Ulrich Lossie beschäftigt sich seit 30 Jahren mit Mineraldünger, genauer mit der optimierten Verteilung dieser Produkte auf dem Feld. Er ist an der Deutschen Lehranstalt für Agrartechnik (Deula) in Nienburg für Agrartechnik, Pflanzenproduktion und neue Energie zuständig. Zudem führt er einen 87-ha-Ackerbaubetrieb im Nebenerwerb. «Daher weiss ich, was man als Landwirt umzusetzen bereit ist – und was nicht», hält Lossie fest. Im Mai gibt er zwei Agridea-Kurse zum Thema «Düngersteuer einstellen für Profis». Wir haben im Vorfeld mit dem Fachmann darüber gesprochen, warum das auch für Schweizer Landwirt(innen) relevant sein könnte.

Herr Lossie, wie kamen Sie ursprünglich dazu, sich mit der optimalen Verteilung von Mineraldüngern zu befassen?

Ulrich Lossie: Das Ziel der Deula Nienburg sind die landtechnische Ausbildung und die Optimierung der Landtechnik in der Praxis. Wir haben vor 30 Jahren festgestellt, dass auf den Betrieben betreffend Düngersteuer einiges verbessert werden kann.

Wo liegt dieses Verbesserungspotenzial?

Die Menge Mineraldünger, die pro Hektare ausgebracht wird, entspricht in der Regel dem, was vorgesehen war. Das Problem liegt aber in der Querverteilung. Daher haben wir Kurse gestartet, in denen die Landwirte ihre Geräte überprüfen lassen können und üben, sie optimal einzustellen. Angefangen haben wir in Niedersachsen, dann gab es Kurse in anderen Teilen Deutschlands, mittlerweile auch in Österreich und eben demnächst in der Schweiz.[IMG 4]

Sind Düngerkörner auf Feldwegen und angrenzenden Strassen ein typisches Zeichen schlechter Querverteilung?

Ja, das ist ein Indiz, dass bei der Einstellung des Streuers etwas nicht stimmt. Es lässt sich durch eine optimierte Grenzstreuung verhindern – denn so etwas soll und darf es nicht sein. Es geht um Geld, die Umwelt und auch ums Image der Landwirtschaft nach aussen.

Sie sagen aber, es geht auch um Ertrag und Qualität?

Genau. Typisch ist das, was ich als «Streifenkrankheit» bezeichne. Im Feld hat es streifenweise mal zu viel und mal zu wenig Dünger. Bis zu einem Unterschied von +/- 20 Prozent der durchschnittlichen Düngermenge sieht man optisch kaum etwas, es hat aber bereits einen Einfluss auf Erträge und die Qualität. 

Man sieht es dem Bestand nicht an?

Handelt es sich um P-, K- oder Mg-Dünger, dann nein. Auch bei mineralischem Stickstoffdünger zeigen sich die Unterschiede in der Querverteilung erst ab +/- 20 Prozent im Vergleich zur Durchschnittsmenge und ausserdem nur bei der ersten und zweiten Gabe.

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Die dritte Gabe wäre aber für die Kornfüllung und Qualität entscheidend. Fallen die Unterschiede auch auf Ertragskarten von Mähdreschern nicht auf?

Meist nicht, weil man dort eher nach Flecken statt nach Streifen Ausschau hält. Erwartet werden fleckförmige Ungleichheiten aufgrund verschiedener Bodeneigenschaften. Wenn man aber darauf achtet, sind die Streifen durch ungleichmässige Düngung durchaus sichtbar.

Was kann man konkret tun, um den Dünger gleichmässiger zu streuen?

Es ist wichtig, den Streuer passend zur Düngerqualität und der Witterung einzustellen. Meist ist das eine einfache Sache. Aber als Landwirt muss man wissen, wie man Fehler messen kann und das auch üben. Es geht darum, zu zeigen, wie jeweils reagiert werden kann. Solange der Dünger eine annehmbare Qualität hat, gibt es beim Streuer Möglichkeiten dazu.

Reichen die Streutabellen der Gerätehersteller nicht, um die Streuer richtig einzustellen?

Diese Tabellen werden in einer geschlossenen Halle und mit dem Dünger erstellt, der zu dieser Gelegenheit eben gerade geliefert wurde. Die Düngerqualität – sprich die Körnung, Unterschiede in der Korngrösse, ihre Feuchtigkeit usw. – unterscheidet sich aber je nach Charge, Witterung bzw. Luftfeuchtigkeit, wie der Dünger gelagert oder bewegt worden ist. Es steht auch bei jeder Streutabelle im Kleingedruckten, dass der Düngerstreuer eine Kalibrierung braucht.

Wie geht man dafür vor?

Vor jedem Start sind die wichtigsten Bauteile auf Verschleiss und Funktion zu prüfen. Zur Grundeinstellung gehören Höhe und Neigung. Die Querverteilung sollte sowohl an der Feldgrenze als auch im Feldinnern mit Matten oder Schalen beurteilt und die Wurfintensität entsprechend der Korngrösse angepasst werden. Grosse Düngerkörner fliegen weiter als kleine – das gilt es zu berücksichtigen. Sonst ist es so, als wollte man einen Handball auf dieselbe Weise werfen wie einen Basketball.

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Wie lange dauert es, den Düngerstreuer vor dem Einsatz optimal einzustellen?

Fürs Kalibrieren rechne ich je nach System mit 5–40 Minuten Zeitaufwand.

Wie oft müsste das gemacht werden?

Wenn man mit demselben Dünger drei Gaben fährt, reicht ein einmaliges Optimieren mit zusätzlich einer allfälligen alltäglichen Schnellmessung von 5 Minuten Zeitaufwand. Sind es aber sieben verschiedene Düngemittel, braucht es auch sieben Messungen und Kalibrierungen. Die grossen Betriebe, z. B. in Sachsen, messen in der Düngesaison täglich.

Lohnt sich der Aufwand auch für kleine Betriebe, wie in der Schweiz?

Weil Qualität und Ertrag steigen, ist das hochgradig wirtschaftlich. Wir haben einen theoretischen Stundenlohn von – je nach Einsatzfläche – 90–9000 Franken errechnet für das Aufstellen von Messschalen zur Beurteilung der Querverteilung. Ich würde sagen, es lohnt sich immer.

Kann das ein moderner Düngerstreuer nicht selbst?

Eine schlechte Querverteilung tritt nach unserer Erfahrung in der Praxis bei allen Streuertypen auf, unabhängig von Hersteller, Grösse oder Alter. Die Assistenzsysteme moderner Düngerstreuer messen neben der Ausbringmenge pro Hektare auch, wie die Körner abfliegen – aber nicht den Landepunkt. Dafür braucht es nach wie vor die Kalibrierung z. B. mithilfe von Matten. Ein ganz neues Modell von Amazone hingegen hat an der Agritechnica letztes Jahr eine Silbermedaille gewonnen: Es ist der erste Düngerstreuer, der sich selbst einstellen kann. Aktuell sind nur wenige Maschinen in einer Vorserie auf dem Markt, die kosten aber rund 45 000 Franken.

Was werden Sie den Teilnehmenden der Agridea-Kurse vermitteln?

Die Teilnehmenden können ihre Düngerstreuer von einem Profi durchchecken lassen und erhalten eine Prüfplakette sowie ein Messprotokoll zur Dokumentation. Weiter geht es um die Beurteilung von Düngerqualitäten: Worauf bei der Bestellung zu achten ist und wie man sie selbst messen kann. Die Optimierungen zur Verteilgenauigkeit zeigen wir mit vier verschiedenen Messsystemen auf dem Feld, damit die Landwirt(innen) später dasjenige auswählen können, das für ihren Betrieb am besten passt.   

Kurse Anfang Mai 2026

Agridea veranstaltet Anfang Mai zwei Kurse mit Ulrich Lossie:

Anmeldeschluss ist jeweils der erste April.