Bereits fliegen wieder Schwalben um die Ställe der Landwirtschaftsbetriebe. «Die sind früh dran», meinte eine Bäuerin aus dem Berner Seeland die Tage. Hängt das mit den milderen Temperaturen in unseren Breiten zusammen?
Carine Hürbin von der Vogelwarte Sempach verneint. «Die Rauchschwalben kommen zu fixen Zeiten zurück, das steckt grösstenteils in ihren Genen», erklärt die Mediensprecherin der gemeinnützigen Stiftung für Vogelkunde und Vogelschutz. Vereinzelt seien die Vögel schon ab Mitte März da, doch die meisten kommen erst im Laufe des Aprils. Ab Mitte April beginnen sie zu brüten. Und wenn es dann nochmals kalt wird? «Dann können die Schwalben ausweichen, sich etwa nochmals in den Süden zurückziehen.»
Ist es früher warm, hat es auch mehr Insekten
Auf das Nahrungsangebot der Schwalben haben die milderen Temperaturen im Frühling hingegen Einfluss: Da es tendenziell früher warm wird, gibt es auch früher mehr Insekten. «Bis die Rauchschwalben hier sind, sind bereits weniger Insekten aktiv», so Carine Hürbin. Doch für die Betreuung der Jungvögel sollten die Schwalben im Umkreis von 300 Metern Futter finden können. «Hilfreich für die Vögel ist, wenn man im Frühling die Abdeckung von Kompostmieten entfernt und Misthaufen für sie zugänglich sind», sagt Carine Hürbin. «Dort finden sie ausreichend Futter.» Auch offene Wasserflächen, Baumreihen, Hecken, Hochstamm-Obstwiesen, Waldränder und Brachen gelten als insektenreich.
Den Spatzen mehr Beachtung schenken
Gleich ein ganzes eigenes Themenheft widmet die Vogelwarte diesen April den Spatzen. Einem Vogel, der zu Unrecht «auf unauffälliges Gefieder oder scheinbar monotones Tschilpen reduziert» wird, wie die Organisation in einer Medienmitteilung schreibt. Er verdiene Beachtung.
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Haus- und Feldsperling sind wohl die bekanntesten, aber bei weitem nicht die einzigen Vertreter dieser grossen Familie. In den Alpen lebt der Schneesperling und das Tessin hat mit dem Italiensperling seine eigene Sperlingsart. In der Schweiz geht es den Sperlingen meistens gut, in anderen europäischen Regionen nehmen sie dramatisch ab. So waren in Paris im Jahr 2017 noch 11 Prozent der Haussperlinge von 2003 vorhanden, und in England beträgt die Zahl der Feldsperlinge nur noch 2 Prozent des Bestands von 1965. «Die Liste liesse sich fortsetzen», so die Vogelwarte. «Daher haben es auch häufige Arten wie Haus- und Feldsperling verdient, dass wir uns um sie kümmern», etwa indem man in den Gärten einheimische Sträucher oder Wildstauden pflanzt, Pestizide meidet und wilde oder «unordentliche» Ecken und Unordnung zulässt.
Merkblatt der Vogelwarte Sempach zu den Rauchschwalben
Eine App, um Vogelstimmen zu erkennen
Im Frühling pfeift, tschilpt und singt es wieder überall. Doch welche Vögel genau hört man? Wer es wissen möchte, findet bei der Naturschutzorganisation Birdlife die stark überarbeitete und erweiterte Lernplattform «bird-song.ch». Mit einer grossen Auswahl an Übungen kann man die Gesänge und Rufe auf spielerische Art kennenlernen. Die Vogelstimmen können einzeln, im Chor oder in einem Lebensraum wie der Siedlung geübt werden.
Die Website ist für Einsteigerinnen und Einsteiger, aber auch für Fortgeschrittene geeignet. Je nach Niveau werden andere Übungen und Inhalte angezeigt. Zu über 200 Vogelarten der Schweiz gibt es ein Porträt mit den typischen Gesängen und Rufen inklusive der wichtigsten Informationen zur Lebensweise. Regelmässig werden aktuelle Stimmen-Rätsel und spannende Beiträge zum Vogelgesang aufgeschaltet.
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