Südlich von Graubünden, im Ort Sorte, erstreckt sich der Betrieb von Familie Stern über rund 25 Hektaren, geprägt von Weideflächen und Kastanienwäldern. Die rund 130 Schafe bilden den Kern der Herde. Heute verfügt der Betrieb über zwei Ställe, darunter ein neuer Holzstall, der im Dezember 2025 fertiggestellt wurde und den Tieren moderne Unterbringung sowie ausreichend Platz bietet.
Vom Tierarzt zum Schafhalter
Nach seinem Abschluss in Veterinärmedizin 1996 arbeitete Alberto Stern zunächst als Tierarzt für Grosstiere. «Meine Leidenschaft für Tiere begann mit dem Westernreiten», sagt er. «Damals hatte ich bereits zwei Quarter Horses, und zu den Pferden gehörten für mich von Anfang an auch Hunde – die bald eine Aufgabe zum Hüten brauchten. So führten mich meine Pferde schliesslich zu Schafen und zur Arbeit mit Herdenschutzhunden. Für mich gehört alles zusammen.»[IMG 2]
Aus einem anfänglichen Hobby mit 15 Schafen entstand nach und nach ein Betrieb mit insgesamt 130 Schafen. 2012 reduzierte Alberto seine tierärztliche Tätigkeit auf 60 %, um mehr Zeit dem Hof zu widmen. Elena Stern hat ihre Arbeit als Tierärztin inzwischen ebenfalls aufgegeben und arbeitet heute zu rund 50 % im Betrieb mit.
Herdenschutzhunde als Teil des Betriebs
Neben der Schafhaltung spielen Hunde eine zentrale Rolle. Insgesamt leben 7 Hütehunde und 14 Herdenschutzhunde auf dem Betrieb. Seit 2001 wird mit Herdenschutzhunden der Rasse Pyrenäenberghund gearbeitet, 2015 kamen Kangals hinzu. Alberto Stern züchtet die Hunde selbst und bildet sie für den Einsatz bei den Schafen aus. «Es dauert drei bis fünf Jahre, bis ein Herdenschutzhund und eine Schafherde wirklich eingespielt sind», erklärt er.
Die Hunde sind heute fester Bestandteil des Betriebsalltags. Angesichts der lokalen Wolfspopulation wäre eine Schafhaltung ohne Herdenschutzhunde kaum vorstellbar. «Dort, wo unsere Hunde bei der Herde sind, hatten wir keine Risse mehr», sagt Alberto. Auch nach ihrer aktiven Zeit bleiben die Herdenschutzhunde auf dem Hof und übernehmen eine wichtige Rolle bei der Ausbildung der jüngeren Tiere. «Ich bin den Hunden dankbar für ihre Arbeit», betont er.
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Zwei Gruppen in der Herde
Die Herde besteht vollständig aus Mutterschafen, die in zwei Gruppen unterteilt sind: Eine Gruppe dient als Kreuzungstiere zur Mastlämmerproduktion, die andere Gruppe bildet die sogenannten «Hillsheep». Bei den «Hillsheep» handelt es sich um eine Mischung aus Scottish Blackface und Cheviot – zwei robuste Rassen, die besonders gut für extensive Weidehaltung geeignet sind.
Der Jahresablauf auf dem Betrieb ist stark von der Schafhaltung geprägt. Im Winter befinden sich die Tiere im Stall und werden dort gefüttert. Ende März beginnt die Ablammzeit: Rund 80 bis 90 % der Lämmer werden innerhalb der ersten vier Wochen geboren – meist Mehrlingsgeburten.
Nach der Geburt bleiben Mutterschafe und Lämmer zunächst in Stallnähe mit Weidegang. Anfang bis Mitte Juni werden sie auf die Alp Culm da Sterls in Trin gebracht, wo sie bis etwa Mitte September bleiben. Danach kehrt die Herde ins Tal zurück und bleibt bis Mitte Dezember auf der Weide.
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«Ich sehe mich eher als Produzent denn als Verkäufer»
Nach der Alpzeit werden die Lämmer von den Mutterschafen getrennt. Die Mutterschafe bleiben bis zum nächsten Bockeinsatz auf separaten Flächen, während die Jungtiere auf verschiedenen Weiden mit insgesamt rund zehn Hektaren Fläche untergebracht werden. Ein Teil der Lämmer wird als Aufzuchttiere gehalten, die Mastlämmer werden ab einem Gewicht von etwa 40 bis 45 kg verkauft.
Ein kleiner Teil bleibt für die Direktvermarktung: Im Hofladen werden Produkte wie Salami, Trockenfleisch oder Salametti angeboten. Zusätzlich verkauft der Betrieb jährlich rund 25 Tiere direkt in der Region. Für die Zukunft kann sich Alberto vorstellen, die Vermarktung weiterzuentwickeln: «Ich sehe mich eher als Produzent als Verkäufer», sagt er. Denkbar wäre, die Produkte künftig gemeinsam mit einem Partner über einen Foodtruck in der Region anzubieten.
Betriebsspiegel
Alberto und Elena Stern
LN: Gesamt ca. 25 ha
Weideflächen: ca. 12 ha (inkl. Kastanienwälder)
Schafe: 130
Ziegen: 30
Pferde: 2
Hütehunde: 7
Herdenschutzhunde: 14
Mitarbeitende: saisonal