Während ihrer Primarschulzeit ist Nadine Lützelschwab auf einem Bauernhof aufgewachsen, später in dörflicher Umgebung. Erst mit 16 Jahren fand sie zurück zur Landwirtschaft: Ein Agriviva-Einsatz führte die gebürtige Aargauerin nach Solothurn auf einen Mutterkuhbetrieb.
Dort blieb sie während neun Jahren, zuerst im Landdienst, später als Angestellte. Dazwischen besuchte Lützelschwab die Fachmittelschule mit dem Ziel, anschliessend Agronomie zu studieren.
Zurück zum väterlichen Betrieb
«Das war mir aber doch etwas zu viel Schule», meint Nadine Lützelschwab schmunzelnd. Also wurde sie auf dem zweiten Bildungsweg Landwirtin und hängte gleich noch die Betriebsleiterschule an. Wegen familiärer Veränderungen führte der Weg der jungen Landwirtin wieder zurück auf den väterlichen Betrieb, auf dem sie aufwuchs. Dort leitete sie für zwei Jahre die hofeigene Bäckerei.
Dann erfolgten die ersten Anfragen, ob sie auf anderen Betrieben aushelfen könne, und die Idee reifte, sich als Betriebshelferin selbstständig zu machen. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch an den gesetzlichen Vorgaben.
Keine praktikable Möglichkeit
«Das Problem ist wohl, dass ich nicht mit meinen eigenen Mitteln arbeite», erklärt Lützelschwab. Sie hätte eine GmbH gründen müssen, oder aber sich von jedem Betrieb einzeln anstellen lassen.
Beides erwies sich für Lützelschwab als wenig praktikabel. Die GmbH müsse über viele Jahre aktiv gehalten werden, damit sie sich rentiere. Da Lützelschwab parallel einen eigenen Hof zum Kaufen oder Pachten sucht, weiss sie nicht, wie lange sie weiter als Betriebshilfe arbeitet.
Sie schätzt die Abwechslung
Eine andere Lösung musste her – und Lützelschwab fand sie beim Maschinenring. So hat sie die Möglichkeit, genau das zu tun, was sie gerne macht: Auf verschiedenen Betrieben arbeiten. Der administrative Aufwand bleibt dabei für beide Seiten gering.
Lützelschwab füllt lediglich die Stundenrapporte aus und trifft die Vereinbarungen mit den Betriebsleiter(innen), während diese keine Anstellung vornehmen müssen, sondern die Rechnung über den Maschinenring erhalten.
Auch der Betriebshelferdienst wäre eine Option gewesen. Dagegen entschied sich die junge Landwirtin bewusst, da sie es schätzt, nicht für Wochen oder Monate auf demselben Betrieb eingesetzt zu sein.[IMG 2]
Vom Kaninchenmisten bis zur vollständigen Betriebsführung
Die Einsätze koordiniert Lützelschwab selbst, ebenso wie die Akquise der Landwirt(innen), die Unterstützung benötigen. Dies geschieht sowohl über Mund-zu-Mund-Propaganda als auch über die Sozialen Medien. Sie bietet ihre Arbeit an oder reagiert auf entsprechende Gesuche.
Das Einsatzspektrum ist breit: von regelmässigen Einsätzen bis hin zu kurzfristigen Anfragen, etwa wenn sich das Silieren verzögert und im Stall Unterstützung benötigt wird. Besonders gerne arbeitet sie in der Tierhaltung: Melken, Kälber und Rinder betreuen, Pferdeställe misten und sich um Kleintiere kümmern. Die Einsätze reichen von punktueller Aushilfe bis zur vollständigen Betriebsführung während Ferienabwesenheiten.
Möglichst viele Erfahrungen sammeln
«Ich finde es cool, dass ich so viele unterschiedliche Betriebe und Abläufe kennenlernen darf.» Damit sammle sie Erfahrungen für ihren eigenen Betrieb. So könne sie lernen, was für sie funktioniere, und wisse auch, was sie vielleicht weniger umsetzen werde.
Das bedingt aber auch, dass sich Lützelschwab schnell einarbeiten kann – denn jeder Betrieb ist anders. Traktoren und Maschinen lässt sie sich jeweils zeigen. Manchmal fährt sie einmal mit, damit sie weiss, wie die Arbeit ausgeführt werden soll und was die Eigenheiten der Parzellen sind. Entscheidend ist für sie das gegenseitige Vertrauen: «Wenn der Landwirt oder die Landwirtin sagt: ‚Es ist schön, dass du da gewesen bist‘, dann habe ich alles richtig gemacht.»