Wenn im Frühling auf dem Talhof in Altendorf SZ die ersten Lämmer zur Welt kommen, beginnt eine der wichtigsten Phasen im Jahreslauf. Heute dreht sich auf dem Betrieb alles um die Schafhaltung – ein klarer Fokus, der sich über Jahrzehnte entwickelt hat.

Den Grundstein legte 1948 der Vater von Bruno Züger, als er den Hof übernahm. Über viele Jahre wurde der Betrieb als klassischer Mischbetrieb mit Kühen und später auch Schweinen geführt. Für Bruno Züger bedeutete das eine intensive Zeit: Neben seiner Tätigkeit als selbstständiger Schreiner und Monteur half er auf dem Hof mit. Diese Doppelbelastung prägte seinen Alltag über lange Zeit.

Der entscheidende Schritt erfolgte 2015. «Wir haben die Kühe und Schweine verkauft, seitdem halten wir nur noch Schafe», sagt Bruno Züger. Mit diesem klaren Entscheid begann die Spezialisierung des Betriebs.

Übernahme des Betriebs

Heute führt Armin Züger den Hof im Nebenerwerb – unterstützt von seinem Vater Bruno und seinem Onkel. Gemeinsam bewirtschaften sie 6,8 Hektaren Wiesen und einen Hektar Wald.

Der Bestand umfasst 92 Schafe, darunter 46 Muttertiere des Weissen Alpenschafs. Ergänzt wird die Herde durch Schwarzbraune Bergschafe. Armin Züger verfolgt das Ziel, den Anteil der Schwarzbraunen Bergschafe weiter zu erhöhen. Für die Zucht stehen mindestens zwei Böcke zur Verfügung, die bei Bedarf zugekauft werden. Drei Ziegen unterstützen die Lämmeraufzucht mit Milch.

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Ein Teil der Infrastruktur stammt noch aus den 1950er-Jahren. Einige Tiere werden im oberen Bereich einer Scheune gehalten, erreichbar über eine Rampe. Heu und Silage produziert die Familie selbst; lediglich Stroh und etwas Kraftfutter werden zugekauft.

Neben der Arbeit auf dem Hof hat Armin Züger auch beruflich eigene Wege eingeschlagen. Im Januar 2025 gründete er eine Firma. Er ist ausgebildeter Landschafts- und Gartenbauer EFZ sowie diplomierter Grünflächenpflegespezialist – eine Qualifikation, die ihm zusätzliche Flexibilität verschafft. Zudem engagiert er sich im Schafzuchtwesen und ist seit Anfang dieses Jahres im Vorstand des Schweizerischen Schafzuchtverbands tätig. Auch Ausstellungen gehören für ihn zum festen Jahresprogramm. 2025 holte er den Sieg des Preises «Miss March» bei der Schafausstellung in Siebnen.

Im Rhythmus der Herde

Eine der arbeitsintensivsten Zeiten für Armin und Bruno Züger ist die Ablammzeit, die im Frühjahr zwischen Ende Februar und April, im Herbst zwischen Mitte Oktober und Ende Dezember stattfindet.[IMG 3]

Im Sommer folgt die Alpung: Von Juni bis September verbringen die Tiere gemeinsam mit rund 300 Schafen von zwei weiteren Betrieben die Zeit auf der Alp. Böcke und Ziegen bleiben währenddessen auf dem Hof. Auf der Alp werden entsprechende Herdenschutzmassnahmen umgesetzt.

Auch auf dem eigenen Betrieb beschäftigt das Thema Wolf Bruno und Armin Züger zunehmend. Herdenschutzhunde setzen sie dort nicht ein. Die Tiere werden deshalb nachts vorsorglich in den Stall gebracht, während sie tagsüber auf den Wiesen gut überschaubar bleiben. Im eigenen Bestand gab es bislang keine Risse. In der weiteren Umgebung wurden jedoch bereits Fälle gemeldet – unter anderem in Wangen und in Galgenen. Auch rund einen Kilometer vom Hof entfernt wurde Wild gerissen.

Nach der Alpzeit kehren die Tiere zurück auf den Betrieb. In dieser Phase wird der Bestand entsprechend sortiert und ein Teil der Tiere erreicht das Vermarktungsgewicht von rund 45 Kilogramm. Diese werden zur Schlachtung abgegeben. So entsteht ein regelmässiger Absatz, der eng mit dem Jahresrhythmus verbunden ist. Andere Tiere bleiben gezielt im Bestand, um die Weiterzucht zu sichern und die Rassenstandards langfristig zu erhalten. Die Fleischpreise beurteilen Bruno und Armin Züger derzeit als gut, auch wenn Investitionen in Tiergesundheit zusätzliche Kosten verursachen. Die Wollpreise hingegen spielen wirtschaftlich nur eine untergeordnete Rolle. Sie erzielt geringe Preise und wird häufig als Dämmstoff weiterverwendet.

Positive Effekte durch Impfung und Sanierung

«Die Tiergesundheit hat bei uns oberste Priorität», betonen Armin und Bruno Züger. In den Jahren 2025 und 2026 wurden die Tiere gegen die Blauzungenkrankheit geimpft. Ein Schaf verendete trotz Impfung im Zusammenhang mit der Erkrankung, ein weiteres erholte sich vollständig. Seither sind im Betrieb keine grösseren Probleme oder Missbildungen mehr aufgetreten. Armin und Bruno Züger sehen darin eine deutliche Stabilisierung der Herde. Zwar entstanden zusätzliche Kosten, diese werden jedoch vom Bund teilweise zurückerstattet. Zudem habe sich die Verfügbarkeit der Impfstoffe inzwischen deutlich verbessert.

Eng damit verbunden ist die Moderhinke-Sanierung. Für Armin und Bruno Züger ist die konsequente Bekämpfung der Klauenkrankheit eine zentrale Voraussetzung für eine langfristig gesunde und leistungsfähige Herde. Prävention spielt dabei eine entscheidende Rolle. «Vor der Alpung durchlaufen alle Tiere ein Klauenbad. Auch beim Zukauf achten wir konsequent auf Hygiene – saubere Transportfahrzeuge sind entscheidend, damit wir keine Krankheiten einschleppen», sagt Bruno Züger.

Herausforderungen und Blick in die Zukunft

Trotz der positiven Entwicklung in der Tiergesundheit bleibt der Blick nach vorne für Armin Züger differenziert. Neben den betrieblichen Fortschritten beschäftigt ihn vor allem die zukünftige Rolle der Schafhaltung. «Ich wünsche mir, dass die Schafhaltung und das Schaf wieder mehr Anerkennung erhalten – als Lieferantin hochwertiger, gesunder und nachhaltig produzierter Nahrungsmittel wie Fleisch und Milch, aber auch für Kleidung und Bauprodukte wie Wolle», sagt er. Gleichzeitig bereitet ihm die Entwicklung der Zucht Sorge: «Es wäre wichtig, dass sich die Herdebuchzahlen stabilisieren und nicht weiter zurückgehen, besonders bei den alten Schweizer Rassen. Hier stehen auch die Züchter und Rassenverbände in der Verantwortung.»

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Auch die Rahmenbedingungen stellen aus seiner Sicht eine wachsende Herausforderung dar. Der zunehmende Druck durch den Wolf, aber auch durch Krankheiten, Kontrollen und administrative Anforderungen sei deutlich spürbar. «Der Aufwand und die Kosten nehmen stetig zu. Gleichzeitig gibt es Regulierungen, die zwar gut gemeint sind, dem Tierwohl in der Praxis aber nicht immer dienen. Hier braucht es den Mut, Fehlentwicklungen zu korrigieren.»

Parallel dazu verfolgt Armin Züger klare Ziele für den eigenen Betrieb. Die Herde soll sich weiterentwickeln, jedoch mit Augenmass: «In fünf Jahren möchte ich den Anteil der Schwarzbraunen Bergschafe auf etwa ein Viertel der Gesamtherde erhöhen. Die Zahl der Weissen Alpenschafe soll hingegen konstant bleiben.»

Bei allen Plänen bleibt jedoch eine gewisse Unsicherheit. «Ich mache mir grosse Sorgen, dass der Druck durch den Wolf – sowohl finanziell als auch beim Arbeitsaufwand – weiter zunimmt und die Schafhaltung zunehmend verdrängt oder sogar verunmöglicht wird», sagt er. Auch Entwicklungen im Ausland beobachtet er aufmerksam. Gleichzeitig sieht er sich – wie viele andere Landwirtschaftsbetriebe – mit steigender Bürokratie, strengeren Auflagen und höheren Kosten konfrontiert.

Betriebsspiegel

Talhof, Altendorf

Mitarbeit: Bruno Züger (Vater), Onkel
Nutzfläche: 6,8 ha Wiesen, 1 ha Wald
Tierbestand: 92 Schafe, 2 Zuchtböcke, 3 Ziegen