«Wir wollen Ursachen beheben und nicht Symptome bekämpfen», sagte Marcel Müller, als er am 31. März 2026 den Mitgliedern des Strickhof-Arbeitskreises «Arzneipflanzen im Stall» seinen Ranch Fair-Beef im zürcherischen Freudwil vor. Der Betrieb wird regenerativ bewirtschaftet, wobei nebst der Bodenfruchtbarkeit das robuste und gesunde Tier im Zentrum steht.

Jersey hat die beste Ressourceneffizienz

Marcel Müller hatte den Milchwirtschaftsbetrieb 2019 von seinen Eltern übernommen. Gleich zu Beginn stellte er Martina Ott an, die er seit seiner Jugendzeit kannte. Die Landwirtin sollte fortan für die Tierhaltung zuständig sein. Die beiden teilen ähnliche Vorstellungen und begannen, den Betrieb neu aufzustellen: Dabei entschieden sie nicht nur, auf regenerative Landwirtschaft zu setzen, sondern tauschten auch nach und nach die Braunviehherde durch Jersey-Kühe ein. Nicht nur, weil die leichte Rasse den Boden schont. «Jersey weisen zudem die beste Ressourceneffizienz vor», sagte Ott. Zudem seien sie langlebig und hitzetolerant.

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Milch für Mozzarella nach süditalienischem Rezept

Die Kühe erbringen im Schnitt eine jährliche Leistung von rund 6000 Litern Milch. Der hohe Anteil an Fett und Eiweiss macht sie attraktiv für Marktnischen: Die Milch kann einer regionalen Manufaktur geliefert werden, die Mozzarella und weitere Milchprodukte nach original süditalienischem Rezept herstellt. Von einer anderen Molkerei aus der Region lassen Müllers einmal monatlich aus 350-400 Litern Joghurt produzieren, das sie ab Hof verkaufen. Auch das Fleisch aus den unter anderem mit Limousin gekreuzten Masttieren vermarkten sie teilweise direkt.

Betriebsspiegel Ranch Fair-Beef

Marcel und Irene Müller (Inhaber)

Ort: Freudwil ZH
LN: 30 ha (dazu 15 ha Wald)
Viehbestand: 38 Jersey-Kühe (für Milch und Fleisch), 12 Mastrinder
Ackerbau: Raps, Mais, Eiweisserbsen, Winterweizen, Urdinkel
Bewirtschaftungsart: regenerative Landwirtschaft
Vermarktung: z.T. direkt (z.B. Joghurt, Fleisch, Rapsöl ab Hof)

Gesundheit und Stallklima verbessern

Zur Förderung der Tiergesundheit kommen auf der Ranch Fair-Beef zahlreiche pflanzliche Arzneimittel zum Einsatz. Beispiele dafür sind:

  • Salbeisalz: Zum Trockenstellen erhalten die Kühe Salbeisalz (Mischung aus Viehsalz und zerkleinerten Salbeiblättern) zum Lecken. Dieses hilft, den Milchfluss zu stoppen.
  • Morosche Rüeblisuppe: Diese erhalten Kälber bei Durchfall. Sie sollte gut püriert sein, zudem braucht es einen Nuggi mit genügend Löchern.
  • Tannenbäume: Im Winter können die Kälber zum Schutz gegen Erkältungen an Zweigen knabbern.
  • Apfelessig: Dieser kommt als Kur bei hohen Zellzahlen zum Einsatz.
  • Drenchen: Bei einem E-coli-Viertel wird die Kuh 3–4mal täglich gedrencht (siehe Kasten).
  • Kräuterbolus: Kick für das Immunsystem (z.B. von Animalmed).
  • Aromatherapie: Ätherische Öle kommen bei diversen Gesundheitsthemen zum Einsatz.
  • EM-Vernebler: Dieser verbessert das Stallklima.
  • Ionisierende Lampe: Die negativen Ionen helfen, das Stallmilieu von Feinstaub und Krankheitserregern zu befreien.

11 Koppeln für kurze Beweidungszeiten

Neue Wege geht der Betrieb auch im Futterbau, der möglichst vielfältig sein soll. Auf dem Acker wechseln sich Raps, Mais, Eiweisserbsen, Urdinkel, Winterweizen und Kunstwiese ab. In die Kulturen (ausser dem Mais) kommen Untersaaten. «Diese säen wir ein, Streuen allein reicht nicht», betonte der Landwirt. Zudem haben Marcel Müller und Martina Ott die Naturwiesen neu belebt und aufgewertet, unter anderem mit Schafgarbe, Spitzwegerich und Brennnesseln. Ab diesem Jahr säen sie ausserdem erstmals Futterchicorée an, eine appetitanregende, gerbstoffreiche Pflanze. Auch beteiligen sie sich an einem Weideprojekt des Vereins «Agricultura regeneratio». Dabei werden die Flächen jeweils nur während ein bis maximal zwei Tagen beweidet. Dazu stehen 11 Koppeln zur Verfügung, nicht eingerechnet ist dabei das Weiden auf den Kunstwiesen im Sommer. Die kurzen Beweidungszeiten fördern die Durchwurzelung und die Tragfähigkeit des Bodens. «Sie zieht jedoch auch einen Mehraufwand bei der Zäunung nach sich», räumte die Herdenmanagerin ein.

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Kein grundsätzlicher Verzicht auf Antibiotika

Haben sie nicht eine Umstellung auf Bio im Sinn, wo doch deren Grundsätze mit der regenerativen Landwirtschaft nahestehen? Müller winkte ab: Die Bio-Richtlinien wären ihnen in gewissen Bereichen zu eng gefasst und seien auch nicht sinnvoll. So wolle man etwa nicht per se auf den Einsatz von Antibiotika und konventionellen Pflanzenschutzmitteln verzichten. «Wir halten es lieber mit dem Grundsatz: So viel wie nötig, so wenig wie möglich». Schliesslich würden auch die wenigsten Menschen bei einer Lungenentzündung auf Antibiotika verzichten wollen.

Die Vision von Müller und Ott: Sie würden gerne das Konzept der breiten Futterwahl um Medizinalweiden erweitern. Dabei handelt es sich um Wiesen mit einer breiten Auswahl an gesundheitsfördernden Pflanzen. «Damit sollen die Tiere die Möglichkeit erhalten, genau diejenigen Kräuter auszusuchen, die sie in diesem Moment besonders brauchen», so Ott.

Drenchen bei Coli-Viertel

Martina Ott empfiehlt folgendes Rezept zum Drenchen (Eingeben einer grossen Flüssigkeitsmenge) bei einer Euterentzündung:

30 l Wasser
1 dl -Essig
Kalzium
Ergänzungsfuttermittel Toxfit (nach Fütterungsempfehlung)
evtl. 1 dl Kolostrum

Diese Menge 3–4mal täglich anwenden