Ein Staudenbeet, das vom Frühling bis in den Herbst blüht, wenig Arbeit macht, das Auge erfreut und erst noch einen Lebensraum für Insekten bietet. Das wünschen sich viele Bäuerinnen für ihren Hausgarten. Doch einfach online oder in einem Katalog Pflanzen in der Lieblingsfarbe auszusuchen, funktioniert in den seltensten Fällen. «Entscheidend ist, ob der Boden, die Lichtverhältnisse und die Wasserverfügbarkeit zu den ausgewählten Pflanzen passen. Sonst gehen sie ein», sagt Barbara Lovis-Huber. Sie ist Staudenfachfrau bei Hauenstein in Rafz, in der grössten Baumschule und Staudengärtnerei der Schweiz. Zudem ist sie Autorin des überarbeiteten Nachschlagewerks «Staudenbuch» mit rund 1700 Pflanzenportraits.
Da die hiesigen Sommer eher heisser und trockener werden, gewinnt die Standortwahl zusätzlich an Bedeutung: Gefragt sind robuste, trockenheitsverträgliche Stauden für sonnige Lagen. «Die Grundvoraussetzungen und die Böden sind in vielen Gärten gut», weiss Barbara Lovis Huber. Wichtig sei, dass das Wasser abfliessen könne. Bei schweren, lehmigen Böden helfe es, Sand einzuarbeiten.
Struktur statt Monotonie
Stauden sind nicht nur mehrjährig und winterhart, viele eignen sich auch als Schnittblumen. Doch die Blühsaison ist begrenzt. Ergänzt man die Staudenbeete mit Zwiebelblumen wie Krokus, Tulpen oder Lilien, startet die Blütezeit deutlich früher. Im Winter wirken reine Staudenbeete zudem oft kahl. «Dagegen hilft, ergänzend Gehölze zu setzen», so Barbara Lovis-Huber. «Sie geben dem Beet auch im Winter Struktur.»
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Bei der Pflanzenwahl rät Barbara Lovis-Huber zur Vielfalt statt zu strengen Konzepten: «Aus meiner Sicht muss man sich nicht streng danach orientieren, ob eine Pflanze einheimisch ist oder nicht.» Eine Mischung sei nicht nur optisch spannender, sondern auch für Insekten wertvoller, da so über einen längeren Zeitraum vielfältige Nahrung vorhanden ist.
Die richtige Mischung finden
Ein bisschen Planung im Vorfeld lohnt sich aber, wenn es um die Wahl der Pflanzen geht. Denn ein attraktives Staudenbeet lebt von der richtigen Aufteilung: Rund zehn Prozent sollten sogenannte Leitstauden sein, wie Pfingstrosen oder Echinacea. Dazu kommen etwa 40 Prozent Begleitstauden, die halbhoch wachsen und nach der Blüte oft zurückgeschnitten werden können, wie etwa Frauenmantel oder Storchenschnabel.
Die restlichen 50 Prozent bilden Bodendecker, die das Unkraut unterdrücken und den Boden schützen. «Stauden können auch mit Beeren, Obstgehölzen oder Rosen kombiniert werden», so Barbara Lovis-Huber.
Gute Vorbereitung zahlt sich aus
Die Grundlage für ein gelungenes Staudenbeet wird bereits vor dem eigentlichen Pflanzen gelegt. Der Boden sollte unbedingt unkrautfrei sein. «Hier lohnt es sich, etwas Arbeit zu investieren», sagt Barbara Lovis-Huber. Nach dem Setzen empfiehlt sie, die Pflanzen gut einzuschwemmen, selbst bei Regen.[IMG 3]
Mulchen hilft, den Boden feucht und das Unkraut in Schach zu halten. Ideal ist gut verrotteter Kompost. Frische Holzschnitzel hingegen entziehen dem Boden Stickstoff. Alternativ kann auch mineralisch mit Kies oder Vulkangestein gemulcht werden.
«Wichtig ist, zwischen den Stauden nicht zu hacken», erklärt Barbara Lovis-Huber. «Sonst können die ausläuferbildenden Stauden sich nicht entsprechend ausbreiten.»
Weniger Pflege, als man denkt
Stehen Stauden am passenden Standort und haben sie sich einmal richtig etabliert, sind sie in der Regel tatsächlich pflegeleicht. Im ersten Jahr müssen sie allerdings regelmässig gegossen werden. In den folgenden Jahren nur noch bei längerer Trockenheit. Dabei gilt: Lieber selten und durchdringend wässern als täglich nur oberflächlich.
Auch beim Düngen ist Zurückhaltung angesagt. Zu nährstoffreiche Böden fördern zwar das Wachstum, machen die Pflanzen aber anfälliger für Krankheiten. Ein häufiger Fehler sei zudem die Scheu vor der Schere. Dazu sagt Barbara Lovis-Huber: «Hat eine Staude kranke Triebe, darf man sie zurückschneiden. Sie treibt wieder aus.»
Etliche Arten wie etwa Steppensalbei, Rittersporn oder Storchschnabel danken einen Rückschnitt nach der Blüte mit einem zweiten Flor. Manche Stauden sind anfällig für Mehltau, besonders bei dichtem Bewuchs. Neben einem Rückschnitt helfen auch einfache Hausmittel wie verdünnte Milch im Verhältnis 1:6 auf die Blätter zu sprühen. «Das funktioniert.»
Schneckenkörner nur einmal, aber dafür früh genug einsetzen
Wie alle Gärtnerinnen und Gärtner aus leidiger Erfahrung wissen, können Schnecken vor allem im Frühjahr zur Plage werden. Dagegen empfiehlt Barbara Lovis-Huber frühzeitig zu reagieren, mit einer einmaligen Gabe von Schneckenkörnern Anfang März. Grundsätzlich gilt jedoch für alle Stauden: «Es sind Freilandpflanzen, die der Witterung ausgesetzt sind. Mit gewissen Schäden muss man leben, ein Rückschnitt fördert einen gesunden Neuaustrieb.»
Barbara Lovis-Huber selbst gefallen alle Stauden der Familie der Apiaceae, das sind die Doldenblütler/Umbelliferen – wie etwa wilde Rüebli (Daucus carota), Breitsame (Orlaya grandiflora) oder Engelwurz (Angelica archangelica). «Viele Vertreter dieser Familie sind einheimisch, aber eben nicht nur», sagt die Staudenfachfrau. «Es seien vielfältige Strukturstauden, die Nahrung und Unterschlupf bieten für eine Vielzahl von Insekten und Kleintieren. Sie fördern die Biodiversität und erfreuen die Betrachter. «Zudem haben sie eine ausgesprochen breite Standortamplitude, also eine Toleranz gegenüber unterschiedlichen Umweltbedingungen.»