Mobile Käsereien oder mobile Melkstände – das 5. Forum Alpwirtschaft Anfang Februar auf dem Hondrich widmete sich dem Thema Mobile Systeme – Fortschritt auf den Alpen. Adrian Dietrich und Michael Feller vom Inforama zeigten auf, dass es auch im Berggebiet moderner wird. Moderner sei nicht immer schlechter. Moderner heisse oftmals auch, Entscheidungen zu treffen, um Kosten sparen zu können. 

So stellt sich die Frage: Ergibt es Sinn, eine neue Alpkäserei zu bauen, wenn eine mobile Käserei genügen würde? Ergibt es Sinn, einen neuen Stall mit Rohrmelkanlage zu realisieren, wenn die Kühe sowieso Tag und Nacht draussen auf der Weide sind, und eine mobile Melkeinrichtung die Lösung wäre? Je nach Alp, Standort und Zustand müsse man sich diese Fragen immer wieder aufs Neue stellen. Doch eines bleibt überall gleich: «Die Arbeitskosten dominieren die Gesamtkosten», hält Michael Feller fest. 

Ein anderes Problem hingegen hatte Bernhard Aeschlimann von der Alp Honegg im Eriz: Seine Stromkosten gingen ins Unermessliche. «Ich habe 20 Jahre Alperfahrung ohne Strom gemacht», fängt er an zu erzählen. Doch die Alpwirtschaft habe sich auch bei ihm weiterentwickelt.

Sonnenenergie reicht für ein, zwei Tage, Notstrom noch in Notfällen

Ein neuer Alpstall forderte auf der Honegg auch mehr Energie. Lange Zeit habe man diesen Strom mit einem Dieselgenerator erzeugt. Morgens und abends der Lärm; und die teuren Dieselkosten haben ihn viel Nerven gekostet. «Da produzieren wir auf den Alpen mit Käse und Butter ein Naturprodukt und nebenan tönt der Dieselgenerator aus allen Löchern.» Das führte bei Aeschlimann zu einem Umdenken. Nach einigen Tüfteleien hatte er dann die Lösung: «Auf einem Anhänger montierte ich vier Meter hohe und zwölf Meter breite Solarpanels», hielt er fest. So könne er die Sonnenenergie mit Batterien speichern, für ein bis zwei Tage reiche der Strom jeweils. «Nur noch in Notfällen werden heute die Batterien mit dem Notstromgenerator aufgeladen», sagt er. 

Auf seiner Alp sei es der erste mobile Batteriespeicher in der Schweiz gewesen, dafür wurde Aeschlimann auch ausgezeichnet. Er empfiehlt ohnehin jedem Alpeigentümer, seine Stromkosten einmal zu überprüfen. «Ein gewaltiger Stromfresser ist das Milchkühlen, dann kommen die Melkarbeiten», ist er überzeugt. «95 Prozent des Stroms, den ich auf der Alp brauche, kann ich jetzt durch Sonnenenergie gewinnen», ergänzt Aeschlimann nicht ohne Stolz.

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Anrecht auf öffentliche Gelder

Mobile Käsereien oder mobile Melkstände trifft man auf den Alpen noch nicht häufig an. Doch auf der Alp Ueschinen oberhalb von Kandersteg ist seit August 2024 eine mobile Käserei in Betrieb. Eigentümerin ist die Chüejer-Ches GmbH. Sie gehört drei Betrieben, die sich zusammengeschlossen haben. Auf der zweistafeligen Alp hat vorher jeder für sich gekäst, heute wird die Milch von 70 Kühen in der mobilen Käserei von einem angestellten Käser verarbeitet.

Der Hauptverantwortliche ist Ruedi Grossen. «Die mobile Käserei ist fast überall einsetzbar», erzählt er. Hinzu komme, dass man nur in eine Käserei investieren musste. «Der Nachteil ist vielleicht die fehlende Hüttenromantik», sagt Grossen. Zirka 230 000 Franken koste eine mobile Käserei, den Hauptkostenfaktor bilde dabei mit rund 207 000 Franken die Käsereitechnik. Wer in eine mobile Käserei investieren wolle, habe auch Anrecht auf öffentliche Beiträge: In diesem Fall waren es zirka 31 600 Franken vom Bund, 28 500 Franken vom Kanton und BAK-Beiträge von 85 000 Franken. Zuletzt musste man auch noch rund 85 000 Franken eigene Mittel aufbringen. «Die jährliche Amortisation darf man aber nicht vergessen», sagt Grossen.

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Weniger Arbeitsstunden

Über mobile Melkstände sprachen Roger Wampfler und Michael Cottier. Wampfler hat, bevor er einen mobilen Melkstand angeschafft hat, in drei Hütten mit dem Standeimer gemolken. «Der Arbeitsaufwand war enorm, doch einen neuen Stall zu bauen, kam für mich nicht infrage», sagt er. Die mobile Lösung bedeute viel weniger Arbeitsstunden. Der Nachteil sei, dass die Kühe immer durch dieselben Treibwege laufen müssten. «Wenn es regnet, ist es sicher schöner, in einem Stall zu melken», gibt Wampfler zu. Ein befestigter Platz im Wartebereich der Kühe sei zudem vorteilhaft. Die Investitionskosten für einen mobilen Melkstand liegen bei rund 40 000 Franken (Melktechnik, Infrastruktur und die jährlichen Fixkosten). In der Hütte betragen sie mit einem Standeimer rund 12 000 Franken und bei einer Rohrmelkanlage 22 500 Franken.

Vor 30 Jahren ins Weideland Neuseeland ausgewandert

Was in der Schweiz noch verboten ist, ist in Neuseeland schon allgegenwärtig: der virtuelle Zaun. Am Forum ging es mit einer Liveschaltung zuerst mal zu Adrian Frei, der vor 30 Jahren von Cham ZG nach Neuseeland ausgewandert ist. In der Schweiz zeigte die Uhrzeit 13.30 Uhr an, in Neuseeland war es kurz vor Mitternacht. Frei erzählte von seinen Erfahrungen auf seiner Farm. Elektrisches Zäunen sei bei ihm passé, seine Kühe würden jetzt durch einen virtuellen Zaun geleitet.

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«Die Kühe tragen dabei lediglich ein Halsband, mit virtueller Zäunungstechnologie und GPS, das ihnen mit akustischen Signalen oder einem elektrischen Impuls den richtigen Weg zeigt», sagt der Landwirt. Die Kühe würden das System unglaublich schnell verstehen. «Innerhalb von 48 Stunden verstehen sie, worum es geht, und kommen alleine zum Melken nach Hause», sagt Frei. In jedem Ohr einer Kuh sei ein Lautsprecher. Ertöne das Signal, mache sie sich auf den Weg zum Stall. Seit 2007 bewirtschaftet Frei mit seiner Familie die eigene Farm mit 335 Hektaren und 300 Kühen. Seit zehn Jahren wird der Betrieb nach den Bio-Richtlinien geführt.

Der virtuelle Zaun wird nie krank

Der virtuelle Zaun ersetze bei ihm auf der Farm eine halbe Arbeitsstelle. «In Neuseeland kostet eine Vollzeitarbeitsstelle rund 85 000 neuseeländische Dollar», rechnet Adrian Frei vor. Der virtuelle Zaun mache bei ihm hingegen nur 42 000 Dollar jährlich aus. Das – gemietete – System habe zudem nie Ferien, werde nie krank und reklamiere auch nicht. Rund 25 Arbeitsstunden könne er damit pro Woche einsparen. Er müsse keine Kühe mehr holen und keine Zäune mehr erstellen. «Würde es den virtuellen Zaun nicht geben, würde ich mich schon morgen pensionieren lassen», sagt er gelassen.