Speditiv führte Jürg Iseli, Präsident des Berner Bauernverbands, durch die Mitgliederversammlung. 127 Stimmberechtigte versammelten sich am Dienstagabend, 31. März, in der Alten Reithalle in Thun BE. Die aktuelle Weltlage wie auch die Krisen auf dem Milch- und Schweinemarkt machen dem Präsidenten Sorgen: «Wegen der Überproduktion werden Millionen Franken vernichtet», hielt er fest. 

Schuld an der Krise seien aber nicht nur die Bauern, sondern auch die Verarbeiter und der Detailhandel. «Ich nenne hier nur die viele Importware», sagte Iseli. Aus diesem Grunde müssen auch die Produzentenpreise steigen. Die Politik und die Marktakteure seien hier besonders gefordert. 

Auch auf dem Weinmarkt ziehen dunkle Wolken auf: Der Konsum geht zurück, die Importweine üben Druck auf die einheimische Ware aus. «Wenn sich den Sommer hindurch nichts ändert, werden wir Ende Jahr sicher schlechtere Buchhaltungszahlen für die Landwirtschaft präsentieren als im Jahr zuvor», befürchtet Jürg Iseli.

Die Vegi-Initiative gelte es zu bodigen

Nicht nur die tiefen Produzentenpreise, sondern auch die steigenden Anforderungen von Politik und Gesellschaft – die vielen Initiativen lassen grüssen – fordern den Berner Bauernverband mehr denn je. «Mit der Vegi-Initiative steht schon die nächste vor der Türe», bedauerte Jürg Iseli. Auch diese gelte es, wie schon die Biodiversitäts-Initiative, an der Urne zu bodigen. «Mit verschiedenen Kampagnen, Fahnen und Aufklärungsarbeit wollen wir der Vegi-Initiative den Kampf ansagen», hielt er fest. 

Eine besondere Aktion starte man dazu mit dem Namen: «Letzte Cervelat». An dieser Aktion, die am 26. August stattfinden wird, plant man die Bevölkerung einzubeziehen. «Wir wollen aufzeigen, dass es bald keine Cervelat mehr zu essen geben könnte, sollte die Vegi-Initiative angenommen werden», so der Präsident.

Diese Themen werden in Zukunft beschäftigen

Doch der Berner Bauernverband will vorwärts schauen: Ein gutes Beispiel seien dabei die Swiss Skills. Einmal mehr freut es den Präsidenten, dass die Berner Vertretung an den nationalen Berufsmeisterschaften so gut abgeschnitten hat. «Diese jungen Landwirtinnen und Landwirte haben Hervorragendes geleistet», hielt er fest. Schon jetzt seien die ersten Vorabentscheidungen für die nächsten Swiss Skills im Jahr 2027 angelaufen. 

Auch finanziell steht der Berner Bauernverband auf guten Beinen. Die Rechnung schloss mit einem Plus von 48 871 Franken. Das Eigenkapital beläuft sich auf 7,3 Mio Franken.

Neues aus den Fachkommissionen

Bei den Berichten aus den vier Fachkommissionen präsentierten jeweils die Präsidenten den neusten Stand und die weiteren Pläne:

Fachkommission Bildung und Beratung: Fred Grunder

  • Ab August 2026 beginnt die Ausbildung zum Landwirt/in nach der neuen Bildungsverordnung.
  • Umsetzung der neuen Bildungsverordnung mit den neuen überbetrieblichen Kursen.
  • Mitarbeit bei den Revisionen des Agrarpraktiker/in EBA und der höheren Berufsbildung Land- und Hauswirtschaft.
  • Integration der Fachbewilligung Pflanzenschutz in die Fachrichtungen Rindvieh-, Schweine- und Geflügelhaltung sowie Alp- und Berglandwirtschaft.

Fachkommission Pflanzenproduktion: Markus Lüscher

  • Vorprojekte Bodenkartierung im Kanton Bern wurden durchgeführt.
  • Mitwirkung zur Interessenwahrung von Wasserbedarf für Mensch, Tier und Pflanzen aus der Landwirtschaft zur Sicherung der Produktion von Nahrungsmitteln.
  • Intensiver Austausch mit der Berner Fachstelle für den Pflanzenschutz im Hinblick auf Schädlinge im Ackerbau.

Fachkommission Tier, Fleisch und Milch: Ernst Wandfluh

  • Tierseuchen: Planung und Finanzierung.
  • Revision Verordnungen im Jagdrecht Kanton Bern.
  • Wildtierregelungen und Wildtierschäden.
  • Waldbesitzer, Jäger und Landwirtschaft: Zusammenarbeit stärken.

Fachkommission Raumplanung und Bodenrecht: Fabian Feissli

  • Ausserhalb der Bauzonen soll die Gesamtmenge an Gebäuden und Fläche praktisch nicht mehr wachsen.
  • Landwirtschaft ist nur von der Gebäudezahl, nicht von der Fläche betroffen.
  • Insgesamt darf die Entwicklung höchstens um 2 % zunehmen (gegenüber Referenzwert vom 29.3.2023).

Im Weiteren referierten an der Mitgliederversammlung Christian Hofer, Direktor Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), Michel Darbellay, stellvertretender Direktor des Schweizer Bauernverbands, sowie der abtretende Regierungsrat Christoph Ammann über aktuelle Themen in der Politik und in der Landwirtschaft.