Nationalrätin Katja Riem, die Präsidentin der Vereinigung der Gemüseproduzenten der Kantone Bern und Freiburg, begrüsste die 35 stimmberechtigten Mitglieder und die Gäste an der 87. Generalversammlung am 20. März 2026, am Inforama Seeland in Ins. In ihrem Eingangsreferat ging sie auf den stetigen Wandel und die Herausforderungen der Branche ein.
Geschäftsbericht bietet Zündstoff gegen Grossverteiler
Peter Herren, der Geschäftsführer, war früher Gemüseproduzent und Direktlieferant. Bei Gemüse-Themen weiss er darum genau, wovon er spricht. Herren nahm in seinem Jahresbericht Bezug auf die Tiefpreisstrategie der Migros, die einen grossen Druck auf die Produzentenpreise auslöste.
Einige Produzenten sind überzeugt, dass die Migros ihre Marktmacht missbräuchlich ausnutzt, um die Preise zu drücken. Darum beauftragte der Vorstand die Organisation Faire Märkte Schweiz (FMS), diese Behauptung abzuklären. FMS interviewte daraufhin zwölf Betriebsleiter zur Situation und listete die Probleme auf. Dabei kam heraus, dass auf Stufe Grossverteiler die Lieferanten eine Abhängigkeit von zum Teil über 70 % haben.
Darum fallen die Grossverteiler Migros und COOP unter das Kartellgesetz. Der regionale Gemüsehändler, der sehr kreativ wurde bei Abgaben, die er von seinen Lieferanten verlangt, fällt hingegen nicht darunter.
Kartelle, Monopolisten und Aktionen bereiten Probleme
Ein grosses Problem sind die Aktionen, die von den Grossverteilern nicht mehr dann eingeplant werden, wenn viel Gemüse am Markt ist. Solche Aktionsplanungen fallen auch nicht unter das Kartellgesetz und müssten darum von der Politik geregelt werden.
Unfair ist es auch, wenn die Grossverteiler die Ware im Laden billiger verkaufen, als sie diese eingekauft haben. Oftmals wird Labelware nicht mit Labelpreisen bezahlt, was eine missbräuchliche Handlung ist. Fixpreise sind ebenfalls ein grosses Problem. Bei den Gebinden ist die Firma IFCO ein Monopolist und verursachte mit ihren Preisen einen Kostenanstieg.
Mit Faire Märkte Schweiz einen grossen Erfolg verbucht
Die geplanten Rückvergütungen von Coop, wurden von der GVBF an FMS gemeldet. Diese hat sie dann, zusammen mit einer Journalistin, veröffentlicht und der Wettbewerbskommission gemeldet. Daraufhin hatte COOP diese Massnahme zurückgezogen – nicht zuletzt weil das öffentliche Bewusstsein für Marktmissbrauch gestiegen ist.
Da diese Themen die Gemüsebauern in der ganzen Schweiz betreffen, gab die GVBF die Dossiers an den VSGP (Verband Schweizerischer Gemüseproduzenten) zur Weiterverfolgung ab.
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Der Gemüsepfad heisst neu «Erlebnisgarten Seeland»
Verschiedene Routen für Velofahrer und Wanderer sind, wie beim bisherigen Gemüsepfad, in der Region Kerzers vorgesehen. Neu in Zusammenarbeit mit Schweiz Mobil. Thomas Wyssa stellt das Projekt vor. Die Idee dahinter ist so formuliert: «Gemüse soll in Zukunft nicht nur Nahrungsmittel sein, sondern mit Genuss und Erlebnis verbunden werden.»
Die Eröffnung ist für 2027 geplant. Zu den Projekten für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing gehört auch die Sonderschau Gemüse an der BEA 2027.
Stollen der Groupe-E weckt Befürchtungen
Sorgen bereitet den Gemüsebauern auch das Projekt SCHEM der Groupe-E, der geplante Stollen vom Schiffenensee in den Murtensee. Befürchtet werden höhere Wasserstände im Grossen Moos und weniger gute Bewässerungsmöglichkeiten entlang der Saane.
Simone Meyer vom VSGP informierte über die AP 2030+ und sprach dabei von der neuen PSM-Verordnung. Es ging auch um die Notfallzulassung für Pflanzenschutzmittel (PSM). Eine Bearbeitungszeit von bis zu vier Monaten sei normal, darum würden die Anträge schon im Vorjahr gestellt. Seit dem 1.12. 2025 sind die Anfragen zudem kostenpflichtig.
Pflanzenschutzverordnung und neue Düngungsnormen
Die Grundlagen für die Düngung (GRUD) werden angepasst und neue Düngungsnormen werden eingeführt. Alle Produzenten sollten sich rechtzeitig mit diesem Thema befassen. Der Einsatz von Kompost im Gemüsebau wird von der neuen Organisation «Kompost und Gemüse Seeland» untersucht. Die Organisation kümmert sich um Analysen und die Bewertung von Kompost, und auch um die möglichen Gefahren.
Am Schluss der Veranstaltung wurden drei junge Männer und drei ältere Herren für ihre Leistungen geehrt.
Ehrungen für besondere Leistungen
Ernst Mäder hat das gesamte Filmarchiv der GVBF digitalisiert und so für die Nachwelt gesichert. Kurt Schwab unterhält den Gemüsepfad und seine Wegweiser. Fredi Schwab war seinerzeit die treibende Kraft hinter dem Bundesgerichtsurteil über die Gewächshauskulturen.
Die Gemüsebörse erstellt das wöchentliche Richtpreisbulletin für Gemüse.
Vor der Generalversammlung der Gemüseproduzentenvereinigung Bern Freiburg (GVBF) hielt die Gemüsebörse BE FR SO ihre jährliche Hauptversammlung am 20. März 2026 in Ins ab. Die Gemüsebörse ist die einzige Organisation, die Produzentenpreise publiziert. Im Seeland wird wöchentlich die Angebots-, Nachfrage- und Marktsituation der Gemüse erörtert.
Das Ergebnis der Besprechungen findet seinen Niederschlag im Seeländer-Richtpreisbulletin. Diese Preise sind nicht verbindlich, da sie unter bestimmten Bedingungen täglich ändern können. Als neuer Vizepräsident wurde Adrian Meuwly gewählt. Der Vorstand schlug der Versammlung vor, die an der Preissitzung anwesenden Mitglieder des Handels ebenfalls zu entschädigen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen.
Präsident Stefan Wyss (der Leiter der Fachstelle Gemüsebau am Inforama Ins) führte durch die Versammlung. In seinem Bericht sagte er: «Die Richtpreise sind nicht einfach grobe Schätzwerte. Gut definiert helfen sie bei Preisverhandlungen und in der Planung.» Mit der App Scrops (zusammengesetzt aus S wie Swiss, und crops, was auf Englisch Feldfrüchte bedeutet) kann das Bulletin direkt auf dem Handy angesehen werden. Wyss empfiehlt den IP-Suisse-Produzenten, den IP-Zuschlag (der auf dem Bulletin ersichtlich ist) konsequent einzufordern. Und auch die Lagerzuschläge seien immer schwerer zu realisieren. Stefan Wyss warnt darum davor, bei den Preisen Abschläge zu akzeptieren, nur damit die Lagerzuschläge ausgewiesen werden können.