«Wir suchen weitere Luzerne-Flächen für die Produktion von getrockneten Ballen und Pellets», sagt Peter Bürli von der gleichnamigen Trocknungsanlagen AG im luzernischen Alberswil. «Wir sind zwar etwas teurer als importierte Luzerneballen aus Frankreich, aber wegen der hohen Qualität sind unsere einheimischen Produkte gut verkäuflich.»
Vor wenigen Jahren wurde von der Hochschule für Landwirtschaft (Hafl) aufgrund von Studien die hohe Qualität von künstlich getrocknetem Wiesenfutter bestätigt. Seit dieser Zeit steige das Interesse wieder (siehe Kasten). Vor allem Betriebe mit hohen Milchleistungen und mit Melkroboter würden Pellets aus Trockengras gerne einsetzen.
Viele tierintensive Betriebe in der Region seien zudem froh, wenn sie Kunstwiesenfutter verkaufen und so ihre Nährstoffbilanz verbessern könnten.
Grösserer Trocknungsbetrieb Bürli seit Jahrzehnten im Geschäft
Die Ursprünge der Firma Bürli reichen zur 1952 gegründeten Trocknungsgenossenschaft Willisau. In der Nachkriegszeit wurde die einheimische Eiweissversorgung stark gefördert. So entstanden viele Trocknungsanlagen, vor allem in Käsereigebieten.
1988 konnte Familie Bürli den Betrieb übernehmen. Zur besseren Auslastung des Betriebes wurde 1996 erstmals in der Schweiz mit der Produktion von Holzpellets gestartet, das habe damals sein Vater in Dänemark und Österreich abgeschaut. Heute werden aber nur mehr rund ein Sechstel der Pellets selbst im Werk hergestellt, viel mehr wird damit gehandelt. «Holzpellets machen den grösseren Teil des Umsatzes aus.»
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Nur erneuerbare Energien, um das Gras zu trocknen
2008 konnte in Alberswil neu gebaut werden, nach dem der Platz in Willisau zu knapp geworden war. Seither werden alle Trockenprodukte ausschliesslich mit erneuerbarer Energie hergestellt, aus regionalen Holzhackschnitzeln. «Wir trocknen CO2-neutral und verarbeiten regionales Grundfutter zu hochwertigem Kraftfutter», wirbt Peter Bürli, der die AG als Familienbetrieb seit 2015 leitet.
Viele Landwirte, welche Gras trocknen lassen, würden auch Energieholz aus ihren Wäldern liefern. Viel Holz komme aus der nahen, waldreichen Napfregion. Heute wäre es wohl für andere grössere Verbraucher schwieriger, so viel Energieholz zu beschaffen, da immer mehr Fernwärmeheizungen entstehen, meint Peter Bürli.
Gras und Mais werden zum Trocknen abgeholt
2016 wurde ein zweiter Trommeltrockner eingebaut, auch wegen der wachsenden Menge an Holzpellets. Im Ausland sah Bürli, dass Trocknungsanlagen vermehrt selbst Gras und Mais von den Landwirten ab Feld abholten. So wurde ein eigener Maschinenpark dafür angeschafft.
Aktuell umfasst der Fuhrpark sechs Traktoren, vier Ladewagen, zehn Lastwagen, aber auch Schwader, Mäher und Tieflader für Ballentransporte. Die Bürli Trocknungsanlage AG beschäftigt 25 Festangestellte und rund 15 temporäre Mitarbeiter, inklusive dem Holzpellets-Geschäft.
Gras und Luzerne wird von Ende April bis November fast täglich getrocknet. Knapp 60 Prozent ist es Lohntrocknung für Bauern im Umkreis von 30 km, wobei der Grossteil des Futters ab Feld von Bürli geholt wird. Die Holzpellets werden vor allem im Winter und bei Regenwetter hergestellt.
Bio und Melkroboter sorgen für Wachstum
Früher seien beim Milchvieh vor allem die Ballen beliebt gewesen, nun aber eher Pellets. Die Trocknungsmenge sei aber konstant geblieben, jährlich seien es gegen 14 000 Tonnen. Zum Wachstum der Pellets beigetragen hätten einerseits Melkroboter, anderseits weil im Bio-Landbau importierte Eiweissfutter verboten sind.
Preislich seien Ballen und Pellets identisch, letztere benötigten weniger Lagerplatz. Auch Schule und Beratung würden auf die Vorteile der eiweissreichen Trockenfutter wieder vermehrt hinweisen. Viel pansenstabiles Protein und hohe Anteile an Beta-Carotin seien nur zwei Stichworte.
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Die Futterqualität bei den Preisen vergleichen
Gras künstlich zu trocknen, sei zwar nach wie vor die teuerste Konservierungsart, aber viele Milchviehbetriebe könnten so Kraftfutter sparen und berichtet werde auch von besserer Tiergesundheit. Dies trage zur besseren Wirtschaftlichkeit bei.
«Zudem wird jede Silo-Ration schmackhafter, wenn Trockengras beigemischt wird.» Das Trockengras will Peter Bürli nicht mit Kraftfutter vergleichen. «Aber wir bringen mit Trockengras sicher mehr aus dem Grundfutter heraus als mit anderen Konservierungsvarianten», ergänzt er. Wenn die besondere Futterqualität nebst den hohen Energie- und Proteingehalten berücksichtigt werde, so sei Trockenfutter preislich gut vergleichbar mit Dürrfutter.
Luzerne und Klee-Gras geeignet
Nach wie vor würden auch viele Heubetriebe den ersten und letzten Schnitt trocknen lassen. Bürli weist aber darauf hin, dass die Qualität stimmen müsse. «Die Zeiten sind vorbei, als mit altem Futter in die Teeri gefahren wurde, weil das Wetter nicht mitmachte.»
Vor allem für den Vertragsanbau gebe es klare Vorgaben: Gefragt sind reine Luzerne-Bestände und Klee-Gras-Mischbestände (SM 330 und 430 oder neuerdings auch UFA Queen Gold). Und es sei sehr jung zu schneiden. Nur so könnten Rohproteingehalte von 20 Prozent erreicht werden.
Warmes Klima begünstigt die Luzerne
«Wenn es wärmer und trockener wird, kann auch in unserer Region mehr Luzerne angebaut werden», stellt Bürli fest. In den letzten beiden Jahren sei das allerdings nicht der Fall gewesen, bei wechselhaftem Wetter mache Gras den Bärenanteil aus.
Schweizweit nehme die Trocknungsmenge an Gras eher zu, obwohl die Anzahl Betriebe abnimmt, inzwischen seien es weniger als 40 Trocknungsbetriebe. Auch bei Bürli wird zu zwei Drittel Gras und nur zu einem Drittel Mais getrocknet.
Top grün – top Qualität
In einem gemeinsamen Merkblatt von 2024 unter diesem Titel weisen die Hafl und der Verband der Trocknungsbetriebe auf die Vorzüge von künstlich getrocknetem Wiesenfutter hin: So ermögliche die rasche Heissluft-Trocknung nur geringe Nährstoffverluste.
Der Gehalt an pansenstabilem Eiweiss nehme im Vergleich zu frischem Futter um rund einen Drittel zu. In Trockenfutter seien 30 bis 40 Prozent des Eiweisses pansenstabil. Trockengras sollte einen Rohproteingehalt von mehr als 180 g/kg TS erreichen. Besonders geeignet seien Luzerne- und Klee-Raigras-Mischbestände.
In der Fütterung gilt Trockengras als Grundfutter und schmackhaftes Lockfutter. Das sei ein ideales Beifutter für die Pansenentwicklung beim Aufzuchtrind und bei Hochleistungskühen mit hohem APD-Bedarf. Erhöht werde die Versorgung an Beta-Carotin und verbessert werde die Fruchtbarkeit und Stickstoffverwertung beim Tier.
Im Frühjahr produziertes Trockengras sei reich an Zucker und somit Energie. Eine Zufütterung zu frischem, eiweissreichem Wiesengras verbessere die Milchproduktion und den Fleischansatz. Im Herbstgras hingegen seien die RP-Gehalte besonders hoch. Die Fütterung in der Winterration ermögliche so, Kraftfutter einzusparen.