums, der Ertragssteigerung und der Maschinenauslastung die Reduktion der Aussaatkosten mit dem Einsatz eines Krummenacher-Scharsystems im Vergleich zur häufigen Einzelkornsaat durch einen Lohnunternehmer. Der ÖLN-Versuch an sechs Standorten untersucht die Auswirkung der unterschiedlichen Standraumverteilungen und Reihenabstände auf Ertrag und Futterqualität. Die Sorte und Düngung erfolgen in diesem Versuch betriebsüblich. Die Ziel-Saatstärke beträgt 9.5 Körner/m². Der Versuch vergleicht vier Verfahren:

  • klassische Einzelkornsaat mit 75 cm Reihenabstand
  • Krummenacher-Verfahren Standard 75 cm
  • Krummenacher-Verfahren 50 cm Reihenabstand
  • Krummenacher-Verfahren mit Doppelreihen mit 62.5 cm Abstand zwischen den Doppelreihen.

Marco Ruf, von der Krummenacher Saattechnik AG in Dietwil AG, führt den Versuch mit den drei Krummenacher-Verfahren durch. Für ihn ist es nach dem ersten Versuchsjahr zu früh, handfeste Empfehlungen für die Praxis abzugeben. Seine erste Erkenntnis aus dem Versuch: Die Bewirtschaftung ist für gute Maiserträge relevanter als der Reihenabstand. Auch Anna Brugger, die Versuchsbetreuerin am Standort Strickhof, betont, dass die Aussagekraft der bisherigen Resultate sehr klein ist. Handfeste Ergebnisse könnten erst im Winter 2026 publiziert werden, so die Bereichsleiterin Pflanzenbau und Agrartechnik am Strickhof.

[IMG 4]

Schnell fahren geht nicht

Für den Saattechniker Marco Ruf ist aber bereits klar, dass die Umstellung auf 50 Zentimeter Reihenabstand mit einer Drillkombination tendenziell für intensive, ackerbaulastige Betriebe interessant sein könnte. Der Sätechnikhersteller in Dietwil bietet dafür dieselbe Drillkombination an, die auch für die Getreide-, Gras- oder Rapssaat eingesetzt wird. Speziell für die Maissaat ist das sogenannte Maisset, das über eine neue Schartechnik mit verstellbaren Scharen verfügt. Krummenacher betont, dass das Set als kostengünstige Ergänzung im Vergleich zu einer Einzelkornsämaschine zu betrachten ist. «Für Lohnunternehmen, die schnell fahren müssen, ist diese Variante nicht optimal, da die Saat mit der Doppelscheibenschar-Sämaschine weniger präzise ist als mit der Einzelkornsämaschine», so Marco Ruf. Betriebe, die sich bereits für diese Lösung entschieden hätten, nannten in erster Linie das verminderte Gewicht sowie die erhöhte Autonomie in Bezug auf den Saatzeitpunkt als Kaufgründe für das Maisset.

Es ist eine grosse Umstellung

«Wenn Betriebe neben Mais auch Raps, Soja, Zuckerrüben oder Getreide selbst säen, könnte ein Umsatteln sinnvoll sein», so der Fachmann. Für reine Futterbaubetriebe, die nur wenige Hektaren Silomais für den Eigengebrauch anbauen, ist die Reduktion des Reihenabstands weniger interessant. Dies, weil neben der angepassten Erntetechnik und dem Radstand auch das Hackgerät in die schmalereren Reihen passen muss, so Krummenacher. «Für die Ernte von Silomais ist das weniger ein Problem, aber Körnermaisgebisse, die auf 50 Zentimeter ernten, sind zwar verfügbar, aber auf dem Markt nicht verbreitet», weiss Marco Ruf.

Auf dem Versuch der Swiss Future Farm setzt der Lohnunternehmer Hanhart ein entsprechendes 50-er-Maisgebiss ein, allerdings erlangt man so nicht dieselbe Arbeitsqualität wie mit den 75-er Gebissen, wie Bachmann sagt.

Marco Ruf ist sich bewusst: Zweigleisig fährt niemand. Entweder Betriebe stellen ihre ganze Technik vollständig auf 50 Zentimeter um oder sie bleiben bei den klassischen 75 Zentimetern mit einer Einzelkornsämaschine. «Biobetriebe, die auf die mechanische Unkrautregulierung mit dem Hackgerät angewiesen sind, werden auf den 75 Zentimetern bleiben», vermutet Krummenacher.