Die seit den 2000er-Jahren im Einsatz stehende Agricola-Software zur Anmeldung für die Direktzahlungen platzte buchstäblich aus allen Nähten. Ein Update reiche dafür nicht. Es war eine grosse Programmerweiterung nötig.

Umstellung auf neues System

Im darauffolgenden Submissionsverfahren entschieden sich die Agricola-Kantone, die im Agricola-Pool zusammengefasst sind, für das Software-Unternehmen Softec mit Sitz in Steinhausen ZG. Die neue Fachapplikation heisst Lawisplus und ersetzt das bisherige Agricola. Lawisplus basiert teilweise auf der Programmapplikation Lawis (auch von Softec entwickelt), die schon in sechs Kantonen (BL, BS, LU, SH, TG, ZG und dem Land Liechtenstein) für den Vollzug der Direktzahlungen im Einsatz ist.

Erfassung von Flächendaten

Der Kanton Schwyz hat als erster Kanton schon 2025 auf Lawisplus umgestellt. Heiri Niederberger, Leiter Direktzahlungen, sagt: «Der Einstieg zur Datenerhebung erfolgt wie bisher über Agate. Gewöhnen mussten sich Bäuerinnen und Landwirte an die etwas angepasste Erfassungslogik bei den Flächendaten.» Ueli Frey, Direktzahlungsverantwortlicher des Kantons Aargau, ergänzt: «Lawisplus ist sehr ähnlich aufgebaut wie das agriPortal und dürfte nach kurzer Angewöhnungszeit gut und intuitiv bedienbar sein.» Auch stehe den Nutzerinnen und Nutzern ein Assistent zur Verfügung, der Schritt für Schritt durch die Erfassungsprozesse führe. Die Betriebsdaten wie Adressen, Flächen, Beitragsprogramme und Gesuche werden für jeden Betrieb aus dem bisherigen agriGIS in die neue GIS-Umgebung von Lawisplus übernommen.

Gestaffelte Eingabetermine

Die zwölf Kantone, die auf das neue Agrarinformationssystem umsteigen, begannen gestaffelt am 6. Februar mit der Strukturdatenerhebung. Allen Betriebsleitenden wird von ihrem Kanton der genaue Zeitraum mitgeteilt, teils sind sie auch auf der jeweiligen Homepage ersichtlich. Während in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden die Datenerhebung für die direktzahlungsberechtigten Betriebe am 14. März endet, beginnt sie im Kanton St. Gallen am 13. März und dauert bis zum 31. März. Der Kanton Zürich ist mittendrin, die Erhebung begann 6. März und endet am 1. April 2026. Im Kanton Aargau ist der Beginn auf den 30. März festgelegt, die Frist endet am 30. April.

Wer hilft, wenn Fragen auftauchen

«Anhand der Wegleitung kamen die Bauernfamilien im Kanton Schwyz 2025 und 2026 mit Lawisplus gut zurecht. Unser Beratungsaufwand war nicht erheblich höher als in den Vorjahren – zumal es jährlich zu Verordnungsänderungen kommt, es bei den Direktzahlungen um viel Geld geht und jeder Betriebsleiter auf Nummer Sicher gehen will», sagt Heiri Niederberger. Schulungsvideos erstellten die Kantone gemeinsam und stellen sie den Bewirtschaftenden zur Verfügung. Dazu kommen in allen Kantonen eigene Unterstützungsangebote. So bieten die Kantone St. Gallen, Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden zusammen vier Online-Schulungen für die Landwirtinnen und Landwirte an. Darin wird insbesondere die Anwendung der GIS-Werkzeuge geschult. Zusätzlich hat der Kanton St. Gallen speziell für alle Obstbauern im Kanton eine Schulung angeboten, um dem Mehraufwand zur Erfassung der Obstsorten gerecht zu werden.

Der Kanton Aargau informiert die Landwirtinnen und Landwirte an zwei Online-Infoveranstaltungen am 31. März und am 16. April. «Die Bauernfamilien nutzen dieses Angebot. An analogen Online-Veranstaltungen in den Vorjahren hatten jeweils rund 600 Personen teilgenommen», erklärt Ueli Frey. Support leisten in allen Kantonen die Abteilungen für Direktzahlungen. Erste und wichtigste Supportstellen für die Landwirtinnen und Landwirte sind die Gemeindeverantwortlichen Landwirtschaft, die vorgängig an ganztägigen Instruktionsveranstaltungen geschult wurden.

Hohe Kosten in den Kantonen

Wahrscheinlich sei die Umstellung auf Seiten der Amtsstelle herausfordernder als für die Landwirtinnen und Landwirte, meint Heiri Niederberger augenzwinkernd. Die grösste Herausforderung sei es gewesen, die Daten vom alten System ins Lawisplus zu übernehmen. Den Aufwand bestätigt auch Bruno Inauen, Leiter Landwirtschaftsamt Kanton St. Gallen: «Die Aufwände sind sowohl personell als auch finanziell für die Migration und Neuprogrammierung recht hoch.»

Die Beschaffung und die Finanzierung des neuen Agrarinformationssystems erfolgen gemeinschaftlich durch die zwölf beteiligten Agricola-Kantone. Diese Gesamtkosten werden unter den zwölf Kantonen nach einem Verteilschlüssel aufgeteilt. Genauere Angaben über die Kosten gibt Mario Bürgler, Vorsteher Amt für Landwirtschaft des Kantons Schwyz und Auftraggeber des neuen interkantonalen Agrarinformationssystem, nicht bekannt. Nur so viel, dass die externen Kosten für Entwicklung und Implementierung von Lawisplus im Budget seien und bis heute eingehalten wurden.

Mario Bürgler weist zudem auf die Vorteile der zeitlichen Staffelung des Erhebungszeitraumes hin: «Vorteilhaft ist, dass sich die Mitarbeitenden über ihre Kantonsgrenzen hinaus gegenseitig austauschen und unterstützen können.» Ziel des Projekts sei es, die Vollzugsprozesse langfristig effizienter und einfacher zu gestalten. «Gleichzeitig bietet das neue System den beteiligten Kantonen die Möglichkeit, ihre Vollzugsprozesse künftig auf einer gemeinsamen Systemgrundlage gezielt zu harmonisieren», so Bürgler abschliessend.