«Seit wir den Betrieb übernommen haben, haben wir immer wieder gebaut», erzählt Thomas Isler, Betriebsleiter des Föhrenhofs in Wohlen AG. Der gelernte Landwirt und Landmaschinenmechaniker hat den elterlichen Betrieb im Jahr 2000 im Alter von 24 Jahren gepachtet und sieben Jahre später gekauft. Bis heute hat sich auf dem Betrieb viel getan: begonnen mit 100 Mastmunis, bietet der Betrieb heute Platz für 340 Tiere (inklusive Aufzucht).

Neuer Kälberstall mit Kleingruppen gebaut

2024 wurde auf dem Föhrenhof ein neuer Kälberstall gebaut. Im neuen Kälberstall wird mit Kleingruppen gearbeitet. Der Stall ist dreiteilig mit je zwei Abteilen. Jedes Abteil bietet Platz für 20 Tiere.

Der Stall besteht zu einem grossen Teil aus Beton, dessen Aussenwände zusätzlich isoliert sind. Die Temperatur wird dadurch gleichmässiger gespeichert und die Differenz zwischen der Tag- und Nachttemperatur ist dadurch nicht so gross. Thomas Isler hat sich für eine kontrollierte Lüftung entschieden, zudem werden im Sommer bei hohen Temperaturen Cool Pads eingesetzt, die wie ein Wasservorhang funktionieren und die Temperatur um bis zu 10 Grad senken können. Die Tiere liegen auf Tiefstroh, der Fressplatz ist befestigt. Die Fütterung und das Einstreuen laufen auf dem Föhrenhof seit dem Bau des neuen Maststalls komplett automatisch. Die Kälbermischung wird mit dem Fütterungsroboter hergestellt, kann über Rohre in den Kälberstall gesaugt werden und wird dort mit dem Einstreuroboter verteilt.

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Der Kälberstall ist möglichst vom Maststall und untereinander abgetrennt, damit Krankheiten weniger kreisen können. Saubere Reinigung der Ställe zwischen dem Aus- und Einstallen sind zwar wichtig, für Thomas Isler ist es aber entscheidender, dass der Stall 1 bis 2 Wochen ganz leer steht.

Wichtige Vorteile durch die kleineren Gruppen sieht Thomas Isler bei der besseren Tiergesundheit. Zudem ist es einfacher, für eine Gruppengrösse von 20 Tieren Lieferanten zu finden, als bei grösseren Gruppen. Die Kleingruppen geben aber mehr Arbeit, vor allem weil auch die Anzahl an Einstallungen höher ist. Zudem waren baulich hohe Investitionen nötig.

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Probleme sind massiv zurückgegangen

Bei der Kälberhaltung auf dem Föhrenhof sind diätetische Durchfallerkrankungen, Ohrenentzündungen (Mykoplasmen) und Lungenentzündungen die «Hauptprobleme». Um diesen möglichst entgegenzuwirken, werden verschiedene Massnahmen umgesetzt.

Den Kälbern wird in der ersten Woche nach dem Einstallen neben der Milch nur Heu gefüttert. Die Kälbermischung erhalten sie erst ab der zweiten Woche. Die Kälber starten so mit der Fütterung, die sie vom Geburtsbetrieb kennen, und können sich langsam an die neue Fütterung gewöhnen.

Bei den Kälbermischungen wurden betriebsspezifische Rationen entwickelt. Die Kälberfütterung besteht aus zwei Phasen. Die erste Mischung, die die Kälber bis zu einem Lebendgewicht von 110 kg erhalten, besteht aus einem Aufzuchtfutter, einem Ergänzungsfutter für Mastvieh, Stroh und Melasse. Bei der zweiten Kälbermischung (bis 180 kg Lebendgewicht) ändern sich die Verhältnisse, zudem kommen noch Maissilage und Zuckerrübenschnitzel dazu.

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Eine weitere mögliche Ursache für diätetischen Durchfall ist der Biofilm, der sich beim Boiler und in den Wasserleitungen des Tränkeautomaten bilden kann. Thomas Isler entkalkt die Tränkeautomaten regelmässig, wodurch die Angriffsfläche für Erreger reduziert wird.

Um den Problemen mit Mykoplasmen entgegenzuwirken, wird auf dem Föhrenhof ein Lebend-Impfstoff eingesetzt.

In den letzten Jahren sind die beiden Probleme auf dem Föhrenhof massiv zurückgegangen. Dies zeigt sich auch bei der Reduktion des auf dem Föhrenhof eingesetzten Antibiotikas. Probleme mit Labmagenerkrankungen und Magen-Darm-Verwicklungen gibt es praktisch keine mehr, vor allem seit in der ersten Woche nach dem Einstallen neben der Milch nur Heu gefüttert wird.

Betriebsspiegel Föhrenhof

Thomas und Conny Isler, Wohlen AG

LN: 38 ha
Produktionsform: ÖLN
Kulturen: Mais, Weizen, Zuckerrüben, Kartoffeln, Kunstwiese, Naturwiesen
Tierbestand: 340 Mastmuniplätze, 12 Pensionspferde
Weitere Betriebszweige: Blumenladen, PV-Anlage, Lohnarbeiten und Winterdienst in kleinem Rahmen, Werkstattarbeiten
Arbeitskräfte: Thomas und Conny Isler, Vater von Thomas Isler, 1 Angestellter (40 %), 1 Lernender

Erkenntnisse zur obligatorischen Kälberimpfung

«Ein Kalb ist kein Kalb, ein Betrieb ist kein Betrieb und ein Jahr ist kein Jahr», sagt Franz Hagenbuch, Präsident von Swiss Beef, zu den bisherigen Erkenntnissen der obligatorischen Kälberimpfung.

Seit dem 1. Juli 2025 müssen alle Kälber, die den Geburtsbetrieb vor dem Alter von 57 Tagen verlassen, gegen fieberhafte Atemwegserkrankungen geimpft werden. Die zweite Impfung muss auf dem Folgebetrieb innerhalb von 28 Tagen nach dem Einstallen erfolgen. Das Hauptziel ist es, Infektionskrankheiten vorzubeugen und somit den Antibiotikaeinsatz bei Kälbern zu senken.

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Eine frühzeitige Aussage über die gesamtschweizerische Auswirkung ist aktuell laut Hagenbuch noch nicht möglich. Erste Erfahrungen aus der Praxis zeigen aber, dass die Kälber generell vitaler sind und die Depressionsphase nach dem Einstallen nicht mehr so heftig und auch kürzer geworden ist.

Hagenbuch betont, dass die Mäster den Milchviehbetrieben über die konsequente Umsetzung sehr dankbar sind.  «Doch auch die Mäster müssen impfen», unterstreicht er. Zudem lobt er diejenigen Milchviehbetriebe, die die Kälber bereits seit vielen Jahren freiwillig impfen.

Webseite des Betriebs