Die ehemaligen Schüler des landwirtschaftlichen Bildungszentrums Grangeneuve sind modern und auf den sozialen Medien aktiv. An der 128. Generalversammlung der Vereinigung, am 13. März 2026, gab der Präsident Claude Clément bekannt, dass der Verein auf Instagram unter anciens_eleves_grangeneuve zu finden ist.
Vor einem vollen Saal führte Clément souverän zweisprachig durch die Traktanden. Der Verein hat 1686 Mitglieder und war früher in verschiedene Regional-Sektionen aufgeteilt. Auf diese Generalversammlung hin haben sich aber die zwei letzten Sektionen, Broye und Glâne aufgelöst und ihre Konten dem kantonalen Verein überwiesen.
Die zwei letzten Regionalsektionen wurden aufgelöst
Der Vorstand des Vereins war im letzten Jahr wie immer aktiv bei der Rekrutierung neuer Mitglieder. Die Schulabgänger wurden von den Vorstandsmitgliedern in den Klassen besucht und zum Beitritt aufgefordert. Einundvierzig neue Mitglieder konnten so aufgenommen werden. Die Vereinsrechnung schliesst mit einem bescheidenen Gewinn ab und wurde von der Versammlung, genauso wie das Budget und das neue Spesenreglement, genehmigt. Seit dem 31. Dezember 2025 ist der Verein nicht mehr Mitglied beim freiburgischen Bauernverband Agri-Fribourg.
Am 6. August wird die diesjährige Vereinsreise die Teilnehmer an den Rheinfall, zu einem Hopfenbetrieb und in eine Brauerei führen. Die deutschsprachigen Vereinsmitglieder können am 14. November die Zuckerfabrik Aarberg besichtigen.
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Das ungelöste Geheimnis des Findlings von Grangeneuve
Nach den Ehrungen der langjährigen Mitglieder kam in der Diskussion die Frage auf, was mit dem Findling-Stein passiert sei. Zur 125. Jahrfeier der Schule wurde im Jahr 2013 ein Ginkgobaum gepflanzt, der Langlebigkeit und Widerstandskraft symbolisiert, dazu enthüllten ehemalige Schülerinnen und Schüler von Grangeneuve eine Gedenktafel, die den Findling beim Haupteingang zierte. Bei der Umgestaltung der Umgebung verschwanden Stein und Tafel spurlos. Direktor Pascal Toffel antwortete darauf, der Stein bleibe zwar verschwunden, dass aber eine Kopie der Gedenktafel im Foyer des Gebäudes angebracht wurde.
Der Präsident gab, als Datum für die nächste Generalversammlung, den 12. März 2027 bekannt. An diesem Anlass wird Anne Challandes, die Präsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes, ein Referat halten.
Die ehemalige Schülerin von Grangeneuve, Rahel Suter, nahm die Zuhörer mit auf ihre Reise und ihr Praktikum in Neuseeland. Auf der Praktikums-Farm stehen 850 Milchkühe und 300 Masttiere. Der Betrieb hat eine Betriebsfläche von 595 Hektaren.
60er-Melkkarussell, Milchhygiene und virtuelle Zäune
Die junge Berufsfrau erlebte die Abkalbe-Saison während des neuseeländischen Winters. Gemolken wird in einem Karussell mit Platz für 60 Kühe, das sich einmal in acht Minuten dreht; pro Minute musste sie also sieben bis acht Tiere an der Melkmaschine anhängen. Euter-Reinigung liegt da nicht auch noch drin, entsprechend sah der Milchfilter jeweils aus. Darum hat Rahel Suter während der ganzen Zeit in Neuseeland keine Milch getrunken! Die neuseeländische Milch wird grösstenteils zu Pulver verarbeitet; das Milchpulver wird nach China exportiert.
Für die Milch erhält der Betrieb, gemäss Frau Suter, zurzeit ungefähr 59 Rappen pro Kilo. Die Herden sind auch im Winter draussen, wenn es schneit, müssen sie das Futter unter dem Schnee freikratzen. Neben Gras werden auch Herbstrüben angebaut, diese dienen der Weide-Winterfütterung. Fasziniert war Rahel Suter vom virtuellen Zaunsystem (ganz ohne echte Zäune), das über die Halsbänder der Kühe funktioniert.
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Die freiburgischen Bauern sind sehr leistungsfähig
Francis Egger, ehemaliger Direktor von Grangeneuve und ehemaliger Vize-Direktor des schweizerischen Bauernverbandes SBV, ging in seinem Referat auf die aktuelle und die zukünftige agrarpolitische Situation der freiburgischen Landwirtschaft ein.
Der Kanton Freiburg hat in der Schweiz überdurchschnittlich grosse und viele Vollerwerbsbetriebe, den höchsten Mastpoulet-Bestand pro Hektare und auch überdurchschnittlich hohe Milchleistungen pro Betrieb. Die Spezialkulturen spielen im Kanton eine wichtige Rolle (vor allem im Seeland). Interessant findet Egger, dass die gleichbleibende Abnahmekurve der Anzahl Betriebe, durch die verschiedenen Agrarpolitiken der letzten dreissig Jahre, kaum beeinflusst wurde.
Die Herausforderungen der Zukunft liegen laut Egger bei einer genügend grossen und gut ausgebildeten Betriebsleiter-Nachfolge. Aber auch in der Spezialisierung und bei der Bereitstellung von genügend Kapital, um die immer grösseren Investitionen der Bauernbetriebe tätigen zu können.
Als Konsultant hilft Egger mit, den in Schieflage geratenen Bauernverband Agri-Fribourg wieder auf Kurs zu bringen. Die Folgen eines Kollapses von Agri-Freiburg wären katastrophal. Francis Egger rief in den Saal: «Ici c'est Fribourg! Wir werden eine Lösung finden, und in drei Jahren haben wir den besten Bauernverband der Schweiz.»