Matthias Schick von der Schick Consulting GmbH widerspricht einer vereinfachten Sichtweise auf das Verhältnis zwischen Auslastung und Wirtschaftlichkeit deutlich: «Es geht nicht darum, möglichst viele Kühe zu Melken, sondern möglichst viel Milch mit möglichst wenig Aufwand zu produzieren.»
Dieser Grundsatz gilt unabhängig vom Melksystem – von der Eimer- und Rohrmelkanlage über den Melkstand bis hin zum Melkroboter. Gerade beim automatischen Melksystem (AMS), das mit hohen Kapital- und häufig auch Fremdkosten verbunden ist, rückt ein Produktionsfaktor besonders in den Vordergrund: die Arbeit. «Da der Melkroboter hohe fixe Kosten verursacht, muss vor allem der Faktor Arbeit extrem effizient eingesetzt werden», sagt der ehemalige Strickhof-Bereichsleiter.
Darum gehts beim wirtschaftlichen Optimum
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht liegt das Optimum nicht bei maximaler Kuhzahl oder Höchstleistungen, sondern bei einem ausgewogenen Verhältnis von Boden, Arbeit und Kapital. «Alle eingesetzten Faktoren müssen effektiv genutzt werden. Überzogene Leistungen bei gleichzeitig hohen Aufwendungen sind langfristig selten wirtschaftlich», so Matthias Schick.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Futterqualität. Überdurchschnittliche Grundfutterqualitäten sind zwingend erforderlich, Rohaschegehalte über 10 % sollten vermieden werden. Denn je teurer Stallplatz und Technik sind, desto mehr Milch muss mit möglichst wenig Arbeit erzeugt werden. Gleiches gilt für die Flächennutzung: «Je grösser die Flächenkonkurrenz des Futterbaus zum Acker- oder Gemüsebau ist, desto höher muss die Milchleistung pro Flächeneinheit sein.»
Leerzeiten im AMS – Problem oder Chance?
Leerzeiten im Melkroboter werden oft pauschal als wirtschaftlicher Nachteil bewertet. Doch Matthias Schick differenziert: «Es gibt Betriebe mit weniger als 20 Kühen, die den Melkroboter sehr erfolgreich einsetzen – mit hohen Leerzeiten, aber enormer Arbeitszeitersparnis.» Entscheidend sei, wie die frei werdende Arbeitszeit genutzt werde. Wenn sie wertschöpfend in andere Betriebszweige oder einen Nebenerwerb investiert wird, seien Leerzeiten völlig unproblematisch.[IMG 2]
Problematisch wird es eher dort, wo der Roboter bewusst nachts abgeschaltet wird. «Das bringt bei Hochleistungskühen jenseits von 45 Litern Tagesmilch Nachteile und ist in den meisten Fällen wenig sinnvoll», erklärt Schick. Wirtschaftlich relevant werden Leerzeiten vor allem dann, wenn sie mit starren Finanzierungskosten kollidieren. «Betriebe mit ungünstigen Leasingkonditionen haben bei geringerer Milchmenge klar einen Nachteil gegenüber eigenfinanzierten Systemen.»
Stellschrauben statt Stillstand
Angesichts sinkender Milchpreise empfiehlt Matthias Schick kein simples «Mehr Melken», sondern ein fein abgestimmtes Management. Kurz- und mittelfristig sieht er mehrere wirkungsvolle Stellschrauben: Reduktion teurer, zugekaufter Kraftfutter, konsequentes Ausmerzen von Kühen mit hohen Zellzahlen, Klauen- oder Fruchtbarkeitsproblemen sowie ein etwas früheres Galtstellen. Auch die Reduktion der Melkfrequenz im AMS könne sinnvoll sein.
Langfristig bleibt Schick jedoch optimistisch: «Der Milchmarkt wird sich erholen. Milch ist international stark nachgefragt und bietet ein hohes Wertschöpfungspotenzial.»
Neue Kennzahlen für AMS-Betriebe
In der aktuellen Marktlage verlieren reine Leistungskennzahlen wie Kilogramm Milch pro Kuh an Bedeutung. Stattdessen rücken andere Grössen in den Vordergrund. «Der Arbeitszeitbedarf pro Betrieb ist heute eine der zentralen Kennzahlen», so der Fachmann. Einsparungen hier könnten fehlende Milcherlöse zumindest teilweise kompensieren, sofern die Zeit sinnvoll genutzt werde.
Ebenso entscheidend sind die Kapitalkosten. Laufende Leasingverträge müssten unabhängig vom Milchpreis bedient werden. «Hier braucht es kühle Kalkulationen, realistische Szenarien und manchmal auch den Mut, Alternativen zu diskutieren.»
Leistungsangepasste Fütterung als Schlüssel
Für Matthias Schick ist klar: «Die Fütterung einer Milchkuh sollte immer leistungsangepasst sein.» Dank aktuell guter Grundfutterqualitäten lässt sich der Einsatz zugekaufter Futtermittel deutlich reduzieren. Einige Betriebe Melken bereits über 7000 kg Milch ausschliesslich aus Grundfutter. In solchen Systemen ist nur noch wenig Kraftfutter nötig – auch im Melkroboter. Günstige, schmackhafte Komponenten wie z.B. Zuckerrübenschnitzel-Pellets können teure Lockfutter ersetzen.
Neben der Energie müsse jedoch auch der Eiweissgehalt von zugekauftem Futter beachtet werden, da dieser sowohl preis- als auch umweltrelevant ist. Der Harnstoffgehalt in der Milch ist hierfür eine gute Kenngrösse. Effizienz bedeutet somit nicht Verzicht, sondern gezielte Anpassung und ständige Optimierung.
Die Wirtschaftlichkeit von AMS-Betrieben entscheidet sich nicht an der maximalen Auslastung des Roboters, sondern an der intelligenten Kombination von Kuhzahl, Leistung, Arbeitszeit und Kostenstruktur. Weniger Kühe können durchaus wirtschaftlicher sein – wenn jede Kuh effizient gemanagt wird und der Betrieb als Ganzes flexibel auf Markt- und Kostenentwicklungen reagiert. Oder, wie Matthias Schick es zusammenfasst: «Nicht die Technik entscheidet über den Erfolg, sondern wie konsequent und Betriebs-individuell sie genutzt wird.»