Nach dem, was in Crans-Montana VS zum Jahresanfang geschehen ist, rückt der Brandschutz vielerorts in den Fokus. Auch Ruedi Engg, der seinen wahren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat sich seine Gedanken gemacht.
Auf dem Betrieb in die Prävention investiert
Da sich der Landwirt in der lokalen Feuerwehr engagiert, hat er in Einsätzen und Übungen schon viele mögliche Brandursachen gesehen und in die Prävention auf seinem Betrieb investiert. «Wir haben eine Solaranlage mit Batteriespeicher», gibt er ein Beispiel. «Die Technikräume sind mit Brandabschnitten abgetrennt. Wenn es dort ein Feuer gibt, bleibt es also begrenzt.» Im Betriebsbüro und anderen Räumen hat Ruedi Engg Rauchmelder installiert – er plädiert dafür, sich mögliche Gefahrenherde bewusst zu machen. Nicht selten seien etwa Elektrobrände. «Beim Bau der Solaranlage haben wir daher unsere 30-jährige Stromversorgung ersetzen lassen.»
Gefahren erkennen und Massnahmen ergreifen
Landwirtschaftsbetriebe können durch Eigenverantwortung und die Einhaltung der Sorgfaltspflicht sehr viel zur Brandverhütung beitragen. Darin sind sich die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) und die Beratungsstelle für Brandverhütung (BFB) einig. «Die Bereitschaft, mögliche Gefahren zu erkennen und diese mit geeigneten Massnahmen zu eliminieren, ist die wichtigste Voraussetzung zur Vermeidung von Bränden», ist Daniel Röösli, Bereichsleiter BFB, überzeugt.
Zahlreiche Bereiche betreffen die Landwirtschaft
BUL und BFB sind dabei, alle für die Landwirtschaft relevanten Brandschutzthemen aufzuarbeiten und praktische, gut anwendbare Ratschläge zu erstellen. Einzelnes ist bereits verfügbar (siehe Link am Ende des Textes). Allerdings haben Landwirtschaftsbetriebe sehr viele Aspekte, die für den Brandschutz von Bedeutung sein können. Daher betreffen sie mit grosser Wahrscheinlichkeit die Brandschutzrichtlinien in einer ganzen Reihe von Bereichen:
- Brandverhütung und organisatorischer Brandschutz
- Baustoffe und Bauteile
- Verwendung von Baustoffen
- Brandschutzabstände und Tragwerke Brandabschnitte
- Flucht- und Rettungswege
- Löscheinrichtungen
- Blitzschutzsysteme
- Wärmetechnische Anlagen
- Lufttechnische Anlagen
- Gefährliche Stoffe
Die Top-3-Brandverhütungstipps von BUL und BFB sind hingegen einfach:
- Blitzschutzsystem installieren
- Elektrische Geräte und Installationen prüfen lassen
- Feuerungsanlagen prüfen lassen
Notfallplan, wenn es doch einmal brennen sollte
«Rund 9000 Betriebe sind der Branchenlösung Agritop angeschlossen und setzen das Sicherheitssystem um», sagt Heinz Feldmann, Sicherheitsfachmann bei der BUL. Dieses System umfasse auch ein Notfallkonzept, das präventive Massnahmen zur Brandverhütung und ein Vorgehen im Notfall beinhaltet. Ein Notfallplan soll helfen, Schäden an Menschen, Tieren und Sachwerten zu minimieren, sollte es tatsächlich einmal brennen. «Dies bedingt aber, dass alle Personen wiederkehrend instruiert sind, wie sie sich verhalten müssen und was im Falle eines Brandes zu tun ist», ergänzt Daniel Röösli.
Diesel nur in kleinen Mengen in der Maschinenhalle lagern
Die meisten Brände in der Landwirtschaft gehen laut Statistik auf Blitzeinschläge zurück. Auf Platz zwei folgt Elektrizität, danach «unbekannte Ursachen» und Feuerungsanlagen. Somit liegen die erwähnten Top-3-Brandverhütungstipps auf der Hand. Heinz Feldmann nennt noch weitere Punkte zur Brandprävention in der Landwirtschaft, die eher vergessen gehen. «Die auf den Betrieben verwendeten Brennstoffe aller Art sind im Brandfall gefährliche Brandbeschleuniger», schildert er. Sie sollten daher übersichtlich und geordnet sowie getrennt von leicht brennbaren Materialien gelagert werden. Diesel für den Traktor beispielsweise darf nur in kleinen Mengen in zugelassenen Behältern in der Maschinenhalle stehen, grössere Vorräte gehören zum Lagern in separate, brandgeschützte Gebäudeteile.
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Vorsicht und Nachsicht bei Heissarbeiten
«Präventive Massnahmen bei Heissarbeiten wie Flexen, Schmirgeln und Schweissen bedingen eine gute Arbeitsvorbereitung, Durchführung und anschliessende Überwachung oder Kontrolle», sagt Heinz Feldmann weiter. Eine der Empfehlungen hierbei lautet, bei der Vergabe von Aufträgen eine Firma zu wählen, die Erfahrung hat mit der Arbeit auf Landwirtschaftsbetrieben. Nach Heissarbeiten sollte eine Brandwache eingesetzt werden, bis keine Brandgefahr mehr besteht. Bei Arbeiten mit offener Flamme ist die Rede von mindestens vier Stunden, nach funkenbildenden Arbeiten von mindestens zwei Stunden, in denen der Arbeitsplatz im Auge zu behalten ist. Alternativ kann man den Bereich mit einer Wärmebildkamera auf Hitze und Glutnester überprüfen.
«Keine Provisorien im Bereich Elektrizität»
Punkto Stromversorgung rät Heinz Feldmann, elektrische Installationen regelmässig von Auge selbst zu kontrollieren. Festgestellte Mängel und Beschädigungen sollten Landwirt(innen) umgehend von einer Fachperson in Stand setzen lassen. «Keine Provisorien im Bereich Elektrizität erstellen», betont der Sicherheitsfachmann. Viele alte Gebäude haben nur wenig Steckdosen. Mehrfachstecker und Steckleisten können da Abhilfe schaffen, bergen aber die Gefahr einer Überlastung. Entweder löst das dann die Sicherung aus. Oder aber – bei dauerhaft maximaler Belastung – es kann zu Schäden und somit Brandgefahren kommen. Daher die aufgedruckte Maximalbelastung von Mehrfachsteckern und Steckdosenleisten nicht überschreiten und nicht mehrere davon hintereinanderschalten. «Mangelnde Ordnung und ungenügende Sauberkeit können im Falle einer Beschädigung elektrischer Installationen einen Brand beschleunigen», so Feldmann weiter. Staub aus Futter oder Einstreu (z. B. aus der Geflügelhaltung) oder auch Spinnweben sind demnach kein rein optischer Makel.
Weniger Brandfälle, aber die Folgen bleiben schwer
Ein weiterer Blick in die Statistiken zeigt, dass in den letzten 15 Jahren die Anzahl der Brandfälle in der Landwirtschaft deutlich zurückgegangen ist. Seit 2016 sind es schweizweit etwa 500 pro Jahr, 2005 war es noch mehr als das Doppelte. Heinz Feldmann führt diese Verbesserung auf wirksame Brandschutzvorschriften zurück. Weitere Faktoren seien Maschinen mit mehr Sicherheitsfunktionen, Blitzschutzsysteme sowie eine höhere Sensibilisierung der Landwirt(innen). Allerdings stagniert die Anzahl landwirtschaftlicher Brandfälle seit 10 Jahren – und die Folgen sind häufig schwerwiegend.
Brandschutzvorschriften in Revision
Die schweizerischen Brandschutzvorschriften befinden sich in Revision. Die Ergebnisse aus der Vernehmlassung bis Mitte Januar und auch die Erkenntnisse aus dem tragischen Brand in Crans-Montana werden laut der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen (VKG) sorgfältig eingearbeitet.
Der Schweizer Bauernverband (SBV) hat sich in der Vernehmlassung für Augenmass eingesetzt, damit Projekte nicht be- oder verhindert werden. Er betont, die Vorgaben und Eigenverantwortung müssten verhältnismässig sein und dürften nicht zu Zielkonflikten führen, etwa mit Tierwohl oder Energiewende (Solaranlagen). Bauten sollten nicht teurer werden. «Die Anforderungen müssen realistisch, flexibel und praxisnah gehandhabt werden, z. B. dem zu erwartenden Verhalten der Tiere angepasst.»
Es ist vorgesehen, die künftigen Brandschutzvorschriften per Herbst 2027 in Kraft zu setzen. Sobald die definitive Version vorliegt, ist auch klar, was an Prävention im Brandfall versicherungsrelevant sein wird und inwiefern sich etwas punkto Verantwortlichkeiten ändert.
Hinweis
BFB und BUL erarbeiten laufend neue Merkblätter zum Brandschutz in der Landwirtschaft: https://www.bfb-cipi.ch/brandverhuetungs-tipps/detail/brandverhuetung-in-der-landwirtschaft

