Es ist ein unüblich ruhiger Montagmorgen für Daniela Bissegger. Ihr Mann, Viehhändler Linus Bissegger, ist um sechs Uhr morgens ins Bernbiet losgefahren, um bei verschiedenen Bauern Kühe zu kaufen. Die Töchter, die neunjährige Lisa und die Zwillinge Emma und Tessa, bald fünfjährig, sind in der Schule und im Kindergarten. Zwei Mitarbeiter sind unterwegs, einer ist in den Ferien. Nur Hofhündin Laika sprüht auf dem Vorplatz vor Energie – passend zu ihrem Alter von vier Monaten.
Zwischen Familie, Viehhandel und Praxis
«Eigentlich wäre ich jetzt in der Praxis», sagt die selbstständige Hypnosetherapeutin und gönnt sich in der Küche den ersten Kaffee des Tages. Sie behandelt etwa gleich viele Frauen wie Männer und besonders gerne Kinder. «Jedes Thema, das man bei ihnen jetzt schon lösen kann, belastet sie später im Erwachsenenleben nicht mehr.» Viele Klientinnen und Klienten kommen mit Schlafproblemen, mit innerer Unruhe, mit alten Geschichten, die sich festgesetzt haben.
Was moderne Hypnosetherapie wirklich ist
«Hypnose ist nicht wie das, was man aus Fernsehsendungen oder Filmen kennt», erklärt die Thurgauerin. «Es geht nicht darum, jemanden willenlos zu machen oder dass er plötzlich umkippt.» Sie beschreibt es lieber mit einem einfachen Bild: dem Moment kurz vor dem Einschlafen, wenn der Körper ruhig wird und Gedanken freier fliessen. Man hört, dass das Telefon klingelt, aber man hat keine Lust mehr, aufzustehen.[IMG 2]
«Eigentlich geht es bei der Hypnose darum, das kritische Denken zu umgehen, um im emotionalen Bereich ein unerwünschtes Gefühl positiv zu verändern. Wir versuchen immer, eine positive Ressource anzuzapfen.» Sie macht eine Geste in Richtung der Journalistin: «Wir würden zum Beispiel einen Moment suchen, wo du richtig stark und glücklich warst. Wir würden dann schauen, wie diese starke Person dir in Momenten helfen könnte, in denen es dir nicht gut geht.»
Hypnosetherapie bei Angst und Trauma
Ein praktisches Beispiel: Eine Frau hatte einen schweren Autounfall. Die Klientin hatte den Unfall nicht verschuldet – aber nachher ging nichts mehr. Sie sagte: «Ich kann nicht mehr Autofahren. Wenn ich nur daran denke, bekomme ich Panik.» Den Unfall ungeschehen machen könne niemand. «Aber wir konnten daran arbeiten, dass sie zuerst wieder ins Dorf fahren konnte, und dann Schritt für Schritt weiter», erzählt die Thurgauerin.
Von der Pharmaassistentin zur Hypnosetherapeutin
Zur alternativen Medizin fand Daniela Bissegger über eigene Erfahrungen. Sie machte erst gute Erfahrungen mit Kinesiologie. «Aber Hypnose hat mir bei meinen eigenen Themen am besten geholfen. Das geht richtig tief.» Sie absolvierte die Ausbildung zur Hypnosetherapeutin in Bern und eine Zusatzausbildung für Kinder. Gerne würde sie künftig auch Ernährungsthemen mit Hypnose angehen.
Als Jugendliche stand Daniela Bissegger alternativen Methoden eher skeptisch gegenüber. Sie absolvierte die Lehre zur Pharmaassistentin. «Damals waren Menschen, die Homöopathie und Bachblüten einsetzen, für mich Birkenstock-Träger mit Wollsocken. Heute wende ich beides selbst in der Praxis, zu Hause und bei uns im Stall an. Ich mache auch Energiearbeit per Telefon und besuche die Klienten vor Ort, um negative Energien aufzulösen.» Nach der Lehre arbeitete sie bei einer Krankenversicherung, bildete sich zur Personalfachfrau weiter und war später als Beraterin beim RAV tätig. «Ich habe immer gerne mit Menschen gearbeitet», sagt sie.
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Stress, Generationenkonflikte und mentale Gesundheit
Daniela Bisseggers Klienten aus der Landwirtschaft bringen Themen mit, die auf vielen Höfen präsent sind. «Manchmal wird es schwierig, abzuschalten. Das Gefühl, nie fertig zu sein, kennen viele.» Auch Generationenkonflikte begegnen ihr regelmässig. Schwiegermutter und Schwiegertochter, Vater und Sohn. «Die Jüngeren haben oft das Gefühl, dass sie den Erwartungen nicht genügen. Und die Älteren haben Mühe, loszulassen. Es ist ja ihr Lebenswerk.»
Dass sie selbst Bäuerin und auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, hilft: «Ich glaube, die Bodenständigkeit schafft Vertrauen», sagt sie. Eine Kundin habe ihr einmal gesagt, sie komme gerade deshalb zu ihr, weil Daniela nichts mache, was nicht «Hände und Füsse» habe.
Abgrenzung im Therapiealltag: Die eigene Balance halten
Die Sitzungen können intensiv sein, aber Daniela Bissegger hat gelernt, sich abzugrenzen. «Ich bin nicht dafür da, die Probleme zu tragen», sagt sie. «Ich gebe einen Schubs – gehen muss jeder selbst.» Nach jeder Sitzung nimmt sie sich bewusst einen Moment, um wieder bei sich und im eigenen Alltag anzukommen. «Ich bin Daniela, hier und jetzt.»
«Anfangs war ich nur die Frau des Viehhändlers»
Ruhige Tage, wie der heutige Morgen, sind selten. «Heute sind wir nur zu sechst am Mittagstisch. Normalerweise sind wir neun.» Am Abend wird der Lastwagen mit den Kühen aus dem Bernbiet kommen. Und wenn in den nächsten Tagen die interessierten Käufer vorbeikommen, sitzen die Bauern oft nach erfolgreichem Verkaufsabschluss bei Daniela Bissegger in der Küche und trinken Kaffee. «Anfangs war ich nur die Frau von Linus Bissegger, dem Viehhändler», erinnert sie sich. Schon dessen Eltern hatten den Viehhandel aufgebaut. Seit 14 Jahren lebt sie hier auf dem Hof in Berg TG, aufgewachsen ist sie nur 15 Minuten entfernt.
Ihr Mann ist als Viehhändler viel unterwegs. Daniela hält währenddessen vieles zusammen: Buchhaltung, Rechnungen schreiben, Begleitdokumente ausstellen, Telefonate führen, selbst mal drei Kühe ins Tessin fahren. Genauso selbstverständlich steht sie im Stall mit Plätzen für rund 50 Tiere. Das Melken gehört nicht zu ihren Aufgaben, fast alles andere schon. Besonders, wenn ein Tier krank ist. «Da nehme ich mir Zeit», sagt sie. «Vielleicht habe ich einfach etwas mehr Geduld.»
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Wenn eine Krankheit plötzlich alles verändert
Eine besonders herausfordernde Zeit erlebte die Familie, als ihr Mann wegen einer durch einen Zeckenbiss ausgelösten Hirnhautentzündung plötzlich ins Spital musste und zeitweise auf der Intensivstation lag. «Das war wirklich nicht lustig», sagt Daniela Bissegger rückblickend. Auf dem Hof lief der Betrieb weiter, die Tiere mussten versorgt, Entscheidungen getroffen und Abläufe organisiert werden. «In solchen Momenten merkt man, was man sich über die Jahre alles angeeignet hat», sagt sie. Weil sie bereits in viele Bereiche eingebunden war, konnte sie vieles auffangen. Die Mitarbeitenden wussten, was zu tun war, und halfen, wo sie nur konnten. Familie und Freunde waren in dieser Zeit eine wichtige Stütze. Ihr Mann war zum Glück bald wieder ansprechbar, sodass sie ihn fragen konnte.
In einem Viehhandelsbetrieb gehen und kommen die Tiere. «Für die Kinder ist es manchmal etwas schwierig, wenn sie eine Kuh gernhaben, und sie bald wieder weg ist. Ich bin ganz anders aufgewachsen, im Stall meines Vaters hatte ich immer eine Lieblingskuh.» Als sie damals ihren Mann kennenlernte, hat sie sich gefragt, wie man vom Viehhandel leben könne. «Mein Vater hat immer alle Kühe selbst nachgezogen und nie eine zugekauft.»
Liebesgeschichte: Wie alles begann
Und wie verlief die Liebesgeschichte ganz genau? Daniela Bissegger lacht. «Ganz schlau hat Linus gesagt, er habe ein Problem mit einem Mitarbeiter und ob er mich mal anrufen dürfe. Bei solchen Personalthemen konnte man mich immer holen», erzählt sie. Aus dem «Problem» wurden Telefonate, Treffen – und irgendwann ein gemeinsames Leben. «Er war hartnäckig», erinnert sie sich.
Zwischen Verantwortung und Selbstfürsorge
Zeit für sich selbst zu haben, ist neben Familie, Betrieb und Praxis nicht selbstverständlich. Früher war Daniela Bissegger im Turnverein stark eingebunden, leitete Gruppen und machte Choreografien. Vor Kurzem hat sie das Amt bewusst abgegeben. «Ich war noch nie einfach nur Mitglied in einem Verein», sagt sie. «Jetzt ist es ein Lernprozess, einmal nicht überall Verantwortung zu tragen.»
Sie wünscht sich in Zukunft wieder mehr Zeit für soziale Kontakte: «Irgendwann haben auch die besten Freundinnen kein Verständnis mehr, dass Daniela immer viel zu tun hat.» Während intensiver Familien- und Betriebsphasen seien Freundschaften manchmal zu kurz gekommen. «Man telefoniert zwar, aber sich wirklich zu sehen, ist etwas anderes», sagt sie. Heute versucht sie, regelmässig Zeit für Treffen einzuplanen – oft unkompliziert am Vormittag bei einem Kaffee, wenn der Alltag auf dem Hof es zulässt.
Früher war sie viel unterwegs, ging bergsteigen und war gerne auf längeren Touren. «Heute würde ich mich das wegen der Verantwortung gar nicht mehr trauen.» Durch die drei Vollzeitmitarbeiter liegen aber schon mal ein paar Tage Skiferien drin. «Meinen Mann bringt man sogar an den Strand, aber nach ein paar Tagen braucht er dann wieder Kühe.»
Zukunftswünsche trotz vollem Alltag
Lange Abwesenheiten lässt der Betrieb nicht zu. Trotzdem gibt es Wünsche: einmal den Schwager auf seiner Rinderfarm in Brasilien besuchen, vielleicht auch eine Reise nach Kanada zur Tante. «Sie ist schon über 80. Man verschiebt solche Dinge schnell», sagt Daniela Bissegger. «Aber irgendwann sollte man sie einfach machen.»
Fragen an Daniela Bissegger
Hypnosetherapie in einem Satz erklärt?
Die kritischen Instanzen werden umgangen, um im emotionalen Bereich ein Gefühl verändern zu können.
Wann haben Sie sich zuletzt geärgert?
Letzte Woche im Migros über einen ungeduldigen Herrn, der unfreundlich zur Kassiererin war.
Was ist Ihnen in einer Beziehung wichtig?
Respekt, Unterstützung und sich für den anderen freuen zu können.
Was würden Sie gerne besser können?
Zeichnen.
Wohin würden Sie gerne reisen?
Ich würde wirklich gerne noch einmal meine Tante in Kanada besuchen.