Es kam anders als geplant. Als René Ritter sein erstes Video auf Youtube stellte, wollte er damit die Direktvermarktung seiner Hofprodukte in Schwung bringen. Sechs Jahre, 40 000 Follower und acht Millionen Aufrufe später ist seine Online-Präsenz zum Betriebszweig und er selbst ein Agrarfluencer geworden. «Man könnte auch einfach sagen, ein Bauer, der filmt», erklärte der Landwirt vom Leimhof in Wenslingen als Gastredner an der Delegiertenversammlung der Aargauer Landfrauen in Magden.

«Reels auf Instagram sind die Währung» 

Bei der Arbeit zückt Landwirt Ritter immer mal wieder die Handy- oder GoPro-Kamera, produziert Videos und Reels, mit denen er verschiedene Kanäle bedient. «Reels auf Instagram sind die Währung», sagte er, dort erreiche er mit 60 bis 90 Sekunden kurzen Beiträgen die meisten Menschen. 200 000 haben beispielsweise gesehen, wie unnötig er Spargeln ausserhalb der Saison findet.

«Ein klarer Gedanke, direkt und frech, schnelle Schnitte, unbedingt Untertitel», fasste der Agrarfluencer die wichtigsten Punkte für Instagram zusammen. Auf Youtube dürfen die Videos schon mal 10 Minuten lang sein, «da kann ich eine Botschaft transportieren», allerdings bei deutlich tieferen Aufrufzahlen als auf Instagram. Tiktok sei ähnlich wie Instagram, «aber mit mehr Chaos und Blödsinn».

Obwohl die Schweiz klein ist, hätte es für mehr Agrarfluencer(innen) Platz

Ritters Tipp an alle, die sich Aufmerksamkeit in den Sozialen Medien wünschen: «Schaut, wie die Plattformen funktionieren und entscheidet euch für eine. Zeigt, was ihr macht, spielt nichts vor. Es muss nicht immer spektakulär sein.»

Die Anzahl an Agrarfluencern in der Schweiz ist klein, gemäss Ritter hätte es Platz für neue Leute - «ganz besonders für Frauen».  Die seien zwar auf den Sozialen Medien unterwegs, würden sich aber zu wenig exponieren. «Viele machen schöne Fotos und gute Texte, aber ohne ihr Gesicht zu zeigen – da gibts ein Riesenpotenzial.» Die Landwirtschaft brauche Gesichter und Marken, um eine Verbindung zu den Konsumentinnen und Konsumenten herzustellen. Er mache seine Beiträge natürlich nicht nur für die Schweizer Landwirtschaft, sondern auch für seinen Betrieb – «aber die Branche profitiert mit.»

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Hof und Stall muss ordentlich geführt werden

Das Leben als Influencer hat Nebenwirkungen. «Negative Kommentare musst du einordnen können.» Dass René Ritter als exponierter Landwirt ins Fadenkreuz von extremen Personen geraten könnte, macht ihm keine Bauchschmerzen. «Ich habe eine gute Rechtsschutzversicherung.» Aber natürlich müsse alles stimmen auf dem Hof und im Stall, «Kühe mit Dreckrollen liegen nicht drin.»

«Schenkt euch gegenseitig Wertschätzung und Anerkennung, egal, wie verschieden ihr seid», riet Andrea Hochuli den Aargauer Landfrauen in Magden, wo sie als Präsidentin durch die Delegiertenversammlung führte.

Weiterbildung und gesellige Treffen, politische Themen und Reisen standen 2025 auf dem Programm. Im laufenden Jahr sei nebst den geplanten Anlässen erfahrungsgemäss mit einigen spontanen Einsätzen zu rechnen, stellte Andrea Hochuli in Aussicht: «Wenn es pressiert und trotzdem funktionieren muss, werden die Landfrauen angefragt.»

Bäuerinnen aus der gesamten Schweiz treffen sich in Lenzburg AG

Ende April reisen Bäuerinnen und Landfrauen aus der ganzen Schweiz für zwei Tage in den Aargau: Der ALFV ist Gastgeberin der Delegiertenversammlung des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands in Lenzburg. Dank Sponsorengeldern steht eine kostenneutrale Durchführung in Aussicht.

Die Kassierin Therese Meier kündigte ihren Rücktritt auf nächstes Jahr an. Eine Nachfolgerin ist gesucht, ebenso eine neue Betreuerin für die Webseite und den Social-Media-Auftritt des ALFV.

20 Aargauerinnen haben im vergangenen Jahr den Fachausweis Bäuerin erworben; an der Versammlung wurden sie geehrt. Als einzige hat Marlen Etterlin aus Benzenschwil die Höhere Fachprüfung abgeschlossen.