Aktuell ist Abkalbesaison auf dem Betrieb von Fanny und Matthias Rediger. Redigers produzieren Bio-Natura-Beef nach dem Label von Mutterkuh Schweiz. Das letzte Beef-Rind wurde Ende Februar geschlachtet. Da die Herde im Sommer auf der Alp ist, streben sie eine saisonale Abkalbung an. 

Durchschnittliches Schlachtgewicht von 220 kg

Fanny Rediger, Betriebsleiterin auf dem Biohof Hohweid, erläutert die Betriebsstrategie. Als sie mit ihrem Mann Matthias den Betrieb vor fast zehn Jahren übernehmen konnte, stellte sich die Frage nach Investitionen im Stall. Der Betrieb ist mit 18.5 ha LN eher klein, sodass sich ein grosser Umbau finanziell nicht rechtfertigen liess. Deshalb entschieden sie sich, den Stall weitgehend so zu belassen, wie sie ihn von ihren Vorgängern übernommen hatten. 

Die Lägergrösse erlaubt nur Rinder mit einer maximalen Widerristhöhe von 1.30 m, deshalb entschieden sie sich für Grauvieh. Das ist eine eher extensive Zweinutzungsrasse, die aber eine gute Schlachtausbeute hat. Mit einem durchschnittlichen Schlachtgewicht von 220 kg sind Redigers zufrieden. Die klein- bis mittelrahmigen Tiere sind in der Fütterung wenig anspruchsvoll, das betriebseigene Futter genügt dieser Rasse, es muss kein zusätzliches Kraftfutter verfüttert werden. 

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Arbeitsaufwand möglichst klein halten

Abo Christoph Bill, Vorstandsmitglied von Mutterkuh Schweiz, deren Geschäftsführer Daniel Flückiger und Jürg Iseli, Präsident des Berner Bauernverbandes (v. l.), referierten an der Regionaltagung Mittelland West. Zu wenig Schlachttiere Mutterkuh Schweiz: «Für das Label Natura-Veal suchen wir krampfhaft noch weitere Produzenten» Friday, 20. February 2026 Ausserhalb der Weidesaison gibt es für die Tiere Maissilage zum Raufutter. Redigers versuchen, den Arbeitsaufwand möglichst klein zu halten. Sobald die letzte Kuh gekalbt hat und die Weidesaison beginnt, ist die Herde auf der Weide. «Der erste Weidetag mit den frischen Kälbern ist jeweils ein Happening. Da braucht es ein paar zusätzliche Leute, die mithelfen, bis alle Kälber den Zaun kennengelernt haben», erzählt Fanny Rediger. Ab April wird wieder ein Stier mit der Herde mitlaufen, damit die Kühe trächtig auf die Alp kommen und die saisonale Abkalbung planmässig im Januar beginnen kann. Die meisten Beef werden an Bell verkauft, rund 4 Tiere pro Jahr sind für die Direktvermarktung und den Eigenbedarf. Die Aufzuchttiere sind ausserhalb des Betriebes im Aufzuchtvertrag.

Fanny Rediger überlegt sich, welche Rasse sie einkreuzen könnte, um die Milchleistung der Mutterkühe zu verbessern. «Wenn die Kälber am Anfang genügend Milch bekommen, weisen sie einen besseren Ausmastgrad auf und kommen auch schöner von der Alp zurück», erklärt sie. Aktuell sind zwei Kühe mit Simmental und Limousin eingekreuzt, was den Fleischertrag erhöhen soll. Mit diesen Rassen gibt es in der Regel auch keine Probleme beim Abkalben.

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Verschiedene Betriebszweige: immer wieder etwas Neues ausprobieren

Dieses Jahr starten sie neu auch mit der Bio-Pouletmast. Dieser Betriebszweig passt gut zu Redigers Betrieb. Die Arbeit ist gut planbar. Die Arbeiten für die Stallung sind im Gange, damit die 2700 Küken im Frühjahr einziehen können. Auf rund 11 ha betreibt die Familie Rediger Ackerbau. Nebst Silomais, Roggen, Weizen und Urdinkel wird auch Speisehafer angebaut. Dazu probieren sie immer wieder auch etwas Neues aus, wie den Anbau von Braugerste. Doch dieses Experiment werden sie nicht weiterführen, die Erträge waren zu klein. Mit den Kunstwiesen in der Fruchtfolge gelingt es, die Grasbestände zu verbessern, um hochwertiges Futter ernten zu können. Auf 50 Aren bauen sie Kräuter wie Minze und Frauenmantel für Ricola und Kennel an.

Abo Remontenproduktion und Weidemast Betriebsbesuch bei Familie Etter: Wann ist die Haltung von Remonten auf dem Betrieb wirtschaftlich? Thursday, 5. March 2026 Auf dem Betrieb arbeiten vor allem Fanny Rediger und ihr Mann Matthias, welcher zusätzlich mit einem Pensum von 60 % als Berater am Inforama Rütti tätig ist. Ihre beiden Buben Aaron (6 Jahre) und Noah (3,5 Jahre) sind immer mittendrin. Auf dem Hof leben noch weitere Familien, sodass immer genug Kinder zum Spielen da sind. Dazu haben Redigers noch einige Teilzeitangestellte, welche für einige Stunden pro Woche im Stall oder bei den Kräutern mitarbeiten.

Auch ihre Vorgänger helfen noch regelmässig auf dem Hof mit. Sie bewohnen das dazugehörige Stöckli und gelten auf dem Hof als dritte Grosseltern. Er hilft gerne auf dem Feld, sie bei der Kinderbetreuung. Seit letztem Sommer hat Fanny Rediger einen Instagram-Kanal, in dem sie aus ihrem Leben als «Mama zwischen Stall und Familie» erzählt.

Betriebsspiegel Biohof Hohweid, Rüedisbach BE

18.5 ha LN gesamt
Davon 12 ha Ackerbau (Silomais, Roggen, Weizen, Urdinkel, Speisehafer, Kunstwiese)
25 Mutterkühe (zurzeit 20)
50 Aren Kräuter (Minze, Frauenmantel)
Pouletmast (2700 pro Umtrieb, 7–8 Umtriebe/Jahr)
Hofladen