Die aktuell schwierige Lage auf dem Milchmarkt beschäftigt auch die Junglandwirtekommission Zentralschweiz. Eine Delegation traf sich deshalb Mitte Februar zu einem Austausch mit Präsident Thomas Grüter und Geschäftsführer Pirimin Furrer von den Zentralschweizer Milchproduzenten ZMP.
Hat sich die Lage wieder beruhigt?
In der Tat hätten selbst erfahrene Marktakteure eine Situation wie jetzt kaum je erlebt. Die ZMP-Vertreter erwarten aber, dass sich der Markt im Laufe des Jahres wieder beruhigt. Aktuell werde übrigens nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa und auch in Amerika viel Milch produziert.
Weil in der Schweiz die Mengen rund zehn Prozent über dem Vorjahr liegen, seien auch die Butterlager schon recht gross. Der Höchststand sei aber noch nicht erreicht, da die meiste Milch im ZMP-Gebiet im Frühjahr erwartet werde.
Für Rahm- und Butterexporte werde deshalb grösstenteils C-Milch exportiert. Butter dürfe übrigens wegen verschiedener Abkommen nur ausserhalb Europas exportiert werden, und bei Rahm seien die Jahreskontingente in Europa beschränkt. Wegen der international hohen Milchmengen seien die Butterpreise stark gesunken. Mittlerweile hätten sie sich aber auf tiefem Niveau stabilisiert.
Viel Milch und keine Kapazitäten, sie zu verarbeiten
Primin Furrer wies darauf hin, dass die Verarbeitungskapazitäten in der Schweiz gesunken sind. So sind am Standort Hochdorf 150 Mio. kg weggefallen, bei Cremo an zwei Standorten 80 bis 100 Mio. kg. So sei es schwieriger geworden, die grossen Milchmengen zu verarbeiten.
Die starken saisonalen Produktionsschwankungen würden die Herausforderungen bei der Verarbeitung zusätzlich erschweren. Die Industrie müsse aber in der Lage sein, eine Überproduktion von fünf Prozent zu bewältigen, erklären die Vertreter der ZMP. Deshalb sei der Milchpreis bis zu einer Menge von 105 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesichert. Übermengen müssten tiefpreisig als Butter und Rahm exportiert werden, die Kosten hätten die Produzenten zu tragen.
Käsereimilch belastet den Markt
Bei den Industriebetrieben würden die aktuellen Massnahmen der Branche greifen, bei den Käsereien funktioniere die Steuerung jedoch noch nicht ausreichend, erklärte Primin Furrer. Wegen des harzigen Käseabsatzes seien die Emmentalerkäsereien nicht ausgelastet. Die überschüssige Käsereimilch müsse vom Industriemilchkanal aufgenommen werden und belaste diesen zusätzlich. «Aktuell kommt 30% mehr Milch aus den Käsereien», so Furrer. Um die Milchkrise in den Griff zu bekommen, müssten alle Akteure der Schweiz ihren Beitrag leisten, Trittbrettfahrer dürfe es keine geben.
Hingewiesen wurde auf den enormen Druck, den der Detailhandel auf die Verarbeiterbetriebe ausübe. «Die Branche erwartet, dass auch der Detailhandel Swissness wertschätzt und fördert», meinte Thomas Grüter.
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Veredelungsverkehr ist intransparent
Der Veredlungsverkehr bringe Vor- und Nachteile mit sich. Importeure würden jeweils bei Biomilch Preisvergleiche mit Angeboten aus dem Ausland machen. Schweizer Milchlieferanten können entscheiden, ob sie zu diesem Preis liefern möchten oder nicht.
Teilweise würden ausländische Detailhändler verlangen, dass die Produzenten einen bestimmten Anteil ausländischer Milch verwenden. Würde der Veredlungsverkehr stark eingeschränkt, bestünde die Gefahr, dass grössere Unternehmen ihre Standorte ins Ausland verlagern. Die wirtschaftlichen Folgen für die Schweiz wären deutlich gravierender – auch wegen des Verlustes von Arbeitsplätzen.
Die Importeure können für den Veredelungsverkehr für Vollmilchpulver und Butter beim Zoll eine Bewilligung beantragen. Diese sei in den letzten 6 Jahren immer erteilt worden. Für diese Produktkategorien gebe es bis heute kein Konsultationsverfahren. Die Milchbranche werde nur im Nachgang über die bewilligten Importe informiert. Es besteht jedoch noch Potenzial, den Veredelungsverkehr besser zu kontrollieren und möglicherweise etwas mehr einzuschränken.
Mehr Grenzschutz ist schwierig
Forderungen von Bäuerinnen und Bauern, den Grenzschutz für Milchprodukte zu verbessern, seien politisch schwierig durchzusetzen. Eine Möglichkeit bestehe jedoch bei der Zollabschöpfung auf Butterimporten. Dieses Geld fliesse aktuell an den Bund. Aus Sicht der Branche sollte das jedoch in einen Fonds fliessen, um bei Bedarf Butterexporte zu finanzieren. Derzeit würden Butter- und Milchpulverimporte vom BLW bewilligt, ohne dass die Branche direkten Einfluss nehmen könne. «Hier sollte politisch mehr Einfluss erkämpft werden», meinte Thomas Grüter.
Künftig müsse sich die Branche ernsthaft überlegen, wie zu reagieren sei, um Situationen wie aktuell auf dem Milchmarkt zu vermeiden.
Kosten auch bei Schwankungen im Griff haben
Auf die Frage, was sie jungen Landwirtinnen und Landwirten, die einen Milchbetrieb übernehmen möchten, empfehlen würden, meinten die ZMP-Vertreter: «Macht das, was ihr gerne macht!» Es sei eine klare Strategie zu wählen, und diese dann konsequent mit voller Leidenschaft zu verfolgen.
Es soll so kalkuliert werden, dass der Markt auch mal schwanken kann und die Kosten gleichwohl im Griff gehalten werden können. Die Milchwirtschaft bleibe das Kerngeschäft der Zentralschweiz, und die ZMP möchten den Bauern als zuverlässiger Partner zur Seite stehen.