Rahel Stocker wurde als junge Frau in neue Sportkleider eingekleidet, dann im Helikopter auf den Piz Palü oder andere Berggipfel geflogen, um dort Werbeaufnahmen mit der neuen Kollektion aufzunehmen.

Sie liebte die Zeit mit viel Action

Wie kam die heute 37-jährige Bauerntochter zu solchen Erlebnissen? Im Bauernhaus, wo sie heute mit ihrem Mann Christoph und ihren drei Töchtern lebt, erzählt sie von ihrer Jugend: «Ich liebte als Mädchen den Sport und wusste früh, dass ich ihn zum Beruf machen würde», sagt sie. 

Zielbewusst studierte sie Sportwissenschaften an der Uni Bern. Während des Studiums arbeitete sie für bedeutende Sportartikelhersteller. Nach Abschluss des Studiums fand sie eine Anstellung im Sportmarketing. «In dieser Zeit erlebte ich viel Action, auch mit Helikopterflügen. Ich liebte diese erlebnisreiche Zeit», erzählt sie.

Dann lernte sie ihren heutigen Ehemann Christoph kennen, der heute Vater ihrer drei Mädchen ist. «Durch die Liebe fand ich den Weg zurück in die Landwirtschaft, und das ist schön so», sagt sie bestimmt.

Jugend im Dorf als Bauernmädchen

Aufgewachsen ist Rahel Stocker auf einem Bauernhof in Rüfenach, in der Nähe von Brugg. 1988 gebar ihre Mutter Vierlinge, was damals für Schlagzeilen sorgte. 

Sie empfand ihre Jugend als Teil der Vierlinge als normal. «Ich kannte ja nichts anderes», betont Rahel Stocker. Erst als sie selbst das erste Mal Mutter wurde, fragte sie sich, wie ihre Eltern es mit Vierlingen geschafft haben. «Sie haben das grossartig gemacht», sagt sie über ihre Eltern.

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Sie ist nicht die klassische Bäuerin

Nach der Geburt ihrer ältesten Tochter bildete sie sich zur Lehrerin weiter. Heute arbeitet sie in einem 50-Prozent-Pensum als Sportlehrerin an der Oberstufe. Sie sieht sich nicht als die klassische Bäuerin, sondern genauso als Lehrerin ihrer Schulklassen in Möhlin und als Mutter ihrer drei Mädchen: der zehnjährigen Hannah, der achtjährigen Lea und der vierjährigen Yara. 

Das Bauernhaus und der Stall von Stockers 31-Hektar-Hof sind eingeklemmt in die Häuserzeile im Dorf Obermumpf. Als Vorteil dieser Lage bezeichnet sie die Nähe zu Einkaufsladen und Schule sowie den täglichen Kontakt zur Dorfbevölkerung. «Viele Familien wählen unseren Stocker Hof als Ziel der Spaziergänge, denn bei uns gibt es für Gross und Klein täglich Neues zu sehen», weiss Rahel Stocker.

Aussiedlungspläne hängen in den Sternen

Im spontanen Gespräch könne man interessierten Leuten die Arbeiten auf dem Hof erklären, und so hätten sie schon neue Kunden für den Rindfleisch-Direktverkauf gefunden. Negativ sei, dass man unter Beobachtung arbeite und mit den Landwirtschaftsmaschinen auf engem Raum manövrieren müsse. Die Dorfbewohner müssen dafür Lärm und Gerüche von Mist und Gülle erdulden. 

«Wir schmieden schon seit 12 Jahren Pläne für einen Neubau des Rindviehstalles ausserhalb des Dorfes, aber zurzeit ist alles gestoppt wegen der Planung der neuen Bau- und Nutzungsordnung in der Gemeinde», erklärt die junge Frau.

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Familien, Mütter und Freunde helfen mit

Neben dem Rindfleisch in Mischpaketen verkaufen Stockers Trockenwürste und saisonale Produkte. Je länger, je mehr seien aber Bauernhof-Erlebnisse wie Lama-Trekking mit ihren sechs Lamas inklusive einer Verpflegung vom Hof, Kinder-Geburtstage und sogar Hochzeiten auf dem Hof gefragt. 

Wie schafft Rahel Stocker den Spagat zwischen ihren Rollen als Mama, Bauersfrau und Lehrerin? «Ohne die Mithilfe meiner Schwiegereltern, meiner Eltern und vieler Freunde wäre das nicht zu schaffen», meint sie realistisch. Trotz guter Planung nehme hie und da das Chaos überhand. So komme es vor, dass auch die Kinder der Sportlehrerin ohne Turnzeug in der Turnhalle auftauchen.

Instagram-Kanal als Werbung

Gerne arbeitet Rahel Stocker auch auf dem Hof mit, denn das sei ein guter Ausgleich zur Tätigkeit als Lehrerin. Für sie bedeutet die Arbeit mit Schafen, Lamas, Eseln, den Hühnern und dem Rindvieh pure Erholung. Auch liebt sie körperliches Arbeiten wie Zäune ziehen für die Schafe oder draussen auf dem Feld mitanpacken. 

Ihr Wissen aus dem Sportmarketing setze sie heute für die Direktvermarktung ein, bei der Organisation von Anlässen auf dem Hof oder für den Instagram-Kanal des Stocker Hofs.

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Bei Sport, in der Natur, bei Treffen mit Freunden und bewussten Momenten mit ihrer Familie tankt die dreifache Mutter neue Energie. Familienzeit wird bewusst eingeplant und dann genossen. Eine Woche Skiferien gehört in den Jahresplan, aber es reichte auch schon für Ferien am Meer. 

Wichtig ist Rahel Stocker auch, ihren Töchtern neben der Leidenschaft für die Landwirtschaft vorzuleben, auch den Blick für Musik, Sport und Kultur zu öffnen.

Fragen an Rahel Stocker
 
Was möchten Sie sich abgewöhnen?
Zuviel Schokolade aufs Mal essen. Und mir zu viel aufs Mal vornehmen.

Wie belohnen Sie sich selbst?
Ich nehme mir Zeit für mich selbst, für den Sport und das Zusammensein mit Freunden.

Ihr Rezept für Entspannung?
Mit frischer Luft und Bewegung kann ich den Kopf abschalten und Ruhe finden.

Welche Tätigkeiten im Alltag erachten Sie als sinnlos?
Aufräumen, wenn unsere aktiven Kinder Hannah, Lea und Yara im Haus sind.

Was ist Ihnen in einer Beziehung wichtig?
Vertrauen ineinander, Humor und Ehrlichkeit.

Welches Menü gelingt Ihnen immer?
Die Schwarzwäldertorte. Ist ja eigentlich logisch, denn als ledig hiess ich Schwarz.